Englands Kabelverbindungen. · 45
England rücksichtelos eine Kabelzensur über den internationalen Nachrichtendienst
unter Mißachtung der Interessen anderer Länder verhängt.
Dadurch sah die französische Regierung sich im November 1900 veranlaßt,
einen Kredit von 130 Millionen Franke zur Errichtung nationaler Kabellinien
von der Kammer zu verlangen. In der Begründung dieses Gesetzentwurfes
war ausgeführt:
„England verdankt seinen Einfluß in der Welt vielleicht mehr seinen
Kabelverbindungen als seiner Marine. Es beherrscht die Nachrichten und
macht sie seiner Politik und seinen Geschäften in wunderbarer Weise
dienstbar. Bon allen Punkten der Erde kommen die Depeschen in London
an, und sie reden nur von dem englischen Handel, der englischen Industrie
und der englischen Politik. Die Kabel haben kräftig dazu beigetragen, den
ganzen Verkehr Englands zu entwickeln. Der Geschäftemann in fremden
Ländern kennt nur den Kurs von London—Paris; Lyon, Marseille,
Antwerpen, Amsterdam, Hamburg sind ihm unbekannt.“
Also sprach die französische Regierung im Jahre 1900 über das
britische Kabelmonopol und seinen Mißbrauch — zu einer Zeit, als sie sich
bemühte, die Möglichkeiten zu schaffen, um Havas gegen Reuter auszuspielen.
Heute führen Havas und Reuter Schulter an Schulter den
Kampf gegen die Wahrheit, den Kampf gegen die internationale Freiheit
des Nachrichtendienstes!
Die Nachrichtenblockade war eine der wirksamsten Waffen des Kriegees,
da sie der Entente die politische Bearbeitung der ganzen Welt und mit
der Länge der Zeit die Gewinnung immer neuer Bundeêgenossen gegen
Deutschland ermöglichte. Durch diese Nachrichtenblockade wurde die
politische Grundstimmung geschaffen, die nötig war, um die überseeischen
Länder durch Zuhilfenahme weiterer Druckmittel aller Art in ausreichender
Weise beeinflussen zu können. Die Nachbarn Deutschlande, die auch während
des Krieges die Fühlung mit dem deutschen Nachrichtenwesen behielten
und infolgedessen nicht in der einseitigen Weise geistig beeinflußt werden
konnten wie das überseeische Ausland, wurden um so stärkeren wirtschaftlichen
Druckmitteln unterzogen.
Hierzu verhalf eine mit dem bestehenden Völkerrecht nicht zu vereinbarende
Ausdehnung der Blockade, eine immer tiefer eingreifende
Kontrolle und Beschränkung des gesamten Handelsverkehrs der neutralen
Nachbarn der Mittelmächte. Unmittelbarer Zweck dieser erweiterten
Blockade war es, die Wirksamkeit der wirtschaftlichen Blockade gegen
Deutschland selbst sicherzustellen und zu verschärfen. Darüber hinaus
bestand, wie bei vielen anderen Mitteln der wirtschaftlichen Kriegführung,
der mittelbare Zweck, die kleineren neutralen Staaten aus dem Kriege
keine wirtschaftlichen Vorteile auf Kosten der kriegführenden Handels-