Volltext : Die Reichsbank 1876-1900. (1)

Die  Verwahrung  und  Verwalinng  von  Werthgegenständen.  209

bilden,  ungünstig;  die  durch  den  wirthschaftlichen  Aufschwung  entstandene  Kapitalknappheit
  führte  zur  Versilberung  großer  Beträge  an  soliden  Zinspapieren,  was  wiederum  die
Zurücknahme  vieler  Depots  zur  Folge  hatte.  Ferner  wurden  Anlagewerthe  auch  in
großen  Beträgen  gegen  —  vielfach  erst  neu  emittirte  —  Aktien  gewerblicher  Unter.
nehmungen  vertauscht;  die  letzteren,  nicht  zu  dauernder  Kapitalanlage,  sondern  zum
Wiederverkauf,  zur  Spekulation  bestimmt,  wurden  darum  nicht  erst  bei  der  Reichsbank
deponirt.  Auch  die  zum  Verkauf  gelangten  Anlagepapiere  kehrten  nicht  in  die  Depots
der  Reichsbank  zurück,  bildeten  vielmehr,  wie  stets  in  Zeiten  hochgehender  Spekulation,
schwimmendes  Material  an  den  Börsen  und  bei  den  Banken,  kamen  jedenfalls  zum  großen
Theil  in  Hände,  die  nicht  bei  der  Reichsbank  zu  deponiren  pflegen.  Dabei  kamen  auch
noch  spezielle  Gründe  in  Betracht,  die  einzelne,  aber  für  das  Depotgeschäft  der  Reichsbank
  besonders  wichtige  Gruppen  von  Werthpapieren  stark  beeinflußten,  z.  B.  die  Ein.
richtung  des  Staatsschuldbuchs  in  Preußen  und  des  Reichsschuldbuchs,  die  Ausdehnung
des  Depotgeschäfts  der  Privatbanken  mit  mancherlei  besonderen  Einrichtungen,  die  sich
für  die  Reichsbank  nicht  eignen  (sakes  2c.).  Die  wiederholt  behufs  Deckung  der  entstehenden
großen  Kosten  nothwendig  gewordene  Erhöhung  der  Depotgebühren  scheint  einen  erheb.
lichen  Einfluß  nicht  ausgeübt  zu  haben.

Daß  die  bei  der  Reichsbank  hinterlegten  Papiere  zum  überwiegenden  Theil  deutschen
Ursprunges  und  in  Markwährung  ausgestellt  sind,  liegt  in  der  Natur  der  Sache  und
würde  wohl  ziemlich  in  demselben  Verhältniß  der  Fall  sein,  wenn  die  Bank  die  Aufbewahrung
  und  Verwaltung  der  im  Auslande  ausgestellten  Papiere  nicht  mit  einer  etwas
höheren  Gebühr  belegt  hätte.  Unter  den  deutschen  Papieren  nehmen  wieder  die  deutschen
Reichs=  und  Staatsanleihen  seit  einer  Reihe  von  Jahren  einen  breiten  Raum  ein,
1876  betrugen  sie  nur  3,3  Prozent,  1900  dagegen  40  Prozent  aller  bei  der  Bank
deponirten  Papiere,  nachdem  sie  1890  und  1891  schon  die  hohe  Prozentziffer  43
bezw.  43,2  erreicht  hatten.  Dem  Betrage  nach  haben  sie  sich  von  14,2  Millionen  im  Jahre
1876  auf  1  120  Millionen  Mark  im  Jahre  1896  vermehrt,  sind  indessen  seither  wieder
etwas  zurückgegangen,  um  schließlich  1900  mit  1152  Millionen  Mark  ihren  höchsten
Stand  zu  erreichen.  Diese  außerordentliche  prozentuale  und  absolute  Steigerung  ist
die  Folge  der  bedeutenden  Vermehrung  der  Reichs-  und  Staatsschulden  in  Deutschland.
An  erster  Stelle  stehen  hier  naturgemäß  die  Staatsanleihen  Preußens  entsprechend  der
Größe  der  fundirten  Schuld  dieses  Staates.  Ganz  außergewöhnliche  Zunahmen  sind
hier  zu  verzeichnen  in  den  Jahren  1889  und  1890,  in  welchen  die  deponirten  Summen
von  342  auf  534  und  dann  auf  722  Millionen  Mark  emporschnellten,  lediglich  die
Folge  einer  Verschiebung,  nämlich  des  Umtausches  sehr  großer  Beträge  von  Aktien  und
Obligationen  verstaatlichter  Eisenbahnen  in  preußische  Konsols.  Die  Verminderung

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