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geschlossenen Kreis, in dem sie mit dem Kopfe nach innen gerichtet stehen, um
sich mit den Hinterfüßen zu verteidigen, sondern greifen vielmehr die Wölfe an.
4. Im Winter. Im Sommer schlägt sich der Wolf einzeln durch, da er
dann seinen Tisch reichlich gedeckt findet. Wenn aber der Winter die Zugvögel
verjagt und viele Tiere in ihr Winterquartier treibt, dann rottet sich der Wolf
mit 10—20 seiner Kameraden zusammen, um so — gleichsam eine Räuberbande
bildend — besser für den Raub gerüstet zu sein. Soll dann ein Hase gejagt
werden, so folgt ihm nur einer. Die andern laufen zur Seite, um ihn zu er-
wischen, wenn er etwa einen „Haken“ schlagen sollte. Im hohen Schnee laufen
sie im Gänsemarsch, wobei jeder nachfolgende Wolf in die Fußstapfen des voran-
gehenden tritt. Den Menschen fällt der Wolf nur dann an, wenn ihn der
wütendste Hunger peinigt. Ist er aber satt, so ist er feig und flieht vor einem
kräftigen Manne mit einem Knüppel. Im Jahre 1820 wurden in Posen 16 Kinder
und 3 Erwachsene von Wölfen zerrissen.
107. Der Edel- oder Baummarder.
1. Als Baumtier. Der Edelmarder lebt in großen Wäldern. Hier sucht
er sich einen hohlen Baum oder ein verlassenes Krähen= oder Eichhörnchennest als
Lagerplatz auf. Im Klettern übertrifft ihn kein Tier bei uns. Da seine Beine nur
kurz sind, sein Leib aber lang gestreckt ist, so gleitet er schlangenartig den Baum hinauf.
Der Pelz ist oberwärts kastanienbraun und sticht von der Rinde wenig ab. (Schutzfarbel)
2. Als Raubtier. Der Marder ist ein furchtbarer Räuber. Das sagt schon
sein Name. (Marder —= Mörder.) Drossel, Rebhuhn, Hase, Rehkälbchen — keins
ist sicher vor ihm. Seine
Mordwaffen sind sein Ge-
biß und seine Krallern ,
Sein Auge, das dess..— 47b
Nachts feurig leuchtet, ist * 4
scharf, sein Gehör vor-
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ein vorzüglicher Springer. DDMq. — —— — .""« 9
Er springt vom Baume —otls
auf das Rehkälbchen herab Der Edelmarder.
und würgt es vor den Augen der alten Ricke. Dem fliehenden Eichhörnchen folgt
er in blitzschnellen Windungen, um es zu würgen. (S. 247.)
3. Im Winter kommt er auch in den Hühnerstall oder auf den Tauben-
schlag. Hier hört er nicht eher auf zu morden, als bis das letzte Stück Geflügel
unter seinen Zähnen geendet hat. Den erwürgten Tieren säuft er das Blut aus.
Nur eins seiner Opfer schleppt er mit sich fort in sein Versteck.
4. Der Haus= oder Steinmarder ist kleiner als der Edelmarder. Auch die
Färbung ist anders: beim Edelmarder kastanienbraun, Hals und Brust gelb, beim
Hausmarder graubraun, Hals und Brust weiß. Er hält sich gern unter Stein= und
Holzhaufen auf. Sein Pelz ist lange nicht so wertvoll als der des Baummarders.