Inhaltsverzeichnis : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Zweiter Band. (2)

Wlederum  hatten  die  Franzosen  elnen  Prestigeerfolg  zu  duchen  —  ward
erkenndar,  daß  Nation  und  Heer  die  Schwächeanwandlung  des  Frübjahrt
rühmllch  schnell  und  gründlich  üderwunden  hatten.  Im  Gegensatze  mußte  die
deutsche  O.  H.  L.  erkennen,  daß  dle  Widerstandekraft  ihrer  Divisienen  sich  langsam,
  doch  unverkenndar  zum  Ende  neigte.  Was  die  deiden  Feuerschlachten
von  1916  degonnen  hatten,  das  vollendete  die  Schlammschlacht  von  1917.

Die  Engländer  konnten  noch.  Marscholl  Halg  wußte,  was  er  der  Zäblgkeit
seiner  kerngesunden,  sportgestählten  und  glänzend  versorgten  Oiotsionen  zumuten
  konnte.  Was  dlie  Flandernschlacht  vom  Angrelfer  forderte,  das  war  so
recht  etwas  für  den  englischen  Soldaten.  Hler  konnte  er,  dem  die  Gewandtheit
des  Franzosen  und  der  rasche  Bllck  des  Deutschen  adging,  seine  stiernadige
Zähigkeit  deweisen  und  dewies  sie.  Unoerdrossen  reihte  er  Angriff  an  Angriff  —
wühlte  sich  langsam  immer  tiefer  in  die  deutschen  —  Linien  konnte  man  schon
längst  nicht  mehr  sagen  —  in  den  noch  von  deutschen  Männern  beberrschten
Streifen  der  Schlammwüste  zwlschen  Höhenkamm  und  Talkessel  binein.  Und
blied  schließlich  doch  ermattet  liegen.

Noch  vier  weltere  Großkampftage  stellten  die  Spannkraft  der  Verteldigung
auf  letzte  fürchterliche  Proden.  Und  feder  drachte  dem  Feind  an  irgendeiner
Stelle  einen  Fortschritt  —  der  nur  noch  auf  Karten  größten  Maßstades  erkennbar
  war.  Ader  jeder  zehrte  auch  weiter  an  der  hinschwindenden  deutschen  Kraft.
„Llopd  George  wollte  den  Sieg.  Und  er  hatte  England  in  der  Hand“  (Luden--dorff).
  Der  10.  Novemder  drachte  den  letzten  Massenaonsturm.  Dann  mußte
auch  Llopd  Georgee  Slegeswille  vor  der  Zäbigkeit  der  deutschen  Flandernkämpfer
  die  Segel  streichen.

Oas  zußere  Ergednie  der  Schlacht  stond  ulcht  entfernt  im  Derhältule  zu
dem  deispiellosen  Einsatz  von  Gut  und  Blut,  den  die  Engländer  hatten  opfern
müssen.  Auf  30  Kilometer  Frontbreite  war  eln  Geländegewinn  erzielt,  der  an
einzelnen  Stellen  die  zu  8  Kilometer  in  die  Tiefe  ging.  Strategisch  war  nichte
erreicht,  taktisch  so  gut  wle  nichte:  dle  Artillerle  dee  Feindes  stak  noch  im  Talkessel,
  die  Infanterie  patte  die  deherrschenden  Höhensdume,  das  vorderste  Ziel
lbres  sturen  Anlaufene,  nicht  erkämpft.  Der  elgentliche  Siegespreie,  die  flondrische
  U-Boot-Basis,  lag  in  weiter  Ferne.

Die  Flandernschlacht  war  der  größte  —sie  war  der  letzte  deutsche  Adwehrsleg.

Ale  es  nach  dem  10.  November  erkenndar  wurde,  daß  der  englische  Angriffswille
  gedrochen  sel,  atmete  die  O.  9.  L.  auf.  Nun  schien  an  der  Westfront
endlich  die  ersehnte  und  hoch  denötigte  Winterruhe  einzt  uzleben.  Sle  hatte
sich  verrechnet.  Der  Engländer  plante  noch  eine  dittere  Uberraschung.

6.

Während  die  Entwicklung  lm  Osten  und  dle  beutschen  Versuche,  sie  durch
Angriff  zu  deschleunigen,  von  der  O.  H.  L.eine  rastlose  A
während  zugleich  dle  Schutzmauer  der  deutschen  Wosserdastion  und  noch  eine
andere  Stelle  dee  westlichen  Verteidigungswalles  unter  wütenden  Anstürmen
krachte  und  stellenweise  einstürzte,  fanden  Hindendurg  und  Ludendorff  noch
die  Kraft,  den  militärlsch  und  charckterlich  unsicher  gewordenen  Verdündeten
noch  elnmal  vorwärte  und  damit  in  dle  Höhe  zu  reißen.

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