Das deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. (März 25. — April 6.) 67
santem Trauerzuge durch das Brandenburger Thor nach dem Lehrter
Bahnhofe geleitet, von dort nach Hannover überführt. Auch hier
wohnt ein Vertreter des Kaisers der Feier bei.
25. März. (Dresden.) General der Kavallerie, Graf
v. Fabrice, Präsident des Staats-Ministeriums, Minister des
Krieges und der auswärtigen Angelegenheiten f. Generalmajor
Edler von der Planitz wird zum Staats= und Kriegsminister,
Staatsminister v. Gerber zum Präsidenten des sächsischen
Ministeriums ernannt. Die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten
werden dem Staatsminister v. Metzsch übertragen.
26. März. Abg. v. Rauchhaupt veröffentlicht in der „Kreuzzeitung“
einen Artikel, worin er in scharfer Weise das Verhalten
der konservativen Fraktion in der Frage der Landgemeinde-Ordnung
gegen einen Angriff der „Hamburger Nachrichten“ verteidigt.
Diese hatten der Fraktion vorgeworfen, daß sie der „Depossedierung“
der Bauern zustimmten, und den mangelnden Widerstand
gegen die Regierung von den vielen Beamten unter den Abgeordneten
hergeleitet.
März. Durch die Zeitungen geht eine allmählich an Bestimmtheit
gewinnende Erzählung, daß vor Jahren Fürst Bismarck
dem Minister v. Bötticher eine sehr erhebliche Summe aus dem
Welfenfonds zugewiesen habe, um damit Verbindlichkeiten seines
Schwiegervaters zu decken.
1. April. Der Kaiser reist über Stettin nach Lübeck.
1. April. (Welfenfonds.) Der „Reichsanzeiger“ meldet:
Nachdem schon seit langer Zeit Erwägungen über eine anderweitige
Regelung der Verwaltung des beschlagnahmten Vermögens der vormaligen
hannoverschen Königsfamilie stattgefunden haben, hat das
Staatsministerium nunmehr beschlossen, dem Landtage in der nächsten
Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher für die Dauer der
Beschlagnahme nähere Bestimmungen über die Verwendung der
Revenuen des Vermögens und deren Kontrolle trifft.
6. April. (Kiel.) Der Kaiser beginnt eigenhändig den
Durchstich des Nord-Ostsee-Kanals bei Landwehr.
Bei Gelegenheit eines Vortrages vor Marine-Offizieren
ergreift der Kaiser das Wort und setzt auseinander, daß im zukünftigen
Kriege die deutsche Marine offensiv vorgehen werde und
daß der Begriff der „Strategie“ vom Landkrieg auf den Seekrieg
zu übertragen sei (ausführl. Bericht in der „National-Zeitung").
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