I. Europa. 638 38. Italien.
kostete der Kampf große Opfer, anderen sogar ihre gesamten italienischen Besitzungen. Es waren
dies die Häuser Este in Modena, Bourbon in Parma und Habsburg-Lothringen in Toscana. Der
deutsche Kaiser verlor Mailand und Mantua, Venedig hörte als Republik auf zu existieren. Die
Republiken Genua und Lucca machten viele Veränderungen durch. Der Kirchenstaat und das
Königreich Neapel wurden eine Zeitlang zu Republiken. Nach dem Sturze Napoleons kehren
1814 die vertriebenen Fürsten zurück, abermals wurden die Verfassungen geändert. Darauf
trat eine verhältnismäßige Ruhe in der politischen Entwicklung der italienischen Staatenkarte
ein, obgleich kleine Umbildungen noch stattfanden, bis dann vom Jahre 1848 an die neue Einheitsbewegung
einsetzt.
Um sich ein Bild von den mannigfachen Umbildungen der Verfassungen in diesen Jahren
zu machen, sei nur darauf hingewiesen, daß vom Jahre 1797 bis 1849 in Italien 23 Verfassungen
in Geltung gewesen sind. In chronologischer Reihenfolge sind ee folgende:
1. Verfassung der Cispadanischen Republik, gegeben von Bonaparte und verkündet in Modena
am 27. März 1797. Sie enthält 378 Artikel und ist eine Nachalımung der französischen Verfassung
vom Jahre 3 der Rechnung der Republik.
2. Verfassung der Cisalpinischen Republik, gegeben von Bonaparte und proklamiert in
Mailand am 9. Juli 1797 (21. Messidor des Jahres 5).
3. Konstitution des Ligurischen Volkes enthält 396 Artikel und wurde sanktioniert am
2. Dezember 1797 in den Volkskomitien.
4. Verfassung der Cisalpinischen Republik, revidiert durch Bonaparte im Jahre 1798.
b. Verfassung der römischen Republik, beschworen zu Rom am 20. März 1798,
6. Verfassung der Parthenopäischen Republik vom Jahre 1799.
7. Verfassung der italienischen Republik vom 26. Januar 1802 (10. Pluviose des Jahres 10)
mit Bonaparte als Präsidenten.
8. Verfassung der ligurischen Republik vom Jahre 1802.
9. Verfassungsgesetz vom 17. März 1805, worin die Ernennung Napoleons I. zum König
von Italien ausgesprochen wird.
10. Verfassungsgesetz vom 27. März 1805, betreffend die Regentschaft und die Feldherren
des Königreichs Italien.
11. Verfassungsgesetz vom 5. Juli 1905, enthält eine Revision der italienischen Verfassung.
12. Verfassungsgesetz vom 12. Dezember 1907, ändert von neuem die italienische _Verfassung.
13. Verfassungsgesetz des Königreichs Neapel und Sizilien, vom Jahre 1808, gegeben von
Napoleon I.
14. Verfassung von Sizilien vom Jahre 1812, gegeben durch die Bourbonen unter englischem
Einfluß.
15. Verfassung des Lombardo-Venezianischen Königreichs vom 24. April 1815.
16. Verfassung gegeben für die römischen Staaten durch den Papst Pius VII. am 6. Juli 1816
in 248 Artikeln.
17. Verfassung des Königreichs Neapel vom 7. Juli 1820.
18. Verfassung des Königreichs beider Sizilien vom 10. Februar 1848, oktroyiert von
Ferdinand II.
19. Staatsgrundgesetz von Toscana, publiziert am 15. Februar 18148.
20. Staatsgrundgesetz des Königreichs Sardinien vom 4. März 1848.
21. Staatsgrundgesetz, sanktioniert von Papst Pius IX. am 14. März 1848.
22. Staatsgrundgesetz des Königreichs Sizilien vom 10. März 1848.
23. Verfassung der römischen Republik vom 9. Februar 1849.
Die einzige Verfassung, die von diesen noch heute gilt, ist die von Carlo Alberto gegebene
Verfassung Sardiniens, die, angekündigt durch feierliche Proklamation vom 18. Februar 1848,
am 4. März 1848 publiziert wurde. Sie gilt heute für das gesamte Königreich Italien. Von ihrer
Vorgeschichte sei hier nur folgendes erwähnt: Die allgemeine Verfassungsbewegung, die im Jalıre