Full text : Geschichte des Preußischen Staates

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ihnen  unsere  Vorfahren  blutig  erkämpften:  Gemwissensfreiheit,  Ehre,  Unabhängigkeit,
Handel,  Kunstfleit  und  Wissenschaft.  Gedenke  des  großen  Beispiels  unserer  mächtigen
Verbündeten  der  Russen,  gedenkt  der  Spanier,  der  Poreugiesen.  Selbst  kleinere  Velker
  sind  für  glelche  Güter  gegen  mächtigere  Feinde  in  den  Kampf  gezogen  und  haben  den
Sieg  errungen.  Erinnert  Euch  an  die  heldenmüthigen  Schweitzer  und  Niederländer.

Große  Opser  werden  von  allen  Ständen  gefordert  werden:  denn,  unser  Beginnen
K  groß,  und  nicht  geringe  die  Zabl  und  die  Mittel  unserer  Feinde.  Ihr  werder  jene
lieber  bringen,  für  dos  Vaterland,  für  Euren  angebornen  König,  als  für  einen
fremden  Herrscher,  der  wie  so  viele  Beispiele  lehren,  Eure  Söhne  und  Eure  letzten
Kräfte  Zwecken  widmen  würde,  die  Euch  ganz  fremd  sind.  Vertrauen  auf  Gott,  Ausdauer,
  Mutb,  und  der  mächtige  Beistand  unserer  Bundesgenossen,  werden  unseren
nedlichen  Anstrengungen  siegreichen  Lohn  gewähren.

Aber,  welche  Opfer  auch  von  Einzelnen  gesorderr  werden  mögen,  sie  wiegen  die
beillgen  Güter  nicht  auf,  für  die  wir  sie  Hingeben,  für  die  wir  streiten  und  siegen  müssen,
wenn  wir  nicht  aushören  wollen,  Preußen  und  Deutsche  zu  seyn.

Ee  ist  der  letzte  entscheidende  Kampf  den  wir  bestehen  für  unsere  Existenz,  unsere
Unabhängigkeit  unsern  Wohlstand;  keinen  andern  Ausweg  giebe  es,  als  einen  ehrenvollen
  Frieden  oder  einen  ruhmvollen  Unrergang.  Auch  diesem  würdet  Ihr  getrost  entgegen
geben  um  der  Ehre  willen,  weil  ehrlos  ber  Preuße  und  der  Deutsche  nichr  zu  leben  vermag.
  Allein  wir  dürfen  mit  Zuversicht  vertrauen:  Gott  und  unser  fester  Willen
werden  unserer  gerechren  Sache  den  Sieg  verleihen,  mie  ihm  einen  sicheren  glorreichen
Frieden  und  die  Wiederkehr  einer  glücklichen  Zeit.

Breslau  den  17.  März  1817.  Friedrich  Wilheim.

 

An  Mein  Kriegesheer.

Vielsäleig  habe  Ihr  das  Verlangen  geäußere,  die  Freiheie  und  Selbstständigkeit
des  Vaterlandes  zu  erkämpfen.  —  Der  Augenblick  dazu  ist  gekommen!  —  Es  ist  kein
Glied  des  Volkes,  von  dem  es  niche  gefühlt  würde.  Freiwillig  eilen  von  allen  Seiten
Jünglinge  und  Männer  zu  den  Waffen.  Was  bed  diesen  sreier  Wille,  das  ist  Beruf  für
Cuch,  die  Ihr  zum  stehenden  Heere  gehört  Von  Euch  —  geweihr  das  Vaterland
zu  vertheidigen  —  ist  es  berechtige  zu  sordern,  wozu  Jene  sich  erbieren.

Sehe!  wie  so  Viele  Alles  verlassen,  was  ihnen  das  Theuerste  ist,  um  ihr  Leben
mie  Euch  für  des  Vaterlandes  Sache  zu  geben.  —  Fühle  also  doppelt  Eure  beilige
Plicht:  Senyd  Alle  ihrer  eingedenk  am  Tage  der  Schlacht,  wie  bei  Entbehrung,
Mähseligkeit  und  innerer  Zucht!  Des  Einzelnen  Ehrgeiz  —  er  sey  der  Höchste  oder
der  Geringste  im  Heere  —  verschwinde  in  dem  Ganzen:  Wer  für  das  Vaterland  fühlt,  denke
nicht  an  sich.  Den  Selbstsüchnigen  treffe  Verachtung,  wo  nur  dem  allgemeinen  2#h#
es  gilt.  Diesem  weiche  jebt  Alles.  Der  Sieg  gehe  aus  von  Gott!  Zeige  Euch  seines
  hoben  Schuhes  würdig  durch  Gehorsam  und  Pflichterfüllung.  Muth,  Ausdauer,
Treue  und  strenge  Ordnung  sey  Euer  Ruhm.  Folgt  dem  Beispiel  Eurer  Vorfahren;
seyd  ihrer  würdig  und  Eurer  Nachkommen  eingedenk!