516 Preußens Erhebung.
1818 verpflichtet, mit Heugabel und Beil, mit List und Betrug, mit Vernichtung aller
Lebensmittel, Zerstörung der Häuser, mit heldenmütigster Verteidigung jedes Ortes,
jeder Stadt wirksam am Kampfe sich zu beteiligen. Denn es galt ja die heiligsten
Güter des Lebens, die Unabhängigkeit der Nation, die Befreiung vom scheußlichsten
Joch. Und — so hatte Fichte die Gläubigen gelehrt — wie das Leben nichts
anderes ist, als das Streben, dem Bilde Gottes ähnlich zu werden, so ist die
Freiheit und Selbständigkeit die Vorbedingung, das höchste Gut des Lebens. Ist
die Freiheit, die allgemeine und die jedes Einzelnen bedroht, so ist daher jedem
persönlich und ohne Stellvertretung
der Kampf auf Leben und Tod aufgegeben.
Anstrengung aller Kräfte,
kein Friede ohne vollständigen Sieg,
keine Schonung weder des Lebens
noch des Eigentums, das sei der
wahrhafte Krieg, und eben dieser
erhabenen Anschauung entsprach die
Landsturm-Ordnung. Auch säumte
der gewaltige Wecker der Gewissen
keinen Augenblick, für seine Person
die thatsächliche Folgerung aus
seinen Lehren zu ziehen. Frendig
trat er in den Landsturm
ein, mit Schleiermacher, mit Savigny
und Niebuhr, mit Schadow
und Iffland übte auch er sich im
Gebrauch der Waffen. Denn gleich
einem Erdbeben ging es durch die
Massen. Alte und Junge, Veteranen
und Knaben, Hohe und Niedere,
Gebildete und Ungebildete, Arme
und Reiche, vom Katheder und der
Schulbank, von der Beamtenstube
Staatsrat Theodor Gottlieb von Hippel. und den Kontors, von der Werk-Nach
dem Gemälde von Saint (orbeitete ln der ersten Lälte statt und vom Pfluge, alles, alles
bes Beriiner Privaibesih eilte hinweg von der heimischen
Arbeit zu den Waffen, zu den
Waffen! Nichts mehr von Ergebung, nichts mehr von Uebergabe, ja nichts
mehr von Siegen oder Sterben, sondern nur noch von Siegen, das war's, was
alle preußischen Herzen durchglühte. Eine Pflicht, eine Schuldigkeit allein
durchdrang das ganze preußische Volk. Los vom Feinde, nieder mit dem Eroberer!
Also geschah's im Volke der Hohenzollern, und die Erinnerung an Friedrich, das
Bewußtsein, diesem Staate anzugehören, der durch so viel Arbeit geschaffen, zeigte
seine alles überwältigende Macht, während die übrigen deutschen Stämme — die
freilich Napoleon entfernt nicht so grausam behandelt hatte — durchaus noch nicht
die Empfindung hatten, daß hier sich die herrlichste That des deutschen Volkes
vorbereitete. Doch denjenigen von ihnen, die entschlossen waren, für Deutschlands
Sache zu fechten, hatte man ebenfalls Gelegenheit dazu geboten, indem ihnen