Full text : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1831. (15)

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oder  was  daraus  fortgebracht  wird,  werden  die  Nachbarn  auch  wohl  thun,  die
Luft  in  ihren  Wohnungen  durch  fleißiges  Oeffnen  der  Fenster  und  Thüren  und
durch  vorsichtig  anzustellende  Räucherungen  b  mittelst  Ehlors  oder  Salpetersaure,
allenfalls  auch  durch  Essigdampfe  zu  reinigen.

15)  Um  endlich  selbst  für  den  Fall,  daß  ein  Mitglied  der  Familie  an  der
Cholera  erkranken  sollte,  wenigstens  die  übrigen  Mitglieder  vor  der  Ansteckung  möglichst
zu  schützen,  nehme  man,  wenn  die  Wohnungsverhaltnisse  es  irgend  gestatten,  schon
im  Voraus  auf  die  Einrichtung  von  einigen  abgesonderten  und  leicht  abzusperrenden
  Zimmern  Bedacht,  worin  etwa  erkrankende  Hausgenossen  aufgenommen  werden
  und  während  ihrer  Krankheit  und  Genesung  verbleiben  können.

Diejenigen  Personen  aber,  deren  Beruf  es  mit  sich  bringt,  daß  sie  sich  durch
den  Eintritt  in  den  infizirten  Raum  selbst  der  Ansteckung  mehr  als
andere  aussetzen,  wie  z.  B.  Aerzte,  Chirurgen,  Krankenpfleger  und  Warter,  Geistliche
  u.  s.  w.,  müssen  sich  durch  die  Beobachtung  folgender  besonderer  Vorsichtsmaßregeln
  vor  der  nachtheiligen  Einwirkung  des  Ansteckungsstoffes  zu  schützen
suchen:

1)  Man  begebe  sich  zu  den  Kranken  niemahls,  wenn  man  ganz  nüchtern  ist,
sondern  genieße,  wenn  man  früh  Morgens  oder  Nachts  zu  ihnen  gerufen  wird,
wenigstens  zuvor  etwas  Kaffee  oder  Thee,  Wein,  Liqucur,  gewürzhafte  Tinktur  und
dergleichen,  je  nachdem  man  an  dieses  oder  jenes  gewöhnt  ist.  Auch  das  Kauen
von  eingemachtem  Ingwer,  Kalmus,  Pomeranzenschaalen,  der  Genuß  von  Pfeffermünzpläßchen
  oder  dergleichen,  ist  bey  einem  solchen  Besuche  nicht  unangemessen.

2)  Vor  dem  Eintritte  in  die  Krankenwohnung  lege  man  über  seine  gewöhnliche
  Kleidung  wo  möglich  einen  Mantel  von  Wachstaffet  oder  Wachöleinwand
an,  welcher  den  Ansteckungöstoff  bey  weitem  nicht  so  leicht  als  eine  wollene,  baumwollenc
  oder  dergleichen  Bekleidung  annimmt.  Man  kann  auch  ein  Fläschchen
mit  Chlornatron-Solution  oder  starkem  aromatischen  Essig  bey  sich  tragen  und  öfters
  daran  riechen,  sowie  es  endlich,  wenn  Gewohnheit  und  die  Umstände  solches
gestatten,  auch  nützlich  seyn  kann,  während  des  Krankenbesuches  Tabak  zu  rauchen
und  dabey  öfters  auszuspeyen,  wogegen  der  Gebrauch  des  Schnupftabaks  während
des  Krankenbesuches  nicht  zu  rathen  ist.

Man  verweile  nicht  unnöhig  lange  bey  dem  Kranken  und  vermeide  jede
überflüssige  Berührung  desselben.  Besonders  aber  hüte  man  sich,  seinem  Athem
und  seiner  Ausdünstung,  so  wie  dem,  aus  den  eben  geöffneten  Betten  aufsteigenden
  Dunste  unmittelbar  und  in  der  Nähe  sich  auszusetzen.  Sollte  es  durchaus
nöthig  seyn,  den  Kranken  zu  berühren:  so  ist  sehr  zu  rathen,  daß  man  die
Hände  mit  etwas  Salbe,  z.  B.  Rosenpomade,  zuvor  bestreiche.