Metadata : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

34  1.Die  Zeit  Ludwigs  XIV  und  des  Kurfürjten  Friedrih  Wilhelm.

zwanzig  Dahre  an,  während  deren  er  in  jeinen  feitherigen,  beziehungsweile
  den  feit  dem  Icymweger  Frieden  gemachten  Erwerbungen
  oder  Reunionen  unangefochten  bleiben,  aber  feine  weiteren
zu  machen  fich  verpflichten  wollte:  ein  Anfinnen,  das  von  feinem  noch
ungebrochenen  Selbft-  und  Machtbewußtjein  zeugte.  Auf  der  andern
Seite  mußte  fich  der  Kaifer  Tagen,  daß  er  nicht  gleichzeitig  feinen  Krieg
im  Often  mit  Erfolg  fortjegen  und  den  fchiwierigen  und  nad)  den  bißherigen
  Erfahrungen  nicht  jehr  ausfichtsvollen  Krieg  gegen  Srantveich
  im  Weiten  wieder  aufnehmen  fünne.  Diejem  leteren  Gedanken
—  der  Wiederaufnahme  des  Krieges  gegen  Ludwig  XIV  —  verjagte
fi)  ja  auch  immer  noch  ein  wejentlicher  Faktor,  nämlich  der  Kurfürft
von  Brandenburg  mit  feiner  aufs  bejte  organifierten,  zuverläffigen
und  Schlagfertigen  Krieggmadht.  Für  Friedrih  Wilhelm  lagen  die
Dinge  nod)  ebenfo  wie  nach  dem  Trieden  von  St.  Germain,  und  er
hatte  ich  mit  Zudwig  XIV  im  Oftober  1683  auf3  neue  verjtändigt.
Sp  wurde  am  15.  Auguft  1684  in  Regensburg  Der  angebotene  Stilltand
  im  lebten  Augenblid  unterzeichnet,  nachdem  die  franzöfilchen
Unterhändler  gedroht  hatten,  daß  fie,  wenn  man  diefen  Termin  verjtreichen
  lafje,  nod)  mit  ganz  anderen  Bedingungen  Herportreten  würden.

Der  Kaifer  hatte  durch  den  Regensburger  Stillitand  den  Vorteil
erlangt,  daß  feine  Hände  gegen  die  Türken  frei  wurden,  und  die
seldzüge  der  folgenden  Jahre  1685,  1686,  1687,  bei  denen  der
Herzog  von  Lothringen  und  der  Kıurfürft  Mar  Emanuel  von  Bayern
jich  auszeichneten,  verliefen  erfolgreih.  Im  Auguft  1686  wurde  die
Teftung  Neuhäufel,  im  September  darauf  Ofen  erftürmt,  nachdem
die  Stadt  hHundertfünfundvierzig  Jahre  in  türkischen  Händen  gewefen
war;  hier  wirkte  auch  ein  brandenburgijches  Hilfsforps  von  achttaujend
  Mann  mit.  Der  Sieg  vervollftändigte  fich  im  folgenden
Sahre,  ward  aber  durd)  eine  granfame  Rache  an  den  proteftantifchen
ungarilchen  Rebellen,  da3  Blutbad  von  Eperies,  gejchändet.  Im
Dftober  1687  auf  einem  Reichstag  zu  Preßburg  wurde  die  Erblichfeit
  der  Stephansfrone  im  Habsburgifchen  Haufe  anerkannt,  das
Sniurreftionsrecht  abgefchafft  und  auch  den  Proteftanten  wurden
einige  Zugeftändniffe  in  Ausübung  ihrer  Religion  gemacht.