Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

dessen  zusammenfassende  Regelung  nunmehr  auf  das  Armee-Oberkommando
überging.  Da  die  frühzeitig  marschbereit  gestellten  Grenzschutztruppen
sehr  dünn  und  weitläufig  vertellt  standen,  die  Franzosen  aber  große
KRavallerltemassen  zusammengezogen  hatten,  so  war  die  Lage  angesichte
der  Möglichkeit  eines  frühzeitigen  Ravallerieelnbruchs  zur  Störung  unserer
Aueladungen  zunächst  sehr  gespannt.  Ein  blutsunges,  schimmerlosee  Kerlchen
  von  chasseur  à  cheval  wurde  als  Gefangener  gerade  vorgeführt.
Zahllose  Meldungen  gaben  ein  widerspruchevolles  Bild,  aber  tatsächlich
hatten  wir  nichts  zu  befürchten.  Mit  stärberen  Rräften  wurde  die  Grenze
von  der  französischen  Kavallerte  wohl  im  Gefühl  ihrer  während  des
ganzen  Krieges  hervorgetretenen  Schwerfälligbeit  nirgends  überschritten.
Der  Feind  bewahrte  eine  fast  ängstliche  Jurückhaltung.

Ich  bezog  mit  meinem  Generalstabschef  und  Gefolge  Quartier  im
schönen  Gebäude  des  Landratsamtes,  wo  der  Zausherr,  Landrat  von  Miquel,
sich  bald  als  besondere  tüchtiger,  tatkräftlger  und  umsichtiger  Mann  erwies.
Die  Mobilmachung  und  innere  Grganisation  des  großen  Befehleund
  Verwaltungekbörpers  des  Armee-Oberkommando,s  selbst  erfolgte  weiter
rückwärteê  am  Sitze  des  Generalkommandos  des  VIII.  A.  R.  in  Coblenz  unter
Leitung  des  sorgsamen  und  rastlos  tätigen  Ober-Quartiermeistere,  Generals
Rogalla  von  Bieberstein,  und  meines  ausgezeichneten,  in  allen  Lagen  bewährten
  ersten  Generalstabsoffiziers,  Majors  v.  Zepmann.  ODileser  verlegte
  die  Operatlonsabtellung  möglichst  bald  in  dae  vorzüglich  geelgnete
Sivilkasino  Saarbrücken  vor,  wo  nach  und  nach  der  ganze  Stab  straff  in
der  Zand  des  Armeechefs  zusammengefaßt  wurde.

Don  den  übrigen  Generalstabeoffizieren  hebe  ich  besonders  zwel  hervor,
  die  Ulasore  Matthias  und  Shrhardt.  Matthias,  der  die  Geschäfte
des  Ib  versah,  war  der  Typ  des  bel  Tag  und  Macht  unermüdlich  tätigen,
routinierten  Generalstabsoffiziers,  ernst  und  zuverlässig.  Ehrhardt,  die
rechte  Jand  des  Ober-Quartiermeistere,  ein  vielseitig  gebildeter  Offizier,
voll  warmherziger  Fürsorge  für  das  Wohl  der  Truppe.  Durch  mannigfache
  Zeziehungen  zu  Industriekreisen  und  in  der  RKaufmannschaft  war
er  über  die  Verhältnisse  in  der  Heimat  stete  gut  unterrichtet.  Im  Kaufe
des  Feldzugs  trat  mir  dieser  treue  und  aufrechte  Mann  auch  menschlich
  nahe.

Der  erste  Adjutant,  Major  Voigt,  zeichnete  sich  durch  Gewandtheit
und  nie  versagende  Hersonalkenntnis  aus.  Den  zweiten  Adjutantenposten

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