C. Baupolizei. 3 186. 877
Das Erk. des RG. vom 6. Mai 18931) bestimmt das Verhältnis
des Enteignungsgesetzes und des Fluchtliniengesetzes
zu einander dahin, daß dieses aus ihrem beiderseitigen
Gesamtinhalte gefunden werden müsse (S. 275), und
sagt im besonderen, es müsse hieraus gefolgert werden, daß die
materiellen Vorschriften des Enteignungsgesetzes auf die Fälle
des Fluchtliniengesetzes nur insoweit anzuwenden seien, als die
betr. Frage im Fluchtliniengesetze nicht anders geregelt sei.2)
m186.
Bedeutung und Festsetzung der Fluchtlinien.
Die rechtliche Bedeutung der Fluchtlinien besteht nicht
darin, festzustellen, wo gebaut werden darf, sondern zu kennzeichnen,
welche Flächen zu öffentlichen Straßen und Plätzen
vorbehalten werden sollen und deshalb nicht bebaubar sind.
Es ist bei Fluchtlinienfestsetzungen nicht gestattet, Flächen, die
weder zu Straßen noch zu Plätzen ausgewiesen werden, dennoch
von der Bebauung auszuschließen unter Vorbehalt künftiger
Bestimmung über deren Zulassung zur Bebauung,s) vielmehr
ist die Frage, ob das die ausgewiesenen Straßen usw. umgebende
Gelände bebauungsfähig, für den Anbau bestimmt ist,
nur nach der für das Gelände selbst, unabhängig von der Fluchtlinienfestsetzung
geltenden Sach= und Rechtslage zu entscheiden.
Darum kann auch dadurch, daß nur eine Baufluchtlinie festgesetzt
wird, dem auf der anderen Seite der Straße angrenzenden
Gelände die ihm sonst beiwohnende Bebaubarkeit nicht entzogen
werden. An sich bedarf es, um ein Grundstück bebauungsfähig
zu machen, nicht der vorgängigen Festsetzung von Baufluchtlinien,
auch nicht, wenn das Angrenzen an eine öffentliche
Straße als regelmäßige Vorbedingung der Bebaubarkeit hingestellt
wird.") Ist eine Fluchtlinie nur auf einer Seite
gezogen, so läßt sich die Grenze auf der anderen Seite nur
nach den Verhältnissen des einzelnen Falles bestimmen; pvygl.
Friedrichs, Baufluchtengesetz Bem. 8 zu 8 1, 4. Aufl., S. 36.5)
1) Entsch. 31 273. 4) Vgl. Erk. d. OVG. vom 17. Mai
2) Erk. d. RG. vom 22. Mai 1900, 1892, Entsch. 21 366.
Pr Wl. 22 278. S) Erk. d. OVG. vom 11. Julie
3) Vgl. Erk. d. OVG. vom 1901, Entsch. 10 368, v. Kptz Rspr.
25. September 1891, Entsch. 21 375. 2. Erg. Bd. 5727.