Großbritannien. (Juli 23.) 319
örterung eines solchen Gegenstandes sei eine ernste Anglegenhent weil es
schwierig sei, eine solche Erörterung so zu leiten, daß sie außerhalb nicht
u ernsten Mißverständnissen Anlaß gebe. Er könne nur hoffen, daß ein
solches Mißverständnis sich nicht ergeben werde. Campbell-Bannerman
habe die Bezugnahme auf Frankreich in Balfours Erklärung im Jahre
1905 bedauert; die Umstände seien heute andere, er möchte aber den Appell
Campbell-Bannermans wiederholen, weil er das Gefühl habe, daß, wenn
ein solcher Appell nicht erfolge, in der öffentlichen Meinung Englands und
des Auslandes aus der Rede Lord Roberts'’ sich — nicht unnatürlicherweise
— Konsequenzen ergeben könnten, die von allen bedauert werden
möchten. Was den Landesverteidigungs--Ausschuß betreffe, so unterlägen
dessen Anschauungen und Beschlüsse einer ständigen Revision. Er weise
auf die verschiedenen, seit 1905 gemachten neuen Errungenschaften hin,
wie drahtlose Telegraphie, erhöhte Schnelligkeit der Kriegsschiffe, Fortschritte
im Bau von Unterseebooten. Das seien die wichtigsten Erwägungen,
die man sich stets gegenwärtig halten müsse. Earl of Crewe erklärte
weiter: Bezüglich der Frage einer Invasion gebe es zwei sich gegenüberstehende
Parteien. Die eine vertrete die Ansicht, daß eine Bootsbesatzung
an Englands Küste nicht landen könne. Diese Meinung würde jedoch von
keiner verantwortlichen Persönlichkeit geteilt. Die andere, entgegengesetzte
Ansicht sei die, welche Lord Roberts in seiner Rede vertreten habe, nämlich,
daß England für praktische Zwecke nicht als Insel angesehen werden
dürfe, sondern sich in der Lage einer kontinentalen Macht befinde, und
daß ein sehr beträchtliches Heer die Grenze Englands überschreiten könne,
daß infolgedessen Englands Verteidigungsmittel nach kontinentalen Grundsätzen
bestimmt werden müßten. Dieser Ansicht sei die Regierung nicht.
Redner verbreitet sich sodann über die Wirkung, welche die Annahme der
von Lord Roberts über eine Invasion aufgestellten Theorien zur Folge
haben würde, und erklärt, was die Flotte anbetreffe, so seien alle Parteien
der Ansicht, daß England eine überwiegende Flotte haben müsse. Er
glaube, wenn es sich heute herausstellen sollte, daß es an Geld fehle, so
würde es für die Bereitwilligkeit des Landes, Geld für die Verteidigung
zur See zu spenden, keine Grenze geben, aber ein großer Teil dieser
Bereitwilligkeit hänge davon ab, daß im Volke der Glaube vorhanden sei,
daß, obgleich die Flotte das Land nicht mit absoluter Sicherheit gegen
eine Invasion schütze, sie das Land doch in Wirklichkeit vor einer Invasion
bewahre. Die Flotte wird nicht auf der gegenwärtigen Stärke gehalten
lediglich in der Absicht, daß sie imstande ist, irgendwo inmitten des
Ozeans siegreich zu kämpfen, sondern sie wird aufrechterhalten und wird,
wenn nötig, verstärkt werden aus der Ueberzeugung heraus, daß hauptsächlich
sie die Verteidigung unserer Küsten sichert. Wenn man sich die
Theorien Lord Roberts'’ zu eigen machte, so würde das diese Ueberzeugung
zerstören. Deshalb mißbillige ich ihre Diskussion, und ich würde noch unendlich
mehr die Annahme seiner Resolution mißbilligen. Zu gleicher Zeit
bringe ich meine Zustimmung dazu zum Ausdruck, daß es notwendig ist,
daß wir ein Heimatsheer haben, das stark und organisiert genug ist, um
einen Ueberfall abzuweisen, eine Panik zu verhindern und den Feind zu
zwingen, in solcher Macht zu kommen, daß sich für ihn bedeutende
Schwierigkeiten ergäben. Zum Schlusse seiner Ausführungen teilte Earl
of Crewe mit, daß der Generalstab Pläne ausarbeite, die es England
ermöglichen sollen, zu jeder beliebigen Zeit an jeden beliebigen Ort die
größtmögliche Truppenmacht zu werfen, wenn dies erforderlich sei. Die
Unterhaltung eines Heeres von einer Million Mann, wie es Lord Roberts
verlange, bedeute eine jährliche Erhöhung der Heereserfordernisse um