Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

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mich  on  dis  Apollo  inn  der  linken  seit  kutzelt  (im
Herzen)  66;  ein  schauspie!  .  das  thränen  in  deine
augen  lockt,  wenn  es  dein  zwerchfell  zum  gelächter
kitzelt  Schiller  Räub.  3,  2;  —  übertragen  auf  seelischen
  oder  Sinnenreiz;  einen  kitzeln:  einem  die  ohren
kutzeln,  Fratis  sermonibus  permietcere  cures  alicujus
Steinbach;  es  steht  dem  verführer  so  schön,  an
seinem  verbrechen  seinen  witz  noch  zu  kitzeln  Schiller
Kab.  5,  2;  ich  mag  euch  nicht  mit  solchem  schmutze
kitzeln  Strachwitz  Ged.  86;  refl.:  jr  (der  Narren)
lachen  ist  eitel  sünde,  und  kutzeln  sich  doch  damit
Sir.  27,  14;  dieser  blutdurstige  .  über  seine  verbrechen
  sich  kitzelnde  teufel  Lessing  Dram.  74;  mit
unpersönlichem  Subj.:  daz  kuzzelt  den  muot  Minnes.
1,  201b;  den  raben  kützelt  solch  lob  und  schmeicheln
Luther  5,  2905;  nur  das  lob  desjenigen  kitzelt  ihn,
von  dem  er  weisz,  dasz  er  auch  das  herz  hat,  ihn  zu
tadeln  Lessing  Dram.  25;  es  kitzelt  mich  freilich,
mich  von  Ihnen  unter  die  zierden  Deutschlands  gezählt
Zzu  sehen  ant.  Briefe  54;  auch  mit  nach:  kutzelt  dich
nach  namen  und  ehre?  Schiller  Ränb.  3,2;  in  schziger
Spr.  weniger  verwendet:  wenn  es  ihn  belustigt  und
seine  leidenschaft  kitzelt  Keller  Seldw.  1,  194.  —
kitzlich,  zum  Kitzeln  geeignet  oder  geneigt,  mhd.  kitzellich,
  kitzelich,  kitzlich;  Kitzel  erregend,  von  Personen
oder  Dingen:  wann  ein  medicus  mit  pulsgreifen  zutastig
  und  kitzelich  wer  Garg.  15;  wie  viel  kützelicher
  ist  uns  der  geruch  und  die  kraft  vom  rebensaft
38;  leicht  Kitzel  empfindend:  die  kitzelige  mögd  51;
in  neuerer  Spr.  allein  geblieben:  an  einer  stelle  des
leibes  kitzelig  sein  Adelung;  ich  habe  eine  kitzliche
haut  Hebel  2,  97;  übertragen:  wer  so  kitzlig  und  so
andig  ist,  dasz  er  alles  so  nahe  wil  sächen,  .  der
wirt  nimmer  keinen  friden  haben  Klugred.  228b;  in

kitzlich  —  klaffen.

der  ehre  ist  er  sehr  kitzelig  Adelung;  die  Normannen
sind  kitzlich  im  ehrenpunkt  CF  Meyer  d.  Heilige  53;
besonders  von  Sachen  die  mißlich  anzugreifen  sind:  eine
kitzliche  sache,  ret  caumfe  fractad#a  Frisch;  dann  ist
der  fall  kitzlich  Lessing  Duplik  III;  kitzliche  und
schwierige  fragen  zu  berübren  Bismarck  Reden
3,  164.  6

Kladde,  f.  erster  flüchtiger  Entwurf  eines  Schriftstückes;
  bei  Kauflenten  Buch  zur  flüchtigen  Einzeichnung
täglicher  Handelsgeschäfte  Campe;  niederd.  Wort,  dem
kladde  Schmutz,  Schmiere,  mud.  kladeren  kladderen
schmieren,  beschmieren,  zu  Grunde  liegen;  in  übertragener
Bed.  zuerst  niederländisch:  kladboeck,  kladde  adbersaria
  Kilian.  Vgl.  auch  klitter.  —  kladderadatsch,
Interj.,  das  Geräusch  von  etwas  Fallendem  und  Zerbrechendem
  nachahmend,  besonders  in  der  Mark  Brandenburg;
  davon  der  Name  des  seit  1848  erscheinenden  bekannten
  Witzblattes.

Klaff,  m.  das  Klaffen,  in  beiden  Bed.  des  Verbums;
lautes  Geräusch,  Krach:  klaff  erepitus  Frisch;  in  oberd.
Form  klapf  (des  Carabiners)  Simpl.  1,  21;  Hundegebell:
  mit.  kliff  und  klaff  und  hörnerschall  Bürger
d.  wilde  Jäger;  Spalte,  klaffende  Offnung:  am  klaf  des
schalters  Goethe  Pandora.  —  klaffen,  lautes  Geränsch
machen;  Offnung  oder  Spalt  zeigen;  hochdeutsche  Bildung,
  in  entschieden  oberdeutscher  Form  ahd.  als
chlaphön,  sonst  als  chlafön,  klaffön,  mhd.  als  klaffen
erscheinend,  im  Grunde  eins  mit  dem  lautmalenden
klappen  (s.  d.),  und  einen  plötzlichen  kurzen  Schall  beim
Bersten  oder  Ausspringen  angebend;  der  Bed.  nach  gespalten,
  1)  den  Ton  bezeichnend,  in  älterer  Spr.  in
mannigfacher  Weise,  so  =  klappern:  stridccre  knorsen
o.  clatten  (mit  den  Zähnen),  strrckor  2enclaffung  Dief.;
besonders  aber  =  schwatzen:  garrire,  garrutae,  klaffen,
unnutz  claffen  ebd.;  weiberlippen  sind  geschaffen  mehr
zum  kussen  als  zum  klaffen  Logau  2,6,  14;  und  noch
in  der  Spr.  des  18.  Ih.:  mährchen  ..  womit  die  poeten

ihre  klaffenden  zuhörer  belustigten  Wieland  Götterklässen

  —  klagbar.  352
gespr.  8;  auch  —  schelten,  zanken:  sie  klaffte  fort,  den
weg  hinan  Bürger  Frau  Schnips;  von  Tierstimmen:
das  klaffen  der  stahre,  papagefen  Adelung;  jetzt  in
der  Schriftspr.  eingeengt  auf  das  kurze  Bellen  der  Hunde
und  verwandter  Arten:  ein  sfleischernund  ..  Elafste,
bisz  Schiller  Fiesko  2,  8;  hunde  begruszten  ..  das
fräulein  mit  freundlichem  klaffen  und  wedeln  Hauff
1,  119;  füchse  klaffen;  in  einer  ablautenden  Formel:
laut  klitft  und  klafft  es  Bürger  wilde  Jagd.  2)  das
bloße  gespalten  oder  geöffnet  sein  bezeichnend,  schon  mhd.
in  üt  klaffen:  in  (ihnen)  klaflent  üf  die  næte  Helbling
2,  1367;  in  älterer  Spr.  nicht  häufig:  die  tür  klatlet,
die  erde  klaffct  ron  einander,  das  klaffen  des  tohres
Stieler,  Adelung  führt  die  Bed.  nur  als  oberdeutsch,
d.  h.  mundartlich  auf;  aber  schon  von  seiner  Zeit  an
häufig  und  allgemein  geworden,  namentlich  auch  dichterisch,
  eigentlich  und  bildlich:  die  lippen  einer  wunde,
die  man  so  gern  sich  schlieszen  säbe,  aufs  neue  klaffen
zu  machen  Lessing  Berengarins  V;  schwarz  klaftt
hinunter  ein  gähnender  spalt  Schiller  Taucher;  klatzt
und  gähnt  erst  manche  wunde  Lenau  2,  233;  täglich
klafft  heilloser  des  vaterlands  webvoller  zwiespalt
Geibel  5,  64;  die  ungeheure  lucke,  die  in  der  mitte
des  welttheils  klaffte  Treitschke  1,  31;  das  klaffende
bolzwerk  C  FMeyer  Jenatsch  32.  —  kläffen,  Nebensorm
  von  klaffen;  =  knallen  oder  krachen,  in  oberdeutscher
  Form:  pulver,  das  nicht  laut  kläpfte  Simpl.
3,  176;  =  mit  dem  Schnabel  knacken,  von  einem  Vogel:
wie  ein  eul  die  kläpfen  will  325;  jetzt  noch  von
Hunden,  —  wiederholt  kurz  bellen:  kleine  hundchen,
die  den  ganzen  tag  kläffen  Adelung;  baurenköter,
der  nebenher  klätite  Gaudy  Erz.  34;  um  das  haus
..  kläffte  die  wilde  jagd  Freytag  Handschr.  1,  266;
winselnd  klälften  meine  rüden  Heyse  21,  50.  —
Kläffer,  m.  der  da  klafft  oder  kläfft;  in  älterer  Spr.
—  Schwätzer,  Verläumder,  Zänker:  von  den  falschen
kleffern  und  lügenern  Sir.  51,  7;  kläfter,  garruius
Steinbach;  —  kläffender  Hund:  dasz  kleine  hämische
kläffer  dahinter  her  bellen  Lessing  ant.  Briefe  37;
übertragen:  die  lauten  kläffer  scheu  ich  nicht  zumeist
Grillparzer  5,  174.

Klafter,  k.  (auch  m.  und  n.)  ein  Maß;  ahd.  chläfdra
cubstus,  mhd.  klätter;  von  den  ausgespannten  Armen
hergenommen  (vgl.  dazu  klastern),  als  urverwandt  wird
betrachtet  litt.  globti  umarmen;  Längen=  und  Tiefenmaß:
  vierdehalbe  kläfter  breit  Biterolf  7500;  lz  ig
(das  Holz)  begraben  .  funfhundert  klästern  in  di
erden  Myst.  1,  127;  ain  pruck  .  war  fünthundert,
clafter  und  schrit  lang  Aventin  2,  147;  sie  senkten
den  bleiwurf  ein,  und  funden  zwenzig  klafter  tief
Ap.  Gesch.  27,  28;  die  hölle  zebntausend  klafter  tiefer
versunken  Schiller  Räub.  2,  3;  Geviertmaß,  besonders
für  Holz:  1177  jar  häb  man  an  das  holcz  zä  messen
mit  der  klafter  oder  masz  (in  Augsburg)  D.  Städtechr.
4,  17;  zwanzig  klaftern  hol  Lichtwer  Fab.  3,  5;  dazu:
gähnten  einen  so  klafterbreit  an  Gaudy  Erz.  66;  ich
steckte  im  moralischen  katzenjammer  tief,  klaftertief
77;  es  schwamm  einmal  ein  fisch  klaftertief  unten  im
Bodensee  Scheffel  Ekkeh.  85.  —  klafterig,  eine  Klafter
enthaltend:  klafteriges  scheitholz,  so  lang;  klaftericht,
longitudine  quatuor  enbitorum  Stieler,  klästerig
Frisch;  in  Zusammensetzungen:  ein  zweiklafteriger,
dreiklasteriger  haum,  so  viel  Umsang  habend  oder  auch
so  viel  Brennholz  gebend  Adelung.  —  klaftern,  mit
ausgespannten  Armen  reichen  oder  erreichen,  in  Tirol
ctwas  klaltern,  mit  den  Armen  messen  Schöpf;  umklaftern,
  mit  umspannten  Armen  messen,  in  burschikoser
Rede  umarmen;  übertragen  von  Raubvögeln,  mit  ausgespannten
  Flügeln  messen;  bei  Schiffern  eine  Tiefe
nach  Klaftern  messen;  Holz  in  Klaftern  setzen.

Klagbar,  Klage  bringend  oder  zur  Klage  geeignet,
mhd.  klageb#ere;  in  älterer  Spr.  in  allgemeinem  Sinne,