Contents : Bismarck Die gesammelten Werke. Band 3. (3)

150  Friede  zu  Peking.  Ignatiew.  Oesterreichs  Kriegspolitik.  Croys  Kaviar-Mission.

ausgeliefert  und  auf  dem  Kirchhofe  der  russischen  geistlichen  Mission  beerdigt
worden.  Während  hier  von  mancher  Seite  Ignatiew  getadelt  wird,  weil  er  den  Engländern
  geholfen  und  keine  Vorteile  für  Rußland  verlangt  habe,  ist  es  bezeichnend  für  die
Denkungsweise  des  Kaisers  Alexander,  daß  er  denselben  heut  mit  der  Anciennität  vom
4.  Oktober,  dem  Tage  seiner  Ankunft  in  Peking,  zum  Generaladjutanten  ernannt  und  mit
dem  Stanislaus  I.  Klasse  dekoriert  hat;  beides  Auszeichnungen,  welche  in  Rußland  einem
Diplomaten  in  dem  jugendlichen  Alter  von  27  Jahren  selten  zuteil  werden.  Vielleicht
hat  der  Vertreter  Rußlands  indessen  doch  nicht  vergessen,  bei  dieser  Gelegenheit  auch
seiner  Regierung  in  betreff  des  von  ihm  verhandelten  Grenzvertrages  zu  dienen;  er  soll
die  Chinesen  noch  besorgter  für  ihre  Zukunft  gefunden  haben,  als  die  Verbündeten,  und
wird  diese  Stimmung  nicht  unbenutzt  gelassen  haben.  Der  Kaiser  ist  einigermaßen  empfindlich
  darüber,  daß  die  französischen  Berichte  der  russischen  Verwaltung  gar  nicht  gedenken,
  während  von  England  bereits  durch  den  Telegraphen  ein  verbindlicher  Ausdruck
des  Dankes  eingegangen  ist.

129.  Bericht  vom  21.  Dezember  1860  an  Minister  v.  Schleinitz:
Bericht  Budbergs  betr.  den  guten  Eindruck  französischer  Erklärungen  zu  den
Warschauer  Vorschlägen  in  Berlin.  Anderer  Eindruck  in  Oesterreich.
Oesterreich  scheint  einen  allgemeinen  Krieg  zu  wünschen.  Die  sich  daraus  für
die  Warschauer  Vorlagen  ergebenden  Folgen.  Gortschakow  hält  einen  weiteren
Schriftwechsel  darüber  anscheinend  begreiflicherweise  für  zwecklos,  namentlich
unter  dem  Eindruck  einer  Depesche  Kisselews,  aus  der  der  Fürst  einen  Widerruf
  Frankreichs  entnimmt.  Verhalten  Napoleons  gegen  den  König  von
Neapel.  —  Vgl.  Raschdau  I  183  ff.  und  252  ff.

130.  Bericht  vom  21./9.  Dezember  1860  an  Minister  v.  Schleinitz,
betr.  Botschafterernennungen    —  Vgl.  Raschdau I  186.

131.  Privatschreiben  an  Minister  v.  Schleinitz.
21.  Dezember  1860.

Verehrtester  Freund  und  Gönner.  Schon  aus  dem  kleinen  Format,  zu  dem  ich  greife,
sehn  Sie,  daß  ich  arm  an  Neuigkeiten  bin;  auch  der  beifolgende  Bericht¹)  bringt  nichts  von
Erheblichkeit,  und  ich  würde  den  Feldjäger  kaum  mit  dieser  Expedition  geschickt  haben,  wenn
ich  nicht  hoffte,  daß  seine  Rückkehr  nach  Gumbinnen  für  Sendungen  hierher  erwünscht
sein  wird.  Gortschakow  sagt  mir,  daß  eine  Mitteilung  von  Ihnen  in  betreff  der
Warschauer  Propositionen  in  Aussicht  stände.  Dieselben  scheinen  schließlich  im  Sande
verlaufen  zu  sollen,  und  lassen  sich  auch  ohne  Oesterreich  nicht  verwirklichen.

Ich  weiß  nicht,  ob  Croy  sich  einer  wichtigen  Mission,  mit  der  ich  ihn  in  Kaviar-Angelegenheiten
  betraut  hatte,  bei  hnen  mit  mehr  Umsicht  als  bei  Hofe  entledigt  hat.
Pückler  schreibt  mir,  daß  ihm  das  für  die  ah.  Tafel  bestimmte  Fäßchen  gar  nicht  zu  Händen

1)  Wohl  Nr.  130.