Metadata : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

B6  Bayern  unter  Kaiser  Heinrich  III  Wittwe  Agnes.

storben.  Mit  ihm  war  der  Mannsstamm  des  alten  in  Bayern,
Schwaben  und  Tyrol  begüterten  Welfengeschlechtes  7#)
erloschen.

Seine  Güter  hatte  Welf  in  einem  Testamente  dem  Kloster
Weingarten  zugedacht.  Aber  seine  Mutter  Irmengarde
(Imiza),  eine  Tochter  des  Grafen  Sigfrid  zu  Luxemburg
und  Schwester  der  Gemahlin  des  Kaisers  Heinrich  II,  rief
Welf,  den  Sohn  ihrer  Tochter  Kunigunda  (Kunizza),  die
mit  dem  Markgrafen  Albert  oder  Azzo  II  von  Este  in  der
Lombardei  vermählt  war,  nach  Deutschland  und  wußte  es  dahin
zu  bringen,  daß  ihm  alle  in  Deutschland  gelegenen  Welfengüter
überlassen  wurden.

Bald  darauf  erlag  Kaiser  Heinrich  III  den  gewaltigen
Anstrengungen,  denen  er  sich  zum  Wohle  seines  Reiches  unterzogen,
  in  dem  Alter  von  39  Jahren  am  5.  Oktober  1056  und
ward  zu  Speyer  an  der  Seite  seines  Vaters  bestattet.  Sein
ältester  Sohn,  der  bisherige  Bayernherzog  Heinrich  VIII,  bestieg
als  Heinrich  IV  (1056  —  1106)  den  deutschen  Thron.

&42.  Die  Kaiserin-Wittwe  Agnes  verlieh  Bayern,  das
sie  mit  der  Erhebung  ihres  älteren  Sohnes  Heinrich  auf  den
deutschen  Thron  für  erledigt  ansah,  ihrem  jüngeren  Sohne,
Konrad,  der  erst  1052  geboren  war.  Da  dieser  noch  im
Laufe  des  Jahres  1056  starb,  theilte  sich  Agnes  mit  ihrem
allgewaltigen  Kanzler,  dem  Bischofe  Heinrich  von  Augsburg,
in  die  Verwaltung  Bayerns  (1056—  1061),  das  sie  gegen  ihren
Willen  in  einen  unheilvollen  Krieg  mit  Ungarn  verwickelte.

Hier  war  (1046)  der  König  Peter  ermordet  worden  und
ein  Sprößling  der  Seitenlinie  als  König  Andreas  I!  gefolgt  75).
Dieser  hoffte  seinem  Sohne  Salomo  die  zweifelhafte  Nachfolge
im  Reiche  dadurch  zu  sichern,  daß  er  ihn  (1058)  mit  Sophia,
der  Tochter  der  Kaiserin-Wittwe  Agnes,  verloben  ließ.  Als
mun  der  Vater  im  Vertrauen  auf  diese  Verbindung  mit  dem
Kaiserhause  den  siebenjährigen  Knaben  feierlich  krönen  und  zu
seinem  Nachfolger  im  Reiche  erklären  ließ,  ergriffen  die  Magnaten
für  Bela,  den  Bruder  des  Königs  Andreas  1,  Partei  und
eröffneten  (1061)  einen  Krieg,  in  welchem  König  Andreas