Volltext : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

Die  Märzerrungenfchaften.  Sturz  und  Flucht  Meiternidhs.  411

Lande  rief  rafch  eine  Vollsbewaffnung,  eine  Bürgerwehr  ins  Leben,
zu  der  fich  in  der  allgemeinen  Aufregung  und  Begeiiterung  Knaben
und  Greife  drängten.  Im.  unzähligen  Berfammlungen  und,  was
in  Deutichland  nicht  fehlen  darf,  in  den  zahliofen  Kneipen  verbrüderten
  fic)  die  Bürger,  vornehm  und  gering,  und  teilten  jich  ihre
Seen  von  der  Einheit  und  Freiheit  Deutichlands  mit,  die  man
bereit3  in  Händen  zu  haben  glaubte:  und  dies,  daß  alle  Welt  fich
„militärisch“  organifierte,  mit  der  Waffe  fpielte,  diente  mwejentlich
mit  dazu,  die  Aufregung  weiter  zu  leiten,  die  im  allgemeinen,
wenigftens  in  der  eriten  Beit,  zu  feinem  Blutvergießen  führte.

Auch  der  Bundestag,  auf  den  der  Haß  und  die  Verachtung
vor  allem  fich  geworfen  hatte,  weil  er  der  Hauptichuldige  bei  allen
Simden  der  voraufgegangenen  Zeit  fchien,  wechfelte  die  arbe;
er  nahm  Schon  am  9.  März  das  Schwarzerot-zgold  an,  die  Farben
der  Burschenichaft,  die  man  ohne  viel  Prüfung  als  die  deutjchen
Neichsfarben  betrachtete,  und  forderte  am  10.  die  Regierungen  auf,
fiebzehn  Männer  des  öffentlichen  Vertrauens  zu  nennen,  die  fich
nach  Frankfurt  begeben  follten,  um  unverzüglich  die  Nevifton  der
Bundesverfafjung  vorzubereiten.  Doc,  hatte  jchon  zuvor,  5.  März,
eine  Berfammlung  von  einundfünfzig  Mitgliedern  deuticher  Einzellandtage
  in  Heidelberg  ein  jogenanntes  „VBorparlament”,  bejtehend
aus  den  Abgeordneten  jämtlicher  deuticher  Yandtage,  nad)  Franffurt
  am  Main  auf  den  31.  März  berufen,  um  den  Yujfammentritt
einer  deutichen  Nationalverfammlung  vorzubereiten.

Bon  höchiter  Wichtigkeit  war  unter  diefen  Umständen,  was  in
den  beiden  deutichen  Großjtaaten  fich  begab:  auch  hier  trat  der  Um-Ihwung
  fchon  in  den  ftürmischen  Märztagen  ein.  In  Wien  wurde
in  derjelben  tumultnarischen  Weile  wie  überall  die  Verheißung  einer
Konftitution  und  die  Entlafjung  des  Fürlten  Metternich  durchgejegt,
  am  13.  Februar;  fchon  folgenden  Tags  machte  fich  diefer,
da  e3  in  der  Tat  mit  der  Bolitif  der  Erhaltung  des  Beftehenden  zu
Ende  war,  au  dem  Staube.  Am  15.  erichien  da3  Manifejt  über
die  Konftitution,  die  Zurüdziehung  des  Militärs  und  die  Verteilung
  von  Gemwehren  an  die  improvilierte  Bürgergarde.  An  dem-