Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

Die  Schlacht  bei  Limanowa-Lapanow  321

Mlynne—ARzegocina  in  Bewegung.  Die  11.  Kavalleriedivision  nimmt
die  6.  auf  und  sucht  die  Höhen  südwestlich  Rajbrot  zu  behaupten  und
Bessers  Rücken  zu  decken.  Sie  ist  am  Erliegen,  als  die  Spicenbrigade
der  43.  Landwehrdivision  von  Tymbark  her  eintrifft  und  sie  entseht.  Als
die  zweite  Brigade  folgt,  ist  die  größte  Not  gestillt.  Die  Landwehr
kämpfe  sich  im  Laufe  des  Tages  auf  die  Höhen  östlich  Rzegocina  vor  und
häle  dort  fest.

Am  so  drohender  erhebt  die  Gefahr  in  dem  offenen  Flankenraum  im
Süden  ihr  Haupt,  wo  Dragomirows  Eisen  zu  wühlen  beginnt.  Im  Loso.
sinatal  und  in  der  Richtung  auf  Limanowa  schwille  seit  dem  6.  Dezember
russische  Ubermacht  und  beginnt  die  von  Neu-Sandez  zurückgegangenen
österreichisch-ungarischen  Kolonnen  weiter  zurückzutreiben.  Am  7.  Dezember
brechen  die  Russen  zwischen  Krosna  und  Mlynne  durch  und  werfen  den
Landsturm,  der  dort  die  erschöpfte  Kavallerie  unterstüct,  ein  Stück  talab
nach  Westen.  Dadurch  wird  der  Abschnitt  Kamina—isarzowa  gefährdet,
wo  sich  nun  doppelseitige  Amfassung  abzeichnet.  Die  Wage,  in  der  der
Schlachterfolg  in  kleinen  Gewichten  gehäuft  wird,  beginnt  sich  allmählich  auf
die  Seite  der  Russen  zu  neigen,  denn  Osterreicher  und  Ungarn  weichen  auf
Limanowa.

Hier  hat  sich  am  6.  Dezember  galizischer  Landskurm  ein  paar  tausend
Schritte  östlich  der  Stabt  eingegraben.  Nun  läuft  die  Kampflinie  in  der
rechten  Flanke  der  Deutschen  über  eine  Anzahl  von  Hügeln,  die  von  Rajbrot
bis  über  Limanowa  hinaus  aufgepflanzt  stehen,  geradenwegs  nach  Süden.
Südlich  von  Rajbrot  erhebe  sich  als  nördlicher  Eckpfeiler  dieser  Derteidigungsflanke
  die  Höhe  597,  als  zweite  folgt,  nach  Südosten  hinausgeschoben,  die
finsterbewaldete  Kobila,  die  nördlich  der  Lososina  aufgerichtet  steht.  Zwischen
der  Lososina  und  dem  Talzug  von  Limanowa  ragt  der  Salastz  909  Meter
boch  empor,  und  ihm  gegenüber  am  Südrand  des  Tales  duckt  sich  die  langgestreckte
  Mordarka.  Als  südlichster  Eckpfeiler  steht  zwischen  Cimanowa  und
Zalesie  die  beherrschende  Höhe  von  Golcow.

Die  Osterreicher  müssen  zwischen  Rajbrot  und  Limanowa  um  jeden
Preis  standhalten,  da  sonst  die  Stellung  von  Rajbrot  her  aufgerollt  wird
und  die  Schlacht  zwischen  Grabie  und  Rajbrot  verloren  geht.  Am  gefährdetsten
  sind  die  im  Raume  Limanowa  gelegenen  Stellungen  am  Salaßz
und  an  der  Mordarka,  auf  die  Dragomirow  im  Anrücken  ist.  Da  der  Landsturm
  dieser  wichtigen  Aufgabe  nicht  allein  gewachsen  ist,  sendet  der  Erzberzog
  den  Generalmajor  Herberstein  mit  der  10.  Kavalleriedivision  nach
Limanowa.  Herberstein  übernimmt  den  Befehl  über  die  6.,  11.  und  10.  Kavalleriedivision
  und  den  Landsturm  —  nur  vier  Bataillone  —  und  ruft
die  Legionäre  Hilsudskis  heran.  Bis  Herberstein  diese  Kräfte  versammelt
bat,  muß  der  Landsturm  sich  seiner  Haut  wehren.

Es  wurden  böse  Stunden.

St#emanns  GEeschlchte  den  Kweges.  II.  21