Bismarck gibt Reise nach Ems auf. 359
übernehmen m wollen. Der Entschluß des Erbprinzen ist gewiß richtig, und habe ich ihn
erwartet, aber er muß ihn notwendig selbst ebenso wie seine Annahmeerklärung und zwar
nach Madrid melden. Jede Erklärung von seiten Seiner Majestät würde den Eindruck
einer unter französischer Drohung gemachten Konzession des Königs an sich machen, in
Paris als solche ausgebeutet werden und auf die hier mit Recht gegen GFrankreich emp-
findlich gereizte öffentliche Meinung einen sehr üblen Eindruck machen.
Es ist viel, daß der König nach Gramonts Drohungen Benedetti empfangen hat, aber
eine Erklärung Seiner Majestät über des Erbprinzen Rücktritt darf der französische
Botschafter nach meiner ehrfurchtsvollen Uberzeugung nach Gramonts Drohungen nicht
nach Paris bringen. Ich glaube, eine vollkommen schickliche Sorm der Rücktritts-Erklärung
des Erbprinzen vorschlagen zu können:.
R. H. Lord, The Origins of the War of 1870, p. 203f.
1399. Telegramm an den Rat im Köntglichen Gefolge
Abeken, z. Zi. in Ems.
sKonzept von der Hand des Legationsrats von Bülow.]
Berlin, den 12. Juli 1870.
liur Station: 7½ nachm.]
Im Anschluß an Telegramm Ar. 2 teile ich mit, daß ich, von der heutigen Reise zu
angegriffen, heute nicht reisen kann. Grla)f= Eulenburg wird für mich reisen ulnd) ist voll-
ständig informirt".
R. H. Lord, The Origins of the War of 1870, p. 204.
1600. Telegramm an das Wolffsche Telegraphenbüro.
[Cigenbändiges Konzept.]
m Abend des 12. Juli war in Derlio gine Meldung des wieder in Paris eingetroffenen
Beychn v. Wertber eingelaoufen (ogl. Ar. 1597, Anm. a), wonach im Lauf einer Unter-
redung, die er mit dem Hersog von Gramont ehabt hatte, diesem durch den Ipanischen Gesandten
Olozaga ein offizielles Lelegramm des Fürsten von Hohenollern überbracht war, das die Ver-
lichtleistung des Erbprinzen enthielt. Unmittelbar nach der Wertherschen Meldung langte in
Berlin auch ein Telegramm Abrkens an, welches in gleichem Sinne besagte: „Sürst Hobenfjollern
telegrophiert. an Se. Maojestät & Uhr 30 Minuten: „Ablagungstelegramm an Prim abgegangen,
ebenso Abschrift deslelben an Plegega in Paris.“ Nach Bismarcks Darstellung in den
„Gedanken und Erinnerungen“ (II, 84 f.) wäre es gerade das Wertbersche Telegramm gewesen,
das ihn in Bestürzung verlsetzt und den Entschluß in ihm hervorgerufen bätte, lieber den Abschied
z nehmen als die Haltung zu vertreten, welche eine Demütigung Preußens vor Deutsch and
und vor Europa bedeutete. Das ist infofern zwe wahrscheinlich, als Bismarck schon aus
Abekens Telegramm vom Mittage des 12. Juli, das er bei seiner Ankunft in Berlin vorgefunden
batte. Ken Cntschluß des Erbprinten um NRücktritt kannte und dessen sofortige Mitteilung nach
Madrid selbst für notwendig erklärt batte (ogl. Nr. 1598). Verdrosfsen wird es freilich den Kanzler
haben, daß Fürst Karl A#ten den Verkicht leines Sobnes nicht allein nach Madrid, sondern
Veichreitig- nach Paris mitteilte; denn auch das konnte bier im Sinne einer unter fran ölischem
gemachten Konzession mißdeutet werden. Vielleicht aber lieh sich einem Fe#n#eliscden
Versuch, den Thronverzicht des Erdprinzen als einen Triumph der franfösischen Diplomatie
1 Der letzte Satz eigenbändiger Zufatz Bismar
1599. Siebe Nr. 15096
1 Der letzte Satz eigenhändiger Zusatz Bismarcks.
„Auch dem Kronprinzen teilte Bismarck am Abend des 12. Juli mit, daß er nicht nach Ems weiter-
mfabren vermöge.