Inhaltsverzeichnis : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

Korfu  findet  sich  eine  verschwiegene  stille  Ecke,  wo  sie  eine  Büste
Rudolfs  aufstellen  ließ,  die  von  elektrischen  Lampen  beleuchtet  werden
konnte.  Dort  hat  die  unglückliche  Fürstin  oft  nächtelang  weinend
gesessen.  Ihr  Schicksal  war  zu  schwer,  als  daß  man  ihr  aus  der
Abgeschlossenheit,  in  die  sie  sich  begab,  einen  Borwurf  machen  dürfte.

Alle  diese  Gedanken  bewegten  mich,  als  ich  neben  dem  trauernden
Gemahl  an  der  Bahre  der  edlen  Frau  stand.  Sie  war  Kaiser  Franz
Josef  sehr  viel  mehr  gewesen,  als  die  dem  Schein  nach  urteilende  Welt
ahnt,  und  wäre  gewiß,  wenn  sie  am  Leben  geblieben  wäre,  ihm  eine
treue  Stüte  in  den  schweren  Stürmen  der  späteren  Zeit  geworden.
Aber  das  Schicksal  wollte  es  anders,  und  indem  es  Leid  auf  Leid
auf  den  edlen  alten  Mann  häufte,  ersparte  es  ihm  nichts  an  persönlichem
  Schmerz,  und  an  politischen  Enttäuschungen  nur  die,  daß  es
ihn  den  Untergang  seines  Reiches  nicht  mehr  erleben  ließ.

Und  nunmehr  kehre  ich  zu  den  Ereignissen  meiner  Jugendzeit
zurück,  über  die  ich,  hingerissen  von  den  übermächtig  gewordenen  Erinnerungen,
  einige  Male  bereits  hinausgegangen  bin.

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Im  Mai  1881  wurde  ich  mit  meiner  Frau  zur  Hochzeit  des
Kronprinzen  Rudolf  eingeladen.  Unser  Quartier  war  ein  reizendes
kleines  Rokokoschlößchen  im  Garten  von  Schönbrunn,  das  „Katserstöckl“
  genannt.  Beim  Empfang  überraschte  mich  Kaiser  Franz  Josef
mit  der  Ankündigung,  daß  er  mich  à  la  suite  des  Regiments  meines
Großvaters,  des  Königlich  Ungarischen  Infanterieregiments  Nr.  34
„König  von  Breußen“  („Preußeninfanterie")  gestellt  habe,  eine  Ehrung,
über  die  ich  mich  sehr  gefreut  habe.

Beide  Majestäten  hatten  sich  in  den  acht  Jahren,  seit  ich  sie  nicht
gesehen,  nur  wenig  verändert.  Wenn  er  auch  etwas  grauer  geworden
war,  hatte  der  Katser  sich  doch  seine  sugendliche  Figur  und  Elastizität
bewahrt,  und  die  Kaiserin  sah  immer  noch  wunderschön  und  majestätisch

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