Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Sechzehnter Jahrgang. 1888. (16)

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15.  Wenn  die  nach  Nr.  13  und  14  erforderlichen  Mengen  des  Gespinnstes  oder  Gewebes  nicht
verfügbar  gemacht  werden  können,  dürfen  die  Untersuchungen  an  geringeren  Mengen,  sowie  im  Falle  der
Nr.  14  auch  an  einem  Theile  des  nach  Nr.  13  untersuchten,  mit  Wasser  ausgezogenen,  wieder  getrockneten
Stoffes  vorgenommen  werden.

16.  Das  Gespinnst  oder  Gewebe  ist  in  kleine  Stücke  zu  zerschneiden,  welche  in  eine  tubulirte
Retorte  aus  Kaliglas  von  etwa  400  ccm  Inhalt  zu  bringen  und  mit  100  coem  reiner  Salzsäure  von
1/19  spez.  Gewicht  zu  übergießen  sind.  Der  Hals  der  Retorte  sei  ausgezogen  und  in  stumpfem  Winkel
gebogen.  Man  stellt  dieselbe  so,  daß  der  an  den  Bauch  stoßende  Theil  des  Halses  schief  aufwärts,  der
andere  Theil  etwas  schräg  abwärts  gerichtet  ist.  Letzteren  schiebt  man  in  die  Kühlröhre  eines  Liebig'’schen
Kühlapparates  und  schließt  die  Berührungsstelle  mit  einem  Stücke  Kautschuckschlauch.  Die  Kühlröhre  führt
man  luftdicht  in  eine  tubulirte  Vorlage  von  etwa  500  cem  Inhalt.  Die  Vorlage  wird  mit  etwa  200  cem
Wasser  beschickt  und,  um  sie  abzukühlen,  in  eine  mit  kaltem  Wasser  gefüllte  Schale  eingetancht.  Den
Tubus  der  Vorlage  verbindet  man  in  geeigneter  Weise  mit  einer  mit  Wasser  beschickten  Péligot'schen  Röhre.

17.  Nach  Ablauf  von  etwa  einer  Stunde  bringt  man  5  cem  einer  aus  Krystallen  bereiteten  kaltgesättigten
  Lösung  von  arsenfreiem  Eisenchlorür  in  die  Retorte  und  erhitzt  deren  Inhalt.  Nachdem  der
überschüssige  Chlorwasserstoff  entwichen,  steigert  man  die  Temperatur,  so  daß  die  Flüssigkeit  ins  Kochen
kommt  und  destillirt,  bis  der  Inhalt  stärker  zu  steigen  beginnt.  Man  läßt  jetzt  erkalten,  bringt  nochmals
50  cem  der  Salzsäure  von  1119  spez.  Gewicht  in  die  Retorte  und  destillirt  in  gleicher  Weise  ab.

18.  Die  durch  organische  Substanzen  braun  gefärbte  Flüssigkeit  in  der  Vorlage  vereinigt  man
mit  dem  Inhalt  der  Pôligot'schen  Röhre,  verdünnt  mit  destillirtem  Wasser  etwa  auf  600  bis  700  cem
und  leitet,  anfangs  unter  Erwärmen,  dann  in  der  Kälte,  reines  Schwefelwasserstoffgas  ein.

19.  Nach  12  Stunden  filtrirt  man  den  braunen  zum  Theil  oder  ganz  aus  organischen  Substanzen
  bestehenden  Niederschlag  auf  einem  Asbestfilter  ab,  welches  man  durch  entsprechendes  Einlegen
von  Asbest  in  einen  Trichter,  dessen  Röhre  mit  einem  Glashahn  versehen  ist,  hergestellt  hat.  Nach  kurzem
Auswaschen  des  Niederschlags  schließt  man  den  Hahn  und  behandelt  den  Niederschlag  in  dem  Trichter
unter  Bedecken  mit  einer  Glasplatte  oder  einem  Uhrglas  mit  wenigen  ccm  Bromsalzsäure,  welche  durch
Auflösen  von  Brom  in  Salzsäure  von  1119  spez.  Gewicht  hergestellt  worden  ist.  Nach  etwa  halbstündiger
Einwirkung  läßt  man  die  Lösung  durch  Oeffnen  des  Hahns  in  den  Fällungskolben  abfließen,  an  dessen
Wänden  häufig  noch  geringe  Antheile  des  Schwefelwasserstoff-Niederschlages  haften.  Den  Rückstand  auf
dem  Asbestfilter  wäscht  man  mit  Salzsäure  von  1/19  spez.  Gewicht  aus.

20.  In  dem  Kolben  versetzt  man  die  Flüssigkeit  wieder  mit  überschüssigem  Eisenchlorür  und
bringt  den  Kolbeninhalt  unter  Nachspülen  mit  Salzsäure  von  119  spez.  Gewicht  in  eine  entsprechend
kleinere  Retorte  eines  zweiten,  im  übrigen  dem  in  Nr.  16  beschriebenen  gleichen  Destillirapparates,
destillirt,  wie  in  Nr.  17  angegeben,  ziemlich  weit  ab,  läßt  erkalten,  bringt  nochmals  50  cem  Salzsäure
von  1/19  spez.  Gewicht  in  die  Retorte  und  destillirt  wieder  ab.

21.  Das  Destillat  ist  jetzt  in  der  Regel  wasserhell.  Man  verdünnt  es  mit  destillirtem  Wasser
auf  etwa  700  com,  leitet  Schwefelwasserstoff  wie  in  Nr.  18  angegeben  ein,  filtrirt  nach  12  Stunden  das
etwa  niedergefallene  dreifach  Schwefelarsen  auf  einem,  nach  einander  mit  verdünnter  Salzsäure,  Wasser
und  Alkohol  ausgewaschenen,  bei  1100  C.  getrockneten  und  gewogenen  Filterchen  ab,  wäscht  den  Rückstand
auf  dem  Filter  erst  mit  Wasser,  dann  mit  absolutem  Alkohol,  mit  erwärmtem  Schwefelkohlenstoff  und
schließlich  wieder  mit  absolutem  Alkohol  aus,  trocknet  bei  1100  C.  und  wägt.

22.  Man  berechnet  aus  dem  erhaltenen  dreifachen  Schwefelarsen  die  Menge  des  Arsens  und
ermittelt,  unter  Berücksichtigung  des  nach  Nr.  14  festgestellten  Flächeninhalts  der  Probe,  die  auf  100  qem
des  Gespinnstes  oder  Gewebes  entfallende  Arsenmenge.