228
men Europäischen Seelen in neue Bewegung gesetzt: der heilige
Bernhard von Clairvaux schärfte den Königen das Gewissen,
und die vereinigte Macht der beiden Reiche Teutschland
und Frankreich schien den Prophezeihungen des eifrigen
Cisterciensers den glücklichsten Erfolg zu versprechen. Aber
der heilige Bernhard hatte wohl Recht, wenn er das über
alle Befürchtung traurige Ende den Sünden der Christen zuschrieb,
den Lastern der Kreuzfahrer, der tückischen Bosheit
der Griechischen Christen, und selbst auch der Untreue derer,
welchen man in Palästina helfen wollte.
So viel Teutsches Blut aber dieser Kreuzzug gekostet
so unternahm doch vierzig Jahre nachher Friedrich I. einen
neuen, der, weil die Unternehmung dießmal auch kriegerisch
groß und gegen einen der berühmtesten Helden der Ungläubigen
gerichtet war, eben so zahlreichen Teutschen Adel
wieder herbeizog, als jener erstere. Es hatte sich nehmlich
Saladin, der lange bloß als Wesir in Aegypten regiert, nach
seines Sultans Tode unabhängig gemacht, und mit der Schleunigkeit,
eines Cäsarglücks Sprien und Palästina unterjocht,
selbst Jerusalem wieder erobert. Kaiser Friedrich schien der
einzige zu seyn, der es ihm wieder entreissen könnte; aber er
fand noch auf dem Marsche in Armenien seinen Tod, und
der zugleich veranstaltete Kreuzzug beider Könige von England
und Frankreich Richard I., und Philipp II. konnte bei der
Verschiedenheit der Charaktere und Interessen dieser zwei Prinzen
unmöglich einen Ersatz jenes Verlusts geben, er vermehrte
die Schmach der Christen, und brachte den Krieg aus Palaͤ-stina
nach Europa zurück.
Ungeachtet der sichtbar unglücklichen Folgen wurde es
doch jedem König, der die Hülfe des Römischen Hofs nöthig
hatte, und besonders den Teutschen Königen= zur Dankbar-