Full text : Fort mit Erzberger!

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liener  machten  langsame,  aber  stetige  Fortschritte.  Man  fürchtete
in  Wien  bei  der  Niedergeschlagenheit  und  Verstimmung  der  Be—
völkerung  das  Ueberspringen  der  Revolution  auf  Oesterreich.  Der
Außenminister  Graf  Czernin  überreichte  Kaiser  Karl  am  12.  April
einen  Immediatbericht,  der  für  das  deutsche  Hauptquartier  be—
stimmt  war  und  durch  den  Flügeladjutant  Graf  Ledochowski  in
Homburg  überreicht  wurde.  Graf  Czernin  gehört  zu  jenen  pessimistischen
  Naturen,  die  immer  die  ungünstigste  Entwicklung  der
Dinge  erwarten  und  darauf  ihre  Berechnungen  und  Vorkehrungen
  einstellen.  In  diesem  Falle  hat  er  es  des  Zweckes  wegen
für  diplomatisch  gehalten,  in  besonders  schwarzen  Farben  zu
malen.  Der  Bericht  entwarf  ein  äußerst  pessimistisches  Bild  über
die  Lage  in  Oesterreich.  Derselbe  verwies  „auf  das  zur  Neige
gehende  Rohmaterial,  auf  das  vollständig  erschöpfte  Menschenmaterial
  und  vor  allem  auf  die  dumpfe  Verzweiflung,  welche  sich
vor  allem  wegen  der  Unterernährung  aller  Volksschichten  bemächtigt
  hat,  und  welche  ein  weiteres  Tragen  der  Kriegsleiden
unmöglich  macht".  Man  könne  wohl  hoffen,  noch  „die  allernächsten
  Monate“  in  der  Defensive  durchzuhalten,  eine  weitere
Winterkampagne  sei  aber  „vollständig  ausgeschlossen“,  es  müsse
im  Spätsommer  oder  Herbst  „um  jeden  Preis“  Schluß  gemacht
werden.  Man  müsse  die  Friedensverhandlungen  beginnen,  ehe
die  Entente  den  bevorstehenden  Zusammenbruch  erkenne,  sonst
werde  sie  auf  keine  Bedingungen  eingehen,  außer  auf  solche,
welche  die  „vollständige  Vernichtung  der  Zentralmächte“  bedeuten.
  Czernin  spricht  dann  von  der  täglich  zunehmenden
dumpfen  Verzweiflung  der  Bevölkerung.  Der  Kaiser  kenne  die
geheimen  Berichte  der  Statthalter.  Der  Bogen  sei  dermaßen  gespannt,
  daß  „ein  Zerreißen  täglich  erwartet  werden“  könne.  Die
innere  Situation  in  Deutschland  sei  nicht  wesentlich  besser.  Auch
die  deutschen  Staatsmänner  gäben  zu,  daß  auch  für  Deutschland
eine  weitere  Winterkampagne  „ein  Ding  der  Unmöglichkeit“  sei.
—  Soweit  der  Immediatbericht.  Er  sollte  die  deutsche  Regierung
und  Heeresleitung  beeindrucken,  das  Vertrauen  in  einen  guten
Ausgang  erschüttern  und  einen  fast  gleichzeitig  unternommenen
Versuch  unterstützen,  Deutschland  zu  einem  Abtretungsfrieden,
also  einem  Bekenntnis  der  Niederlage,  zu  bewegen.  Kaiser  Karl
und  Czernin  machten  bei  einem  Besuch  in  Homburg  den  Vorschlag,
Deutschland  solle  Elsaß=  Lothringen  an  Frankreich  abtreten.
Oestereich  sei  zu  Gebietsabtretungen  an  Italien  bereit  und  wolle