350 16. Die Ara Metternich. 1815—1830.
Stärfe hervorzurufen. Aus beidem und aus den allmählich vermehrten
Mitteln und Wegen des Verkehrs ergab fich, daß der gegenfeitige
Einfluß, der geiftige Austausch zwifchen Bolf und Bolf
ftärker wurde und diefe Kraft zeigte ich befonder3 an dem deutlichen
Bolf als dem Volk der Mitte, jo daß wir auch bei der Erzählung
des leßten Teils der deutichen Geichichte — und zwar mehr nod)
al® bisher — den Blick unausgefebt auf den Gang der Dinge aud)
bei den übrigen europäischen Völkern werden gerichtet halten mülfen.
Die Arbeit des Wiener Kongrejfes war die TFeitiegung des
ZTerritorialbeitandes der einzelnen Staaten mit den Modifikationen,
die die jüngfte Vergangenheit nahelegte oder auferlegte: nd daß
dabei nad) überwiegend äußerlichen Gefichtzpunften, nad) Duadrat-.
meilen und Seelenzahl, verfahren wurde, lag in der Natur der Sadıe.
Ein Fortjchritt im Sinne der neuen Zeit lag aber fchon darin, daß
nicht wie bei früheren Gelegenheiten um Zeremoniell, Nangunter-Ichiede
und Reihenfolge der Unterfchriften und Ähnliches die Zeit
vergeudet wurde. Mit diejem Gejchäft der Neuordnung der Territorialverhältniffe
fam der Kongreß danf der allgemeinen Srieden3-jehnjucht,
die Negierende und Negierte gleichmäßig empfanden, verhältnismäßig
rajch zuftande; wir müfjen, um die weiteren ®ehide
unferes Vaterlandes verfolgen zu fünnen, nun zunädjt die
Karte Europas betrachten, wie fie fich nad) diejer Neuordnung vom
Sahre 1815 geitaltete.
Sie zeigt ung zunädhit fünf Großmächte: Nußland, England,
Frankreich, Ofterreich, Preußen.
Al erite und zum erftenmal ganz al8 europäilche Gropmadht
ericheint Rußland, dem jebt noch der größte Teil des Herzogtums
MWarfchau zugefallen war: ein Niejenreich mit einer Bevölkerung von
etwa vierzig Millionen Seelen; feine Boltzfraft aber gebunden durd)
die ungeheuren Erftredungen des Zandes bei noch wenig entwidelten
Berfehrswegen und durch die Leibeigenfchaft des größten Teils feiner
Bevdlferung und deren Folgen; von der weiteuropäiichen Welt und
ihrer FortichrittSarbeit teil3 durch die Religion und deren Diener,
teils durch die Sprache gefchieden, eine Macht, von der wenig Ein-