Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1830. (21)

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Ueber  die  Veranlassung  zu  dem  disciplinellen  Einschreiten,  die  Erklärung  des  an—
geschuldigten  Staatsdieners  und  die  Verfügung  der  Disciplinarstrafe  ist,  soweit  nicht
darüber  actenmäßiger  Nachweis  vorhanden  ist,  ein  Protokoll  aufzunehmen.

Gegen  die  Verfügung  einer  der  vorgedachten  Disciplinarstrafen  findet  nur  Beschwerde
  statt.

19.  Die  Dienstentlassung  kann  nur  durch  Erkenntniß  des  Disciplinargerichts
ausgesprochen  werden.
Das  entscheidende  Disciplinargericht  bildet:
in  erster  Instanz  die  Disciplinarkammer,
in  zweiter  Instanz  der  Disciplinarhof.

*  20.  Der  Ertheilung  des  in  §  19  gedachten  Erkenntnisses  muß  eine  mündliche
Verhandlung  vor  der  Disciplinarkammer  und  dieser  eine  Voruntersuchung  vorausgehen.

Die  Einleitung  des  Verfahrens  wird  von  dem  betreffenden  Ministerium  angeordnet.
Dasselbe  beauftragt  zu  diesem  Behufe  einen  Beamten  mit  Ausübung  der  staatsanwaltschaftlichen
  Functionen.  Von  dem  Vorsitzenden  der  Disciplinarkammer  wird  ein  richterlicher
  Beamter  als  Untersuchungsrichter  bestellt.

Der  Untersuchungsrichter  hat  den  angeschuldigten  Staatsdiener  über  das  demselben
zur  Last  Gelegte  verantwortlich  zu  vernehmen  und  alle  zu  Aufklärung  des  Thatbestands
erforderlichen  Erhebungen  zu  bewirken.  Er  kann  nach  seinem  Ermessen  dem  Angeschuldigten
  nachlassen,  binnen  einer  demselben  zu  setzenden  Frist  über  die  Anschuldigung
sich  schriftlich  auszulassen.  Erfolgt  eine  solche  Auslassung  nicht,  oder  ist  dieselbe  nicht
erschöpfend,  so  ist  zu  der  mündlichen  Vernehmung  zu  verschreiten.  Im  Uebrigen  finden
die  Vorschriften  der  Strafprozeßgesetze  über  die  Voruntersuchung  entsprechende  Anwendung;
  jedoch  ist  die  Verhaftung,  die  einstweilige  Verwahrung  und  die  Vorführung
des  Angeschuldigten  unzulässig.  Leistet  derselbe  der  an  ihn  ergangenen  Ladung  des
Untersuchungsrichters  zur  Vernehmung  keine  Folge,  so  bedarf  es  der  Vernehmung  nicht.
Ist  der  Aufenthalt  des  Angeschuldigten  nicht  bekannt,  so  erfolgt  die  Behändigung  der
Ladung  in  seiner  letzten  Wohnung  an  dem  Orte,  in  welchem  er  zuletzt  angestellt  war.

§  21.  Nach  Schluß  der  Voruntersuchung  werden  die  Acten  an  dasjenige  Ministerium
eingesendet,  welches  die  Einleitung  des  Verfahrens  angeordnet  hat.

Dasselbe  kann  mit  Rücksicht  auf  die  Ergebnisse  der  Voruntersuchung  das  Verfahren
einstellen  und  geeigneten  Falles  eine  Disciplinarstrafe  der  in  §  16  unter  1  und  2  gedachten
  Art  verfügen.

§  22.  Die  Wiederaufnahme  des  eingestellten  Disciplinarverfahrens  wegen  der
nämlichen  Anschuldigungspunkte  ist  nur  auf  Grund  neuer  Beweise  und  während  eines
Zeitraums  von  fünf  Jahren,  vom  Tage  des  Einstellungsbeschlusses  an  gerechnet,  zulässig.