Contents : Handbuch für Preußische Verwaltungsbeamte. Erster Band. (1)

deutschen  Soldaten.  Die  Landschaft  liegt  unbeschreiblich  schön  an
diesen  ewigen  Flußwindungen;  eine  Stadt  nach  der  andern  lugt
hinter  den  Vorgebirgen  hervor,  und  graue  Häuser  mit  ihren
schwarzen  Schieferdächern  und  schöne  Kirchen  lösen  sich  von  dem
grünen  Hintergrund.

Schließlich  erreichen  wir  Treis,  wo  eine  lustige  Fähre,  wie
ich  sie  von  den  sibirischen  Flüssen  kenne,  uns  auf  das  linke  Ufer
hinüberführt.  Dort  setzten  wir  unsere  schnelle  Fahrt  fort.  Wir
kamen  an  mehreren  Militärzügen  vorüber  und  begegneten  auch
einem  Lazarettzug,  dessen  beide  erste  Wagen  verwundete  Franzosen
beherbergten,  die  übrigen  deutsche.  Den  Franzosen  ging  es  weder
besser  noch  schlechter  als  den  Deutschen.  Alle  lagen  auf  Stroh.
Die  Schiebetüren  in  diesen  zum  Lazarett  eingerichteten  Güterwagen
  standen  offen,  um  den  Kranlen  frische  Luft  zu  verschaffen.

In  der  Stadt  Eller  rasten  wir  einige  Zeit  in  einem  Wirtshaus,
  dessen  Wirt,  Herr  Meinze,  uns  mit  allem  unterhält,  was
er  vom  Krieg  weiß.  Sein  Töchterchen  springt  davon  und  bringt
einen  Brief,  der  eben  vom  Sohn  der  Familie  angelangt  ist,  einem  zweiundzwanzigjährigen
  Potsdamer  Garde-Ulanen.  Der  Briesschreiber
beklagt  sich,  daß  er  einen  Monat  lang  kein  Wort  von  zu  Hause
gehört  habe.  Er  sei  in  einem  Gefecht  gewesen,  in  dem  ein  französischer
  Flieger  eine  Bombe  auf  eine  Batterie  herabwarf,  drei
Mann  tötete  und  zwanzig  verwundete.  Über  seine  englischen
Gegner  spricht  er  mit  großer  Verachtung.  Er  vergißt,  daß,  man
mag  über  die  englische  Leitung  sagen  was  man  will,  die  Soldaten
doch  tüchtig  sind,  große  persönliche  Tapferkeit  zeigen  und  sich  mit
Löwenmut  und  Todesverachtung  schlagen.  Seinen  Brief  beginnt
er  mit  den  Worten:  „Liebe  Eltern  und  Schwester“,  und  am
Schluß  gibt  er  der  Hoffnung  Ausdruck,  daß  Deutschland  bald  mit
seinen  Feinden  fertig  werden  möge.  Der  bezeichnende  Zug  all
dieser  Feldpostbriefe  ist  die  unbefangene  Beurteilung  der  Lage  und
der  blinde  Glaube  der  Soldaten  an  die  unüberwindliche  Macht
des  Heeres  und  den  schließlichen  Sieg.  Wenn  ich  falle,  das  bedeutet
  nichts  —  ob  ich  bei  dem  Triumphzug  der  heimkehrenden

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