Full text : deutsches Wörterbuch. Zweiter Band H-O. (2)

675  Lodenhose  —  Löffelbohrer.

wand.  —  Zusammensetzungen:  Lodenhose,  -oppe,  f.
Hose,  Joppe  aus  Loden.  —  Lodenkleid,  n.  Kleid  aus
Loden:  er  ist  so  ärmlich  angethan  mit  einem  lodenkleid
  Lenau  127.  —  Lodenzeug,  n.  Zeug  aus  Loden.

Lodern,  flackernd  empor  schlagen;  seit  15.  Ih.  nachweisbares,
  aber  erst  in  neuerer  Spr.  häufiger  verwendetes
  Wort,  Iterativbildung,  mit  locken  Flocke  zusammenbängend
  und  an  die  flockige  Gestalt  der  emporzüngelnden
Flamme  anknüpfend;  gesagt  von  Fener,  Lohe,  Glut:
fammare  ludern  Die  f.;  wie  eine  flamme  loddert  im  stro
Joel  2,  5;  die  fammen  lodern  in  den  wind  Schwieger
geharn.  Venus  49;  wie  wenn  gluth  durchs  ganze  geüuld
hin  loderte  Voß  Il.  2,  781;  von  der  Sonne:  im  raum,
wo  deine  sonne  lodert  Bürger  zur  Jubelfeier  der
Georgia  Augusta;  von  Brennendem:  ein  lodernd  licht
Lohenstein  Blumen  46;  lodernder  scheiterhaufen;
und  von  dem,  was  den  Eindruck  des  Brennens  macht:
seine  kusse!  wie  sie  hochauf  lodern!  Schiller  Kindsmörderin;
  lodernde  kaskade  (eines  Bachs  im  Mondlicht)
  Matthisson  86;  so  wie  der  uppge  mohn  dem
korn  sich  lodernd  mischt  Geibel  1,  172;  auf  das
Empfindungsleben  übertragen:  ich  fuhle,  dasz  in  mir
ein  göttlich  etwas  lodert  Uz  1,  229;  wo  ohne  hoffnung
greis  und  jungling  lodern  Schiller  5,  11;  der  feurige
geist,  der  in  dem  buben  lodert  Räub.  1,  1;  warum  Ibr
zorn  so  heftig  lodert  Goethe  Mitschuld.  3,  8;  ihrer
blicke  sanfter  schein  war  in  mir  zu  wildem  lodern
Geworden)  Uhland  254.  —  In  Zusammensetzungen:
Loderasche,  k.  Flugasche.  —  Loderfeuer,  n.  loderndes
Feuer,  Flugfeuer.

Löffel,  m.  1)  Name  eines  Eßgerätes;  ahd.  leflil,  lepf#äil,
lephil,  mhd.  leffel,  mnd.  mnl.  lepel;  zu  dem  unter  lafte
angeführten  Verbum  latten  gehörig,  ein  Gerät  zum
Schlürfen  bezeichnend;  die  mhd.  Form  leftkel  setzt  sich
im  älteren  Nhd.  fort,  doch  beginnt  schon  im  späteren
Mdhd.  die  Schreibung  lötfel,  die  sich  nach  und  nach  als
alleinige  festsetzt:  eoenlear  leffel,  lefel,  loffel,  Llötfel

ief.;  leffel  und  pfannen  von  lauterm  golde  1.  Kön.
7,  50;  goldene,  silberne,  zinnerne,  hölzerne  löffel;  als
Eßgerät  durch  die  Zusammensetzung  eszlöffel  hervorgehoben,
  unterschieden  von  demselben  Gerät  in  anderer
Verwendung,  als  kaffee-,  thee-,  schöpf-,  schaum-,  rühr-,

Löffelente  —  Loheiche.  676

mit  einer  Höhlung  wie  ein  Löffel.  —  Löffelente,  f.  eine
Entenart,  Schaufel=  oder  Schalente.  —  Löffelform,  f.
Form  eines  Löffels;  bei  Silberschmieden  und  Zinngieern
  Form,  in  welcher  Löffel  gegossen  werden.  —
öffelförmig,  die  Form  eines  Löffels  habend.  —  Löffelgans,
  f.  eine  Reiherart,  gemeiner  Löffelreiher.  —  Löffelkraut,
  u.  Name  der  Pflanzengattung  cochle#p#e##  —
Küsfelreiher,  m.  Löffelgans.  —  Löffelstiel,  m.  Stiel  des
öffels.

Löffelei,  f.  das  Löffeln,  thöricht-verliebtes  Gebahren:
weil  mir  meine  löffelei  nicht  sonderlich  von  den  eltern
gewehret  .  ward  Simpl.  1,  333;  zwei  hochwohlgeborne
diebe,  die  1öffelei  und  ehrsucht  Bürger  Königin  von
Golkonde  208.  —  löffeln,  1)  mit  Löffeln  schöpfen:  leffelen
Stieler;  suppe  löffeln,  löffelnd  ausessen.  2)  (nach
löffel  2)  sich  wie  ein  Narr  oder  Thor  gebärden,  schweizerisch
Stalder;  einen  löffeln,  zum  Narren  haben  H  Sachs
1,  518½6;  übertragen  auf  verliebtes  Gebaren,  liebeln,
buhlen:  ein  student  unter  einer  thür  lötfteln  thet
Sandrub  117;  dasz  ich  mit  einer  solchen  alten
abgestandenen  mumie  gelöffelt  hatte  Wieland  Sylv.
4,  2;  sie  löffeln  wohl  und  wandern  von  einer  zu  der
andern  Bürger  d.  Ritter  u.  sein  Liebchen;  auch  um  eine:
in  solchem  kleid  leffelte  ich  um  meine  Euridice  Simpl.
1,  365;  in  heutiger  Studentenspr.  refl.,  sich  löffeln,
sich  angenehm,  beliebt  machen  durch  Aufmerksamkeiten,
Zutrinken  oder  Geschenke  dankend  vergelten.

Loh,  brennend,  flammend;  ein  erst  im  18.  Ih.  aus
dem  Subst.  lohe  1  unter  Einfluß  der  Zusammenrückung
lichterloh  (vgl.  unter  dem  Adj.  licht)  entwickeltes  Adv.
und  Adj.:  dir  siedet  zu  beisz  in  der  ader  das  blut,
strömt  die  galle  zu  loh  Klopstock  2,  124;  der  lohe
lichtfunke  Prometheus'  Schiller  Räub.  1,  2;  gehn
einige  und  zunden  reisholz  an,  dasz  es  loh  brenne
Tell  2,  2;  eine  lohe  brunst  Heyse  Par.  1,  173;  wenn
in  Belgien  die  fammen  loh  emporschlagen  Grenzboten
1886  Nr.  19,  S.  243.  —  Lohe,  f.  1)  flammende  Glut;
ahd.  nicht  bezeugt,  wo  nur  das  Masc.  lonc,  Gen.  louges
gilt;  mhd.  neben  louc  als  Masc.,  in  mitteldeutschen
Quellen  als  Fem.  lohe:  tamma  dye  loe  Dief.;  seit
16.  Ih.  als  Fem.  in  die  Schriftspr.  ausgenommen;  im
Ablaute  zu  licht,  in  Verwandtschaft  zu  den  dort  gekoch-,

  suppenlöffel  u.  a.;  er  war  gern  da  man  mit  nannten  Wörtern;  die  einheitliche,  zusammen  brennende
groszen  löffeln  aufgieszet  Garg.  80;  als  Maß:  ein  löffel  und  wogende  Feuermasse  bezeichnend  (im  Gegensatz  zu
voll;  nehmen  sie  uns  das  unsre  in  scheffeln,  müssen  den  sich  teilenden  flammen,  und  der  ruhigen  glut):  da
wirs  wieder  bekommen  in  löffeln  Schiller  Wallenst.  die  lohe  auffuhr  vom  altar  gen  bimel  Richt.  13,  20;
Lager  1;  in  Sprichwörtern  und  Redensarten:  sie  heben  zum  himmel  schlägt  die  furehterliche  lobe  Schiller

einen  leffel  auf,  und  zutretten  eine  schussel  Luther
6,  116  b;  ihr  habt  Salomons  weisheit  mit  1löffeln  getressen
  Schuppius  145;  ich  war  der  mann,  der  diese
suppe  einbrockte  —  mir  gibt  man  keinen  löffel  Schiller
Fiesko  5,  7;  schickt  sichs  grad  als  äsze  das  schwein
mit  löffeln  die  suppe  Goethe  Rein.  F.  10;  man  soll
den  löffel  nicht  aus  der  hand  geben,  bis  man  selbst
gegessen  hat  Simrock  350;  einen  über  den  lötfel
barbieren,  vgl.  unter  barbieren;  um  vater  Langen  übern
löffel  zu  balbiren,  muszt  du  früher  aufstehn  Heyse
10,  326;  —  übertragen  auf  löffelartig  geformte  Geräte:
ihre  leffel  oder  ruder,  damit  sie  rudern  Hulsius  7,9;
Handwerkszeug  bei  Bleiarbeitern,  Wachsziehern,  im
Bergbau;  bei  Chirurgen  zum  Ausheben  des  niedergefallenen
  Zäpfchens;  am  Magazingewehre  Vorrichtung
zum  Aufnehmen  der  Patrone  Instruct.  27;  schuhlöttel
zum  Anziehen  der  Schuhe,  ohrlösffel  zum  Reinigen  der
Ohren,  u.  a.;  löffel,  auch  die  Ohren  des  Hasen;  bei
Jägern  ferner  die  Zunge  des  Hirsches.  2)  lötkel,  in
älterer  Spr.  —  Narr,  Thor,  Weiterbildung  zu  latte
(s.  d.),  mit  der  dort  gegebenen  Bedeutungsentwickelung:
leffel,  ineptus,  insulsus  Voc.  von  1618  bei  Schmeller;
die  fieng  dem  jungen  löffel  an  zu  gefallen  Wickram
Nachb.  513.  —  Zusammensetzungen  zu  1:  Löffelblume,  f.
Name  der  weißen  Taubnessel.  —  Löffelbohrer,  m.  Bohrer

Zerst.  v.  Troja  127;  hoch  fuhr  die  rotbe  lohe  in  die
lust  Freytag  Handschr.  2,  283;  in  der  Formel  lichte
lohe:  sein  odem  ist  wie  liechte  lohe  Hiob  41,  12;  über
den  Gen.  lichter  lohe  und  seine  Zusammenrückung  vgl.
unter  dem  Adj.  licht;  ein  Plur.  selten:  einst  bricht  in
heilgen  lohen  doch  deine  freiheit  auf  Körner  1,  131;
wenn  er  (der  Sonnenjüngling)  mit  heilgen  lohen  zuletzt
  mich  selbst  verzehrt  Geibel  2,  10;  —  in  Bildern
vom  menschlichen  Empfinden:  deines  grimmes  loh
PFleming  18;  die  lohe  meiner  triebe  Bürger
Heloise  an  Abelard  65.  lohe  auch  der  Name  einer
Pflanzenkrankheit  (wie  brand),  namentlich  an  den
Blättern  der  Gerste  und  des  Weizens.  2)  anderes,  mit
dem  vorigen  nicht  verwandtes  lohe,  Baumrinde  zum
Ledergerben,  ahd.  mhd.  10,  später  auch  lowe,
lohe,  loe  Dief.,  mit  einer  neutralen  Nebenform  loh,
lau,  bei  Keisersberg  Häslein  Ce  8b  low;  dunkler  Herkunft:
  muhlen  zum  kleinmahlen  der  lohe  Goethe
43,  308;  ungarische  lohe  Bismarck  Reden  9,  43;  sieht
sich  .  der  gerber  vergebens  nach  inländischer  lohe
um  ebd.  —  Zusammensetzungen  zu  2:  Lohballen,  m.
Ballen  zusammengepreßter  Lohe,  zur  Feuerung  gebraucht.
—  Lohbeize,  f.  das  Beizen  mit  Lohe,  und  das  Mittel,
sowie  der  Ort  dazu.  —  Loheiche,  k.  die  Wintereiche,
aus  der  vorzugsweise  die  Lohe  gewonnen  wird.  —