Die Getreuen von Doorn. 125
Empfindung haben müsse: das große Unglück adelt. Und
was erlebten wir? Nie hat die Welt so das schonungslos
aufdeckende Wort (Matth. 15, 19) des größten Menschenkenners
über das Menschenherz bestätigt wie in dem Verhalten
dieser Tragil gegenüber. Welche Flut von Schmutz
ergoß sich durch die Zeitungen in das Volk! Sie beschmutzte
nicht ihn, sie beschmutzte das Volk. Sie unterwühlte jedes
sittliche Empfinden. Und Keiner war da, der einen Damm
dagegen errichtet hätte! Das sind gallenbittere Erinnerungen,
die heute noch Ekel erregen.“
Der Kaiser selbst kann es nicht begreifen, daß sich sein
Volk so gegen ihn verhetzen lassen konnte. Er sagt in
seinem Buche „Gestalten und Erinnerungen“: „Wenn ich
sehe, wie dieselben Leute, die mir früher in übertriebener
Weise Weihrauch gestreut haben, mich heute mit Schmutz
bewerfen, so bann ich höchstens ein Gefühl des Mitleids
empfinden. Was ich aus der Heimat Bitteres über mich
höre, enttäuscht mich. Gott ist mein Zeuge, daß ich immer
das Beste für mein Land und mein Volk gewollt habe. Ich
glaubte, daß jeder Deutsche das erkannt und gewürdigt
hätte. Auch hier in der Einsamkeit fühle und denke ich nur
für das deutsche Volk, wie ich durch Aufklärung und Rat
bessern und helfen könnte. Auch herbe Kritik vermag niemals
meine Liebe zu Land und Volk zu beeinträchtigen.
Ich bleibe den Deutschen treu, ganz gleichgültig,
wie sich die einzelnen zu mir stellen. Die, die sich aus
ehrlicher Uberzeugung gegen mich stellen, bann ich achten.
Die anderen mögen sehen, wie sie vor Gott, ihrem Gewissen
und der Geschichte bestehen.“