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Oesterreich. 137
Verfügungen befehle ich, daß — nachdem die Gemeindeordnung und die
Comitatsverfassung in Wirksamkeit getreten sein werden — die Anträge in
Betreff eines Landtages vorbereitet werden, damit das in allen Kronländern
einzuführende Princip der Selbstverwaltung durch Orts-, Bezirks= oder
Comitatsgemeinden, durch Landtage und Landtagtsausschüsse auch in meinem
Königreich Ungarn zur Geltung gebracht werde“".
April. In Debreczin wird der Superintendential-Convent abgehalten. Der
k. k. Commissär fordert die sofortige Auflösung der Versammlung und hofft,
daß die diesmalige Aufforderung mehr Berücksichtigung finden werde als jene
in der letzten Versammlung; im Nichtbefolgungsfall werde der Präsident die
Felzen allein verantworten. Als Erwiderung rufen alle Stimmen „wir
wollen die Sitzung abhalten“. Der Präsident erklärt, „die Abhaltung der
Sitzung hänge nicht von ihm allein ab, sie werde, auch wenn er sich entferne,
abgehalten werden"“. Darauf erklärt der Commissär, er sei beauftragt,
der ganzen Sitzung beizuwohnen, und hoffe, daß man nichts vornehmen
werde, was die Würde seines Amtes verletzen könnte. Die Sitzung nimmt
ihren regelmäßigen Verlauf. Man schreitet zur Verlesung des Tagebuchs
der gewesenen Deputation nach Wien und der Ministerialerlasse vom 10. Jan.
und 5. Febr. d. J. Der Präsident drückt sein Bedauern aus über die höchst
bedrängte Lage, in welche die protestantische Kirche durch jene Erlasse versetzt
sei; indeß ist er von der Gnade Sr. Maj. überzeugt und hofft., daß Se. Maj.
die Protestantenfrage einer baldigen Lösung mit Belassung ihrer alten Rechte
zuführen werde. Einstimmig wird beschlossen, einen Ausschuß von 6 Mitgliedern
zu ernennen, welcher permanent über die kirchlichen Angelegenheiten
zu wachen hat und dem alles zur Begutachtung vorgelegt werden muß.
Sollte irgend ein Mitglied dieses Ausschusses an der Ausführung seines
Amtes verhindert sein, so werden zugleich 6 andere Mitglieder ernannt. Der
Beschluß soll allen Superintenden:e' mitgetheilt werden.
April. Eine kaiserliche Ent'-##ießung verordnet, daß die schon im Patent
vom 1. September 1859 a. eordnete Abtheilung für die Angelegenheiten
der evangelischen Glaubensgenossen unverzüglich im Ministerium
für Kultus und Unterricht in Wirksamkeit zu treten habe, und ernennt die
betreffenden Räthe.
4 April. Selbstmord des Finanzministers v. Bruck.
u. April. Ansprache des F.-Z.-M. Benedek an die Ungarn:
„Als des Kaisers unbedingt treuer alter Soldat und Unterthan — sowie
als Landeskind — werde ich mit allen meinen Kräften, mit aller Hingebung
bemüht sein, die wohlwollenden Absichten unseres allergnädigsten Monarchen
zum Besten des Landes gewissenhaft auszuführen. Ich zähle hiebei auf die
pflichtgetreue Unterstützung aller kirchlichen und weltlichen Autoritäten, sowie
auf die loyale und nicht minder pflichtgetreue Mitwirkung aller Stände der
Bevölkerung. Die allerhöchst angeordnete Organisation der Verwaltung und
Landesvertretung bedarf zu ihrer raschen und gedeihlichen Entwickelung den
Boden des Vertrauens und der öffentlichen Ordnung. Ich werde daher im
Interesse des Landes und in richtiger Auffassung meiner hohen Pflicht —
jeder Beunruhigung der Gemüther durch unbefugte öffentliche Kundgebungen
welch immer Art, jeder Demonstration, jeder Störung der gesetzlichen Ordnung
mit aller Entschiedenheit meines reinen Gewissens und meines festen Willens
entgegentreten. Mit entgegenkommendem Vertrauen rechne ich auf die Mitwirkung
eines jeden Ehrenmannes zum Nutzen und Gedeihen des mir theuren
Vaterlandes und der großen kaiserlichen Gesammtmonarchie".
April. Requiem in Wien für den Grafen Stephan Szechenyi. 500 Studenten,
die von Pesth aus theilnehmen wollen, werden von der Polizei daran
verhindert.
April. Dem Requilem in Pesth für den Grafen Stephan Szechenyi wohnen
an 80,000 Menschen bei. Der Kardinal-Primas functionirt in Person.