90 Unser Kaiser.
Eine Einzelheit, die der Kaiser aus diesem Buche hervorhob,
machte mir Eindruck. Bebanntlich haben die Revolutionsmacher,
die die Regierung an sich rissen, sofort einen galizischen
Juden Kautsky auf die Akten des Auswärtigen Amts
in Berlin losgelassen, und dieser veröffentlichte daraus namentlich
die Randbemerkungen, die der Kaiser auf manche Schriftstücke
geschrieben hat. Alle Welt, Zeitungsschreiber und Leser,
regte sich darüber furchtbar auf, als ob der Kaiser damit
etwas Unerhörtes getan hätte. Der Engländer macht sich
über diese bindliche Aufregung der Deutschen lustig. Er
sagt ungefähr: „Wie stellen sich denn die guten Leute eigentlich
vor, wie das der Kaiser hätte anders machen sollen?
Jeder Bankdirektor, der über massenhafte Briefeingänge zu
entscheiden hat, schreibt selbstverständlich seine Entscheidungen
an den Rand. Solche Randbemerkungen sind natürlich nicht
für die Offentlichkeit bestimmt. Aber sie müssen knapp,
klar und unmißverständlich sein, damit der Ausführende
genau weiß, was er zu tun hat: Wac aber für jeden
Bankdirektor ganz selbstverständlich ist, das soll dem Kaiser
eines so mächtigen Reiches nicht zustehen? Soll er etwa
über jede auftauchende Frage eigenhändig eine Denkschrift
abfassen? Handelte es sich nicht im Drang der sich überstürzenden
Ereignisse oft nur um Minuten, in denen er seine
Entscheidungen treffen mußte?" Der Kaiser bemerkte dazu
nur: „Merkwürdig, daß nicht andere Leute auch schon auf
diesen doch eigentlich selbstverständlichen Gedanken gekommen
sind!“
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