538 Entſcheidungen des Oberlandesgerichts München.
Inſtanz dem Angeklagten überbürden. (Es hat des-
Halb die Straffammer, indem ſie ausſprach, ſämmt-
liche Koſten der I]. Inſtanz habe auf Grund des
S. 505 der RStPO. die Staatskaſſa zu tragen,
dieſe materielles Recht enthaltende Geſezesſtelle durch
unrichtige Anwendung verlebt. In Folge deſſen iſt
der angefochtene Ausſpruch bezüglich der auf die Be-
rufung des Angeklagten erwachſenen Koſten aufzu-
heben und die Sache zur anderweiten Verhandlung
an die Straffammer zurükzuverweiſen, welche Ent-
ſcheidung ſich nicht nur auf die Koſten 1]. Inſtanz,
ſondern auch auf die in der Reviſionsinſtanz erwachſe-
nen Koſten zu erſtreXen hat, und zwar in Anwend-
ung der 8F. 393 Abſ. 1 und 394 Abſ. 2 der RStPO.
Urtheil vom 8. April 1880.
1V. Polizeiſtrafgeſetßzbuch.
Art. 145 Ziff. 2; Reichsögew.-O. FFS. 23, 42.
Der Magiſtrat der Stadt München hat am
9. Auguſt 41878 für die Benüßung des Münchener
Schlacht - und Viehhofes ortspolizeiliche von der k.
Kreisregierung für vollziehbar erklärte Vorſchriften
erlaſſen, von denen 8. 3 Abſ. 3 lautet:
Die Einfuhr von rohem Fleiſch und Spe>, roher
Eingeweide und roher Fleiſchwaaren in die Stadt
iſt verboten.
Der zum ſelbſtſtändigen Betriebe eines ſtehen-
den Meßgergewerbes in Thalkirchen befugte Wirth
T. V. iſt angeklagt, rohes Fleiſch von Thieren, die
er in Ausübung ſeines Meßgergewerbes in Thal-
kirchen geſchlac<tet, in den Monaten Juni und Juli
1879 fortgeſeßt käuflich in den Münchener Stadtbe-
zirk an verſchiedene Kunden geliefert zu haben.
Hiewegen der fortgeſezten Uebertretung obigen
Verbotes angeklagt, wurde er in 1. Inſtanz freige-