der unerschuͤtterliche Muth, unterstuͤtzt von tiefer Einsicht in die Kunst, dem Feinde
den Vortheil abzugewinnen, hatte trotz der großen Ueberlegenheit und der sicheren
Stellung desselben den kühnen Angreifern den Sieg verliehen. Ein großer
Theil dieses ruhmvollen Tages gebührte dem Kurfürsten, dies erkannten seine
kriegerischen Verbuͤndeten willig an; die brandenburgischen Truppen hatten es
auf allen Punkten ihren hochberühmten Kriegsgefährten gleich gethan. Voll
Achtung schaute König Karl Gustav auf den Kurfürsten, der sich ihm auf dem
Felde der Ehre als ebenbürtig erwiesen hatte.
Nach der kurzen Rast von einigen Tagen trennte sich der Kurfürst von
Karl Gustav, und zog mit seinem Heere nach Preußen. Es lag ihm, wie wir
von vorn herein gesehen haben, keinesweges daran, Polen zu vernichten, selbst
in dem Falle, daß ihm ein noch bedeutender Theil dieses Landes zugefallen
wäre, als die bisherigen Verträge bestimmten; sein durchaus gemäßigter und
deshalb ausführbarer Wunsch war Selbstständigkeit und eine starke vermittelnde
Stellung zwischen den beiden nordischen Mächten. Ueberdies war der siegreiche
Erfolg für Schweden nicht so ganz und gar gesichert, denn der Kaiser, obschon
durch die Warschauer Schlacht einigermaßen erschreckt, verstärkte seine Truppen
an der schlesisch -polnischen Grenze, und eine holländische Flotte unter dem Admiral
Obdam erschien in den Ostseegewässern.
Die Generalstaaten waren nämlich über den Königsberger Vertrag sehr
ungehalten, da er durch neue Zölle ihrem Handel Schaden zu bringen drohte.
Auch Dänemark, schon seit den Tagen Gustav Adolphs auf Schwedens wachsende
Macht eifersüchtig, rüstete; ja sogar der moskovitische Zar, welcher aus
ähnlichen Beweggründen, und um sich wegen früherer Verluste zu entschädigen,
in Livland eingefallen war, verlangte zum großen Erstaunen des Kurfürsten,
daß er Preußen als einen Theil Litthauens von ihm zum Lehen nehmen sollte.
Jedenfalls war Friedrich Wilhelms Lage sehr bedenklich, und nur die allergrößte
Vorsicht bei jedem Schritte konnte ihn glücklich aus diesen vielfach verwickelten
politischen Wirren ziehen. Deshalb näherte er sich der Krone Dänemark, und
fand auch hier wegen der Eifersucht auf Schweden geneigtes Ohr; zugleich
gewann er die General-Staaten dadurch wieder, daß er sich von dem Königsberger
Vertrage vollkommen lossagen wolle. Es gelang ihm sogar, in letzteren
eine Schutzmacht gegen die Russen zu erhalten, indem er ihnen die Pläne des
Zaren Alexei in Bezug auf Livland als sehr gefährlich schilderte, weil dieser
Fürst im Falle eines glücklichen Erfolges ihrem Handel in der Ostsee mehr als
jeder andere Eintrag thun, und überhaupt den Nachbarstaaten gefährlich werden
könnte.
Unterdessen jedoch suchte er seine für den Augenblick noch enge Verbindung
mit Schweden nach Kräften auszubeuten. Unverzüglich daher trug er
auf Aenderung des Königsberger Vertrages an. Auf die Anfrage Orenstierna's,
was daran geändert werden sollte, erwiederte er: der ganze Vertrag; denn vor
Allem verlange er Aufhebung des preußischen Lehnsverhältmisses; die Gefahr,