292 Herd-Amerika. (Juni 23. — Juli 10.)
amerikanischen Missionare in Armenien, und bringt die Sympathie für die
um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Cubaner zum Ausdruck, indem es fich
für die Anerkennung derselben als kriegführende Macht ausspricht. Ueber
die Währungsfrage heißt es: „Wir sind unabänderlich gegen jede Maß—
nahme, welche darauf ausgeht, unsere Währung zu verschlechtern oder den
Kredit unseres Landes zu verringern. Wir sind deshalb gegen die freie
und unbegrenzte Silberprägung, es sei denn, daß ein internationales Ab-
kommen zwischen den bedeutendsten handeltreibenden Nationen der Welt ge-
troffen ist. Ein solches fördern wir. Bis ein solches Abkommen zu er-
langen ist, muß die jetzige Goldwährung aufrecht erhalten werden, und all.
unser Silber= und Papiergeld muß zu pari gegen Gold einlösbar sein.“ —
Zum Kandidaten wird Mac Kinley gewählt.
23. Juni. (Kanada.) Bei den allgemeinen Wahlen erhält
die konservative (Regierungs-) Partei 83 und die liberale (Oppo-
sitions-) Partei 119 Mandate.
4. Juli. (Washington.) Olney über die armenische An-
gelegenheit.
Der Staatssekretär des Auswärtigen versichert den Vertreter des
anglo-amerikanischen Vereins, Professor Agar-Beet, der tiefen Sympathie
des gesamten amerikanischen Volkes mit den unglücklichen Opfern gesetzloser
Gewaltthaten in der Türkei, sowie des Bedauerns, daß das Konzert der
europäischen Mächte ermangelte, für ausreichende Maßregeln zur Sicherheit
der christlichen Unterthanen des Sultans zu sorgen. Während die Nicht-
einmischung in die Politik Europas unumstößliche Politik der Unionstaaten
sei, würden die Bemühungen seitens der Großmächte, den Christen der
Türkei den Schutz des Lebens und des Eigentums zu sichern, die herzliche
Unterstützung der Regierung wie des Volkes der Union erhalten.
7/10. Juli. (Chicago.) Tagung der demokratischen Natio-
nalkonvention. Kandidatenwahl, Programm.
Zum Präsidentschaftskandidaten wird im 5. Wahlgange Bryan-
Nebraska gewählt. — Das Wahlprogramm verlangt, daß Zollgebühren
nur für die Zwecke der öffentlichen Einnahmen erhoben werden sollen, und
verurteilt die Drohungen mit der Wiederherstellung des Mc. Kinley-Gesetzes.
Die Absätze, betreffend die Monroelehre und die Cubafrage, sind noch nicht
festgestellt. Ueber die Währungsfrage wird gesagt: In Würdigung der
Thatsache, daß die Goldfrage gegenwärtig alle anderen Fragen an Be-
deutung übertrifft, lenken wir die Aufmerksamkeit darauf hin, daß die Ver-
fassung Gold und Silber zusammen als das Geldmetall der Vereinigten
Staaten nennt und das erste vom Kongreß unter der Verfassung erlassene
Münzgesetz den Silberdollar zur Werteinheit machte und Goldfreiprägung
zu einer nach der Silberdollareinheit zu bemessenden Rate gestattete.
Wir erklären, daß die Akte von 1873, welche Silber ohne Wissen
und Billigung des amerikanischen Volkes demonetisierte, zur Wertsteigerung
von Gold und einer entsprechenden Preisverringerung von Artikeln, die
vom Bolk produziert werden, geführt hat; desgleichen zu einer schweren
Vermehrung der Steuerlast und aller öffentlichen und Privatschulden, zur
Bereicherung der geldverleihenden Klassen daheim und auswärts, zur Lahm-
legung der Industrie und zur Verarmung des Volkes. Wir sind unab-
änderlich gegen alleinige Goldwährung, welche die Prosperität eines fleißigen
Bolkes untergraben und harte Zeiten gebracht hat. Gold-Monometallismus