Vergebens versuchte General Nivelle in den nächsten Wochen an beiden
Stellen neue Angriffe. An der Aisne wle in der Champagne brachten sie dem
Felnde nur neue entsetzliche Verluste.
Der große Frühsahrsansturm im Westen war blutig zusammengebrochen.
Die Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, deren 7., J. und später auch die von
der Siegfriedstellung herangezogene und zwischen belde elngeschobene 1. Armee
die Abwehrschlacht haben durchkämpfen müssen, hat einen großen Sieg erfochten
— dank der zähen Tapferkelt der Kruppe und nicht minder dank dem
neuen Derteldlgungsverfahren, dae sich in diesen schwersten Kämpfen durchaus
bewährt und dle Verluste an Menschen und Material berabgesetzt hatte, während
der Feind in massiertem Ansturm wahre Hekatomben eingebüßt batte. Frellich:
auch die deutsche Front fühlte lhre schweren Opfer.
Was ware geworden, wenn glelchzeltig Rußland, dem Plan der Entente
entsprechend, mit der Salonikiarmee zusammen den beatbsichtigten konzentrischen
Angriff auf Bulgarlen hätte führen können? Daß die Frübjahrsoffensive
der Westmächte allein verhältnismäßig so leicht abgeschüttelt werden konnte,
das war dle erste Auswirkung des „Wunders“ im Osten. „Im April und Mal
1917 hat une trotz unseres Sieges in der Aisne-Champagne-Schlacht allein die
russische Kevolution vor Schwerem bewahrt,“ gibt Ludendorff zu.
5.
Grenzenlos war die Enttäuschung der Entente. Der Rückschlag der Stlm—
mung von ausschweisender Hoffnung zu tiefstem Verzagen wurde in Frankreich
fast Katastropbe.
Die Offensive hatte von den Franzosen ein neuee, kaum erträgliches Blutopfer
gefordert. An 150 000 Tote und Verwundete hatte sie gekostet. Der
Soldat verlor den Glauben an die Mögllchkeit des Sieges. Sein Fluch traf den
Generalissimus Nivelle, den „buveur de sang“, den „Blutsäufer“. Die Reglerung
opferte lihn und ersetzte lhn durch seinen Aebenbuhler Pétaln, den Retter
Verduns. Stabschef wurde General Foch.
Der Armee war biermit nicht genug getan. Sie verlangte nach dem Ende
des Mordens. Ein Hauch des russischen Umsturzes wehte von der Ostfront her
über das Mntterland der Revolutlon. Die Krümmer der schlachtzerfetzten Angriffsdlolsionen
versagten lhren Führern den Gehorsam. Meuterelen rissen
sechrehn Armeekorps in ihre Strudel. Sie weigerten die Rückkehr zur Front.
Nach russischem Vorbild entstanden Soldatenräte, ganze Abteilungen entrollten
rote Fahnen und verlangten nach Paris geführt zu werden, um dle Revolutlon
auszurufen.
Der neue Oberfeldberr stand vor der Sorge, daß Frankrelchs schartigees
Schwert ihm in der Hand zerbräche, ehe er es neu würde schärfen können. Er
mußte der französischen Kammer versprechen, dem Lande während des ganzen
Jobres 1917 kein weiteres Biutopfer zuzumuten. Er mußte im Krlegerat der
Entente die Forderung stellen, man solle von weiterer Offensivtätigkeit bis
zum Eingreifen der Amerikaner abseben.
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