Metadata : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1856. (47)

etwa  derselbe  Personenkreis,  der  aus  seinen  Mitgliedern  auch  den  Kreisausschuß
  beschichte  und  für  die  Stimmung  dieser  Körperschaft  maßgebend
war.  Bei  der  schon  mehrfach  gestreiften  Stellungnahme  des  Kreisausschusses
  gegen  die  Stadt  war  das  auch  hinsichtlich  der  Milchversorgung
bisweilen  von  ausschlaggebender  Bedeukung.

Venn  auch  im  Grunde  die  Versorgung  mit  Butter  und  die  mit
Milch  so  innig  untereinander  verflochten  sind,  daß  eine  Trennung  praktisch
  nur  sehr  schwer  durchzuführen  ist,  so  soll  doch  wenigstens  ein  Versuch
  in  dieser  Richtung  gemacht  werden,  schon  aus  dem  einfachen
Grunde,  weil  die  Bukterversorgung  wieder  untrennbar  mit  der  Margarineversorgung
  zusammengekuppelt  ist  und  die  Darstellung  bei  einer  gemeinsamen
  Behandlung  des  gesamten  Gebietes  zu  unübersichtlich  würde.

A.  Bukter.

Die  erste  Wirhung  des  Krieges  bestand,  wie  auch  auf  anderen
Gebieten,  so  auch  im  Butterhandel  darin,  daß  die  Preise  in  die  Höhe
gingen.  Allerdings  waren  Erzeuger  und  Verbraucher  in  diesem  Punkte
wie  gewöhnlich  verschiedener  Meinung.  Die  Molkereigenossenschaft
Stolp  betonte  in  ihrem  Geschäftsbericht  über  das  Jahr  1914,  daß  sie
gegen  Ende  des  Jahres  die  Buktter  wochenlang  unter  dem  Großhandelspreis,
  nämlich  mit  1,60  A  je  Pfd.  abgegeben  habe,  also  sehr  entgegenkommend
  gewesen  sei.  Die  Verbraucher  kamen  im  Gegensatz  hierzu  zu
der  Ueberzeugung,  daß  sie  beim  Butterkauf  übervorteilt  würden,  und
bereits  im  Dezember  1914  wurde  von  der  Stadtverordnetenversammlung
gefordert,  daß  Höchstpreise  für  Butter  festgesetzt  werden  sollten.  Man
sah  freilich  dann  von  Höchstpreisen  ab,  weil  der  Oberbürgermeister  auseinandersetzte,
  daß  Höchstpreise  sofort  zu  Mindestpreisen  werden  müßten
und  daß  sie  keinen  Sinn  hätten,  sofern  sie  nicht  für  größere  Bezirke  festgesetzt
  würden.

Im  übrigen  scheint  die  Butterversorgung  zunächst  ihren  gewohnten
Ablauf  genommen  zu  haben.  Allerdings  machte  das  immer  weitere  Anziehen
  der  Preise  viel  böses  Blut,  sodaß  im  September  1915  der  Oberbürgermeister
  sich  veranlaßt  sah,  in  einer  langen  Abhandlung  in  der  Zeitung
  für  Hinterpommern  auf  diesen  Punkt  einzugehen  und  die  mangelnde
  Berechtigung  der  ewigen  Preissteigerungen  nachzuweisen.  Damit
war  wieder  ein  Anlaß  zum  Konflikt  mit  dem  Landkreis  gegeben,  mit
dem  ja,  wie  wir  uns  erinnern,  zur  selben  Zeit  auch  Auseinandersetzungen
in  der  Getreidefrage  stattfanden;  diesmal  zwar  nur  mit  dem  „landwirt-76