Full text : Lehrbuch der bayerischen Geschichte.

122  Niederbayern  unter  Heinrich  XIV.

Heinrichs  XIV  eine  Verzichtleistung  auf  die  deutsche  Krone
ausstellte  (19.  November  1333),  welche  mit  der  Lösung  des  über
Ludwig  verhängten  Bannes  in  Kraft  treten  sollte.  In  Folge
dieses  Verzichtes  betrachtete  Heinrich  XIV  seine  Erhebung  auf
den  deutschen  Thron  für  so  gewiß,  daß  er  bereits  dem  Könige
Philipp  VI  von  Valois,  dem  er  sich  in  dieser  Sache  zu  Dank
verpflichtet  wähnte,  vom  arelatensischen  Königreiche  W#)
alles  Land  zwischen  Saone  und  Rhone  einerseits  und  von  den
Alpen  bis  an's  Mittelmeer  anderseits  gegen  Wiedereinlösung  von
300,000  Mark  Silber  abzutreten  sich  anheischig  machte.  Die
Sache  kam  zu  den  Ohren  Ludwigs,  der  augenblicklich  seine  Gesinnung
  änderte  und  die  Verzichtleistung  auf  den  deutschen  Thron
zurücknahm.

Am  14.  Dezember  1334  starb  Heinrichs  XIV.  Bruder,
Otto  1V,  nachdem  er  kurz  vor  seinem  Ende  mit  Verletzung  der
bestehenden  Hausordnung  den  König  Ludwig  zum  Erben  seines
Gebietes  eingesetzt  hatte.  Heinrich  XIV  war  hierüber  höchst
betroffen  und  wurde  dieß  noch  mehr,  als  König  Ludwig  IV.
Kärnthen  und  Tyrol,  die  Güter  des  (4.  April  1335)  verstorbenen
  Herzogs  Heinrich  von  Kärnthen?),  nicht  an  das
mit  dem  Erblasser  verwandte  Haus  Böhmen-Luremburg
verlieh,  welches  ein  darauf  bezügliches  Versprechen  erlangt  zu
haben  vorgab  ½),  sondern  den  nördlichen  Theil  Tyrols  vorläufig
  für  sich  behielt  und  mit  Kärnthen  und  dem  südlichen
Theil  Tyrols  die  österreichischen  Herzöage  Albrecht  den  Weisen
und  Otto  den  Kühnen,  Säöhne  des  gemordeten  Königs  Albrecht,
belehnte  (2.  u.  3.  Mai  1335).  Ob  dieser  Verfügung  Ludwigs
des  Bayern  kam  es  im  Jahre  1336  in  Niederbayern  zu  einer
großen  Truppenaufstellung  von  Seite  Ludwigs  und  Johanns
von  Böhmen,  welch’  letztern  sein  Schwiegersohn  Heinrich  XIV
unterstützte.  Ein  entscheidendes  Treffen  fiel  nicht  vor,  aber  das
niederbayerische  Gebict  zwischen  der  Isar  und  dem  Inn  wurde
schrecklich  verheert,  bis  im  Spätherbste  beide  Armeen  auseinander
gingen.  Vermöge  des  Friedensvertrages,  der  kurz  vorher  (9.  Ok-*)

  S.  die  genealogische  Tafel  der  Grafen  ven  Görz  (Tyrol-Kärnthen)
in  den  Beilagen  unter  Ziffer  57.