Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1883. (49)

Bayern  unter  Maximilian  III  Joseph.  301

in  Nymphenburg  angelegte  Porzellanfabrik.  —  Um  die  Gewerbe
in  Flor  zu  bringen,  wurde  die  Einfuhr  fremder  Waaren  verboten,
das  Zollwesen  organisirt  und  zur  Verhütung  heimlicher  Einfuhr
ausländischer  Waare  ein  Grenzjäger-Corps  errichtet,  dessen  Leute
von  ihrer  Kleidung  „die  Grünen“  hießen.  —  Den  in  Verfall
gerathenen  Bergbau  und  das  Münzwesen  belebte  ein  neues
durch  den  Grafen  Sigmund  von  Haimhausen  errichtetes
Bergwerks=  und  Münz-Collegium  und  den  tief  gesunkenen
Handel  unterstützte  Maximilian  besonders  dadurch,  daß  er
die  alten  Straßen  verbessern  und  viele  neue  anlegen  ließ,  und
zuerst  eine  Wechselordnung  und  ein  Wechselgericht  einführte.
  —  Die  Staatsverwaltung  und  Rechtspflege  besorgten
  ein  geheimer  Rath,  dem  Mar  III  fleißig  präsidirte,  ein
Hofrath,  ein  Revisorium,  ein  Kriegs=  und  ein  geistlicher  Rath.

Ein  großes  Verdienst  erwarb  sich  Max  III  um  die  Gesetzgebung.
  Zuerst  (1751)  erschien  ein  neues  peinliches  Gesetzbuch
  (coder  criminalis),  das  aber,  auf  dem  Grundsatz  der
Abschreckung  gebaut,  die  Hinrichtungen  allzu  sehr  mehrte,  ohne
die  Verbrechen  zu  mindern.  Diesem  folgte  (1753)  eine  meisterhaft
  geschriebene  Gerichtsordnung  (coder  judiciarius)  und
(1756)  das  bayerische  Landrecht  (coder  civilis).  Diese  drei
Gesetzbücher,  welche  auch  in  der  Oberpfalz  eingeführt  wurden,
sind  Schöpfungen  des  Wiguleus  Freiherrn  von  Kreittmayer.
Er  schrieb  dazu  später  seine  musterhaften  Anmerkungen,  die  durch
den  Gebrauch  gleichfalls  Rechtskraft  erlangt  haben.  Außerdem
traf  Max  III  manche  wirksame  Maßregel  für  öffentliche  Sicherheit,
  für  Erhaltung  des  Eigenthums,  für  Gesundheit  und  Bequemlichkeit.
  Unter  ihm  wurde  zu  München  (25.  Juni  1754)
ein  Leihhaus  errichtet,  damit  Nothleidende  nicht  schändlichem
Wucher  in  die  Hände  fielen.  Eine  Bettelordnung  sollte  den
Dürftigen  Unterstützung  sichern  und  dem  Müßiggange  steuern.
Die  nächtliche  Beleuchtung  der  Hauptstadt,  ein  Sanitäts-Collegium
  und  eine  chirurgische  Schule  danken  Mar  III
ihr  Entstehen.

Auch  den  frommen  und  wohlthätigen  Anstalten  wendete
  Maximilian  III  seine  Unterstützung  zu.  Er  gewährte  den
Orden  der  barmherzigen  Brüder  und  der  barmherzigen