Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

38  Beutsches  Reich.  (Januar  16.)

wenn  unsere  Feinde  ihren  Willen  erreichten  und  Sieger  bleiben  würden.
Unsere  Freiheit  wäre  rettungslos  dahin.  Ein  unbarmherziger  Feind  würde
erbarmungslos  uns  alle  Früchte  unserer  Arbeit  fortnehmen,  und  Not,
Arbeitslosigkeit  und  Elend  wäre  unser  Los  für  alle  Zukunft.  Dieses  braucht
man  sich  nur  vorzustellen,  um  sofort  über  alle  Beschwerden  der  Gegenwart
hinwegzukommen.  Sie  erscheinen  unbedeutend  und  leicht  gegenüber  solch
furchtbarem  Schicksal.  Deshalb  muß  ein  jeder  die  Zähne  zusammenbeißen
und  alle  Entbehrungen  und  Unbequemlichkeiten  ertragen.  Einer  muß  dem
anderen  helfen,  nur  so  können  wir  den  Krieg  gewinnen.  Unsere  Feinde
irren  sich  gewaltig,  wenn  sie  vermeinen,  uns  durch  die  Absperrung  niederringen
  zu  können.  Verhungern  tut  in  Deutschland  trotz  aller  Absperrung
niemand.  Dafür  ist  gesorgt.  Bei  ihnen  ist  die  Teuerung  und  Not  in  vieler
Hinsicht  größer  als  bei  uns.  Es  sind  noch  harte  Monate,  die  uns  bevorstehen;
  unendlich  schwere  Kämpfe  sind  noch  zu  überstehen  und  viele  Opfer
an  Gut  und  Blut  und  Entsagung  noch  zu  bringen.  Das  verhehlen  wir
uns  nicht.  Aber  unsere  Zuversicht  und  unser  Vertrauen  bleiben  felsenfest,
vom  ersten  bis  zum  letzten  sind  wir  alle  davon  überzeugt  und  durchdrungen:
Besiegt  werden  wir  nicht.  Der  Sieg  wird  uns  doch  bleiben!  Unser  treuer
Gott,  der  Preußen  und  das  junge  Reich  so  sichtbarlich  geleitet  hat,  er
wird  uns  auch  weiter  beistehen,  wenn  wir  nur  unsere  Schuldigkeit  tun.
Und  das  wollen  und  werden  wir  aus  vollem  Herzen!

Aus  dem  preußischen  Staatshaushaltsplan  für  1917:

Die  Ansätze  im  Staatshaushaltsplan  für  1917  sind  für  die  wichtigeren
Einnahmen  —  Steuern  und  Eisenbahnen  —  nach  Maßgabe  der  im  Frieden
geltenden  Grundsätze  der  Wirklichkeit  wieder  angenähert.  Bei  der  Eisenbahnverwaltung
  ist  erstmalig  wieder  ein  sachlicher  Haushalt  aufgestellt.

Die  gegenüber  dem  laufenden  Rechnungsjahre  sich  so  ergebenden
Einnahmeerhöhungen  sind  in  der  Hauptsache:  Einkommensteuer
+  147  Mill.,  planmäßige  Einnahme  500  Mill.;  Ergänzungssteuer  +  14  Mill.,
planmäßige  Einnahme  80  Mill.  Von  der  Gesamteinnahme  bleiben  für  das
Rechnungsjahr  1917  verfügbar  nur  480  Mill.,  61  Mill.  mehr  als  im  laufenden
  Rechnungsjahr,  weil  nach  dem  preuß.  Kriegssteuergesetz  von  1916  aus
dem  Ertrag  der  direkten  Steuern  100  Mill.  zur  Deckung  der  Fehlbeträge
des  Rechnungsiahres  1914  und  der  nächstfolgenden  Haushaltsjahre  zu  verwenden
  sind.  Ferner  sind  Mehreinnahmen  in  größeren  Beträgen  angesetzt:
bei  der  Verwaltung  der  Zölle  und  indirekten  Steuern  Einnahme
aus  der  Stempelabgabe  von  Gesellschaftsverträgen,  Wertpapieren,  Gewinnanteilschein=
  und  Zinsbogen  für  den  der  preuß.  Staatskasse  verbleibenden
Teil  +  15,8  Mill.,  planmäßige  Einnahme  18.7  Mill.;  bei  der  Berg-  und
Hüttenverwaltung  aus  Erzeugnissen  der  Staatswerke  +  53  Mill.,  darunter
  für  Steinkohlen,  Koks  und  andere  Nebenerzeugnisse  +  46,3  Mill.,
planmäßige  Einnahme  335,9  Mill.;  bei  der  Eisenbahnverwaltung
+  252,8  Mill.  bei  einer  planmäßigen  Gesamteinnahme  von  2892,5  Mill.,
darunter  aus  dem  Güterverkehr  1  221,9  Mill.  bei  einer  Einnahme  von
1969  Mill.,  aus  der  Ueberlassung  von  Fahrzeugen  +  47  Mill.  bei  einer
Einnahme  von  81  Mill.,  aus  Erträgen  aus  Veräußerungen  +  27,5  Mill.  bei
einer  Einnahme  von  77,1  Mill.;  bei  der  öffentlichen  Schuld  K+  34,5  Mill.
(infolge  erhöhter  Ausgaben  für  Verzinsung  der  Eisenbahnschuld)  bei  448,9
Mill.  Gesamteinnahme.

In  der  Reihe  der  Ausgabeerhöhungen  sind  besonders  zu  nennen:
bei  der  Verwaltung  der  Zölle  und  indirekten  Steuern  für  Geschäftsbedürfnisse,
  Anschaffung  der  Stempel-  und  Steuerzeichen,  Mitwirkung  bei
der  Erhebung  der  Zölle  und  indirekten  Steuern  +  12  Mill.,  planmäßige
Ausgabe  16,3  Mill.;  bei  der  Bergverwaltung  für  Materialien  und