2) Sybel über die Revolution und Stellung des nouen Reichs zu derselben,
grossem Massstab in voraus entworfen hat, tritt, nachdem die
erste revolutionäre Periode seiner Regierung zum Abschluss gekonmen
war, seinen Kreuzzug gegen die französische Revolution
an. Wir werden zunächst seinen Gegner ins Auge fassen und,
wie im vorhergehenden Abschnitt, an Sybel's Auffassung des fraglichen
Gegenstandes anknüpfen.
Die allgemeinen Bemerkungen, welche der Historiker in
einem, der „Übersicht“ gewidmeten Abschnitt vom zweiten Band
seines Werkes zur Deutung der Revolution aufstellt, gleichen zu
sehr jenen Aufgaben zu Schulaufsätzen, von denen uns auf der
Tribüne des y ischen Abgeordnetent eine Probe mitgetheilt
ward, als dns eie uns ernstlich beschäftigen könnten. Die Frage,
ob der „entsetzliche Sturz“, der auf die enthusiastische Hoffnungszeit
der Revolution folgte, in der ersten Begeisterung schon vorhereitet
war, — ob diese Hoffnung selbst schon das „Verderben“
in sich trug, ähnelt jenen alten Untersuchungen, ob die Revolution
ohne Revolution hätte ausgeführt werden können. Den Satz
dass am Ende der „Freiheitskampf von 1789 nur das Sigmal zur
Knechtschaft und Despotismus zu sein scheint," hätte der Historiker
gar nicht schreiben können, wenn er dahinter gekommen
wäre, dass die Stimmung jenes Jahres ausdrücklich auf Centralisation
der Gewalt, Besitz der Souveränetät, also auf Absolutismus
ausging. Das Zugeständniss ferner, dass die Revolution
in der Linie jenes Ziels liegt, welchem eine dreihundertjährige
Bewegung Europa’'s zustrebte, — der Beseitigung aller
eingebildeter Autoritäten, der Lösung aller willkührlichen
Banden, ziemt sich nicht für den Historiker, da die angeblich
erklärenden Beiwörter nur Waffen der ersten Vorkämpfer, z. B.
Calonne’s, und in deren Munde von historischer Bedentung
sind.
Dagegen halten wir uns an einen Satz, der uns den Übergang
zur rechten Auseinandersetzung bereiten wird. Es ist eine
jener schönen Stellen, welche Sybel gewöhnlich mit Glockengeläute
accompagnirt. Er schreibt: „die Welt wiederholte das
alte heilige Wort: du sollst keinen Götzen dienen, die von
Menschenhänden gemacht sind. Sie hatte aber bis dahin auf
jedem Lebensgebiete solchen Dienst getrieben, denn sie hatte
allen Einrichtungen der menschlichen Gesellschaft himmlischen
Ursprung und göttliche Weihe beigelegt“. Ohne den Leser mit
einer Analyse dieses schielenden Satzes und seiner Anhäufung