Full text : Illustrierte Geschichte Deutschlands.

330  Friedrich  d.  Gr.  und  seine  Zeil.

—

keit  herbeigeschafft  werden,  ja  der  König  sah  sich  schon  jetzt  durch  die  Not  gezwungen,
schlechteres  Geld  prägen  zu  lassen,  um  damit  seine  Soldaten  bezahlen  zu  können.  An
Bundesgenossen  hatte  er  nur  England  und  die  kleineren  deurschen  Fürsten,  und  alle  waren
durch  die  unglückliche  Konvention  von  Kloster  Zeven  gelähmt.  Allein  das  englische  Volk
war  durch  die  Schlacht  von  Roßbach  für  Friedrich  begeistert.  Der  englische  Premier-Minister
  Pitt  verwarf  jene  Konvention,  und  beschloß  den  Krieg  mit  neuem  Ernst  fortzusetzen,
  indem  er  dem  verbündeten  Heere  den  Herzog  von  Braunichweig  sandte.  Dieser
setzte  nach  einem  mit  Friedrich  verabredeten  Plane  sein  kleines  Heer  schon  im  Februar
in  Bewegung,  und  vertrieb  die  sorglosen  Franzosen  aus  dem  Lande  zwischer  Aller  und
Weser,  Weser  und  Rhein,  so  daß  sie  bei  Düsseldorf  über  den  Rhein  gingen.  Allein
Ferdinand  verfolgte  sie  auch  über  den  Rhein,  griff  sie  bei  Krefeld  an  und  schlug  sie  in
die  Flucht.  Nun  ging  Düsseldorf  an  ihn  über,  und  seine  leichten  Scharen  streiften  sogar
in  die  österreichischen  Niederlande,  bis  vor  die  Tore  von  Brüssel.

Friedrich  entriß  indessen  den  Oesterreichern  den  wichtigen  ersten  Platz,  den  sie  noch
in  Schlesien  besaßen,  Schweidnitz  (18.  April).  Dann,  der  in  Böhmen  stand,  wandte  alles
an,  dieses  Land  dem  König  unzugänglich  zu  machen,  aber  Friedrich  ging  in  Eilmärschen
statt  nach  Böhmen  nach  Mähren  und  belagerte  Olmütz,  das  er  aber  nicht  gewann.  Nun
war  der  Rückgang  nach  Schlesien  versperrt;  der  vorsichtige  Daun  hatte  die  Pässe  besetzt,
und  glaubte  den  König  in  seiner  eigenen  Schlinge  gesangen  zu  haben.  Allein  Friedrich
wendete  sich  plötzlich,  drang  über  die  Gebirgspässe  nach  Böhmen  ein  und  würde  vielleicht
aus  diesem  Lande  nicht  so  bald  vertrieben  worden  sein,  wenn  ihn  nicht  das  Eindringen
der  Russen  in  Pommern  und  der  Neumark,  das  sie  schrecklich  verwüsteten,  dorthin  getrieben
  hätte.  Er  zog  daher  wieder  über  die  Gebirge  Böhmens  nach  Schlesien,  ließ  dort
den  Feldmarschall  Keith  zur  Deckung  des  Landes,  und  eilte  selbst  gegen  die  Russen.
Ueberall  stieß  er  auf  Verwüstungen  des  barbarischen  Feindes,  der  nichts  verschonte.
Küstrin  lag  bis  auf  drei  Häuser  in  Asche,  das  flache  Land  glich  einer  Einöde.  Bei
Zorndorf  kam  es  nun  am  25.  August  zur  Schlacht,  die  von  morgens  9  Uhr  bis  abends
10  Uhr  wütete.  37000  Preußen  kämpften  gegen  70  000  Russen,  Friedrich  hatte  geboten,
keine  Schonung  zu  gewähren.  Am  Abend  lagen  19  000  Russen  auf  dem  Schlachtfeld
aber  auch  11  000  Preußen  waren  gefallen.  Fermor  zog  sich  nach  Polen  und  Preußen,
Friedrich  nach  Sachsen,  wo  sein  Bruder  Heinrich  von  dem  österreichischen  Heere  hart
bedrängt  war.  Daun  zog  sich  in  ein  festes  Lager  in  der  Lausitz  und  wollte  den  König,
von  Schlesien  abschneiden.  Aber  Friedrich  eilte,  die  Straße  über  Bautzen  und  Görlitz
zu  gewinnen,  rückte  dicht  an  das  österreichische  Heer  und  legte  sich  zwischen  den  Dörfern
Hochkirch  und  Kotitz  in  ein  offenes  Lager.  Hier  lag  das  Heer  drei  Tage  lang,  jedem
Angriff  des  überlegenen  Feindes  ausgesetzt,  und  der  König  beachtete  keine  Warnung.  Er
war  durch  einen  Kundschafter  getäuscht,  den  sich  die  Oesterreicher  erkauft  und  mit  falschen
Nachrichten  zurückgesandt  hatten.  Am  14.  Oktober  früh,  ehe  der  Tag  anbrach,  wurde
das  preußische  Heer  durch  den  Donner  der  Geschütze  geweckt;  die  Oesterreicher  hatten  sich
während  der  Nacht  stille  in  das  Dorf  Hochkirch  geschlichen,  und  so  wie  die  Uhr  des  Dorfes
fünf  schlug,  fielen  sie  über  die  preußischen  Vorposten  her,  bemächtigten  sich  der  großen
Schanze  am  Eingang  des  Dorfes,  richteten  das  Geschütz  rückwärts  und  schmetterten  alle
Preußen  nieder,  welche  sich  in  demselben  sammelten.  Es  war  ein  furchtbares  Blutbad.
Vergeblich  suchten  die  Feldherrn  die  Reihen  zu  ordnen,  dem  Prinzen  Franz  von  Braunschweig
  riß  eine  Kanonenkugel  den  Kopf  weg,  als  er  eben  im  Begriff  war,  den  Feind