Vetsches Reich. (Mai 12. 14.) 551
mehr denn je in diesem Daseinskampfe erwiesen hat. Wir fordern eine
starke Regierung, die über den Parteien steht und die verfassungsmäßigen
Rechte des Bolkes und seiner Vertreter voll wahrt wie die eigenen. Einseitige
Berücksichtigung einer Partei und ihrer Wünsche und schwächliche
Nachgiebigkeit aus Rücksichten der Tagespolitik erachten wir für unvereinbar
mit den Grundbedingungen staatlicher Gesundheit, völkischer Geschlossenheit
und Kraft.
12. Mai. (Bayern.) König Ludwig kehrt von einer am 30. April
angetretenen Reise in das Kriegsgebiet nach München zurück.
Ueber den Verlauf der Reise berichtet die „Bayer. Staatsztg."“ u. a.
Die ersten Tage, während denen der König in Würzburg wohnte, waren
dem Besuch unterfränkischer Städte und einer eingehenden Besichtigung der
weit vorgeschrittenen Hafen= und Kanalbauten auf der Mainstrecke von
Aschaffenburg bis zur Landesgrenze gewidmet. Nach einer kurzen Begegnung
mit dem Großherzog von Hessen in Darmstadt nahm der König für,
die Dauer seines Aufenthaltes in der Pfalz auf dem Schlosse Ludwigshöhe
bei Edenkoben Wohnung. Weit ausgedehnte Eisenbahn= und Automobilfahrten
führten ihn von hier aus nach Straßburg und Kolmar und zu
bayerischen Truppenverbänden an der elsaßlothringischen Front. Ein Besuch
im Großen Hauptquartier gab neuerdings Gelegenheit zur mündlichen Aussprache
mit dem Kaiser. Einige Tage später erwiderte der Kaiser den Besuch
auf der Ludwigshöhe.
Beim Abschied aus der Pfaiz hat der König dem Regierungspräsidenten
das folgende Handschreiben überreicht: Mein lieber Herr Regierungspräsident
v. Neuffer! Während Meines Aufenthaltes in der Pfalz sind
Mir von allen Seiten rührende Beweise der Anhänglichkeit und Liebe entgegengebracht
worden. Die Pflicht zur Arbeit, die der Ernst der Zeit uns
auferlegt, ließ keinen Raum zu frohen Festen. Um so aufrichtiger hat es
Mich gefreut, bei Meinen Fahrten durch das Land und bei den Besuchen
der Städte und industriellen Werke zu sehen, mit welcher Hingebung alle
Schichten des Volkes ohne Ausnahme ihrer Pflicht obliegen, und um so höher
schätze Ich die herzliche Begrüßung, mit der die aus den Stätten der täglichen
Arbeit herbeieilende Bevölkerung Mich allerorts bewillkommt hat.
Ueberall geipte sich der feste Wille, durch zielbewußte Heimatarbeit die
Widerstandskraft unserer heldenhaften Truppen zu stärken, von deren Ausdauer
und unerschütterlicher Siegeszuversicht Jch Mich bei Meinen Besuchen
der Westfront neuerdings überzeugt habe. Möge der Segen des Himmels
als Lohn treuer Pflichterfüllung auf den in herrlicher Frühlingspracht
prangenden wohlbestellten Gefilden der schönen Pfalz eine reiche Ernte gedeihen
lassen! In der Stunde des Abschieds ersuche ich Ew. Exz., Meinen
lieben Pfälzern Meinen Dank und Meine Anerkennung zum Ausdruck
zu bringen.
Villa Ludwigshöhe, den 12. Mai 1917. Ludwig.
14. Mai. Aus rumänischen Geheimakten.
Die, Nordd. Allg. Ztg." teilt mit: Wie aus Bukarest gemeldet wird,
haben dort die deutschen Behörden, ähnlich wie seinerzeit in Brüssel, einen
ganzen Stoß geheimer diplom. Akten vorgefunden, die bei der eiligen Flucht
aus der Hauptstadt aus Unachtsamkeit zurückgelassen wurden. Diese Berichte
und Telegramme geben einen interessanten Einblick in das Treiben gewisser
rum. Vertreter im Auslande, die mittels tendenziöser, oft geradezu falscher
Nachrichten, die sie von der Ententediplomatie bezogen, alles aufboten, um
Rumänien in den Krieg gegen die Mittelmächte hineinzuhetzen. Einer der