17. Die Iulirevolufion und ihre Wirkung in
Deuffchland. Friedrich Wilhelm IV.
Die ruhige Entwidlung, welche die Zuftände in Deutfchland
zu nehmen begonnen hatten, wurde im sahre 1830 gejtört
und zugleich gefördert durch die Kette von Ereignifjen, die in der
Geichichte des neunzehnten Jahrhunderts als einer der bedeutjamen
Marfiteine, al3 eine der Stationen im Fortichritt des europätichen
politischen Lebens daftehen — die Sulirevolution. E3 ft hier
nötig, die Summe der Ereignifje der Itürmifchen Tage vom 26. Juli
bis zum 3. August zu ziehen, welchen die Franzojen den Namen
der großen Woche gaben.
Sn Frankreich Hatte die jiegreihe Partei und ihr fähiger
Miniiter Billele die Gunst der Lage ausgenübt: ım Sahre 1827
war die Bairsfammer durch Ernennung von jechgundfiebzig neuen
Parrd umgejtaltet, darnad) auch die Deputiertenfammer aufgelöft
worden und die Partei hoffte nun von den Neuwahlen eine nod)
unbedingtere Mehrheit in ihrem Sinne. Allein diefe Hoffnung trog:
e3 zeigte fich, hHöchit unerwartet, daß die liberale Bartei, der tiers-etat,
da3 Geld, die SSntelligenz, die Prefje, das Bürgertum oder die Bourgeotfie,
übermächtig geworden war: und der König berief num in der
Tat ein gemäßigtes Minifterium unter dem Bicomte Martignac, der
den Örundfehler des franzöfiichen StaatSwejenz in der übermäßigen
HBentralilation richtig erkannte und einfichtige Öejete vorjchlug, welche
dem Ehrgeiz der Bürger, indem fie ihn von der hohen Politik abund
nad) der fruchtbareren Tätigkeit in der Departement3- und Gemeindeverwaltung
hinzulenfen verfuchten, würdige und lohnendere
Biele teten. Allein die Xiberalen verlangten mehr und bejchloffen
demgemäß; der Verjuch einer VBerfühnung der Gegenjäge jcheiterte;
der König entließ das Minifterium Martignac und im Auguft 1829