Contents : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Vergebens  versuchte  General  Nivelle  in  den  nächsten  Wochen  an  beiden
Stellen  neue  Angriffe.  An  der  Aisne  wle  in  der  Champagne  brachten  sie  dem
Felnde  nur  neue  entsetzliche  Verluste.

Der  große  Frühsahrsansturm  im  Westen  war  blutig  zusammengebrochen.
Die  Heeresgruppe  Deutscher  Kronprinz,  deren  7.,  J.  und  später  auch  die  von
der  Siegfriedstellung  herangezogene  und  zwischen  belde  elngeschobene  1.  Armee
die  Abwehrschlacht  haben  durchkämpfen  müssen,  hat  einen  großen  Sieg  erfochten
  —  dank  der  zähen  Tapferkelt  der  Kruppe  und  nicht  minder  dank  dem
neuen  Derteldlgungsverfahren,  dae  sich  in  diesen  schwersten  Kämpfen  durchaus
bewährt  und  dle  Verluste  an  Menschen  und  Material  berabgesetzt  hatte,  während
der  Feind  in  massiertem  Ansturm  wahre  Hekatomben  eingebüßt  batte.  Frellich:
auch  die  deutsche  Front  fühlte  lhre  schweren  Opfer.

Was  ware  geworden,  wenn  glelchzeltig  Rußland,  dem  Plan  der  Entente
entsprechend,  mit  der  Salonikiarmee  zusammen  den  beatbsichtigten  konzentrischen
  Angriff  auf  Bulgarlen  hätte  führen  können?  Daß  die  Frübjahrsoffensive
der  Westmächte  allein  verhältnismäßig  so  leicht  abgeschüttelt  werden  konnte,
das  war  dle  erste  Auswirkung  des  „Wunders“  im  Osten.  „Im  April  und  Mal
1917  hat  une  trotz  unseres  Sieges  in  der  Aisne-Champagne-Schlacht  allein  die
russische  Kevolution  vor  Schwerem  bewahrt,“  gibt  Ludendorff  zu.

5.

Grenzenlos  war  die  Enttäuschung  der  Entente.  Der  Rückschlag  der  Stlm—
mung  von  ausschweisender  Hoffnung  zu  tiefstem  Verzagen  wurde  in  Frankreich
fast  Katastropbe.

Die  Offensive  hatte  von  den  Franzosen  ein  neuee,  kaum  erträgliches  Blutopfer
  gefordert.  An  150  000  Tote  und  Verwundete  hatte  sie  gekostet.  Der
Soldat  verlor  den  Glauben  an  die  Mögllchkeit  des  Sieges.  Sein  Fluch  traf  den
Generalissimus  Nivelle,  den  „buveur  de  sang“,  den  „Blutsäufer“.  Die  Reglerung
  opferte  lihn  und  ersetzte  lhn  durch  seinen  Aebenbuhler  Pétaln,  den  Retter
Verduns.  Stabschef  wurde  General  Foch.

Der  Armee  war  biermit  nicht  genug  getan.  Sie  verlangte  nach  dem  Ende
des  Mordens.  Ein  Hauch  des  russischen  Umsturzes  wehte  von  der  Ostfront  her
über  das  Mntterland  der  Revolutlon.  Die  Krümmer  der  schlachtzerfetzten  Angriffsdlolsionen
  versagten  lhren  Führern  den  Gehorsam.  Meuterelen  rissen
sechrehn  Armeekorps  in  ihre  Strudel.  Sie  weigerten  die  Rückkehr  zur  Front.
Nach  russischem  Vorbild  entstanden  Soldatenräte,  ganze  Abteilungen  entrollten
rote  Fahnen  und  verlangten  nach  Paris  geführt  zu  werden,  um  dle  Revolutlon
auszurufen.

Der  neue  Oberfeldberr  stand  vor  der  Sorge,  daß  Frankrelchs  schartigees
Schwert  ihm  in  der  Hand  zerbräche,  ehe  er  es  neu  würde  schärfen  können.  Er
mußte  der  französischen  Kammer  versprechen,  dem  Lande  während  des  ganzen
Jobres  1917  kein  weiteres  Biutopfer  zuzumuten.  Er  mußte  im  Krlegerat  der
Entente  die  Forderung  stellen,  man  solle  von  weiterer  Offensivtätigkeit  bis
zum  Eingreifen  der  Amerikaner  abseben.

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