498 Stegemann-Arno Müller, Gewerbliches und technisches Schulwesen.
Daneben gibt es auch eine Reihe von Fachschulen für Spezialzweige der Metallindustrie
(Bronze, Edelmetalle, Kleineisen- und Stahlwaren, Feinmechanik, Elektrotechnik,"Uhrmacherei,
Schlosserei, Hufbeschlag.?)
c) Kunstgewerbeschulen. Den ersten Anstoss zur Errichtung von Kunstge-
werbeschulen gab die Londoner Weltausstellung von1851 und das in der Folge einsetzende Bestreben,
die Vorherrschaft des französischen Kunstgewerbes zu brechen. Der hieraus hervorgegangenen
Errichtung des South-Kensington-Museums schliessen sich die Kunstgewerbemuseen und die damit
verbundenen Lehranstalten an: 1863 Wien, 1867 Berlin, demnächst München, Nürnberg, Karls-
ruhe, Dresden u. a. Von den Anstalten sind zur Zeit noch manche in der Entwicklung begriffen.
Über System und Einrichtung des kunstgewerblichen Unterrichts haben sich die Meinungen,
namentlich in neuester Zeit ziemlich geklärt. An die Vorbildung der Schüler werden gewöhnlich
keine Forderungen gestellt, gewünscht wird vielfach vorhergehende Ausbildune in einem Hand-
werk. In diese Gruppe gehören auch die Fachschulen für Holzindustrie (Drechsler, Möbel-
tischler, Bildhauer).
d) Textilfachschulen. Aus den alten Spinnschulen, später Webeschulen, ent-
standen mit der fortschreitenden Entwicklung der mechanischen Weberei allmählich die modernen
Textilschulen mit ihren Nebenabteilungen für Spinnerei, Seilerei, Färberei, Appretur, Wirkerei,
Posamentiererei, Stickerei, Konfektion.®)
bestehen z. Z. im Deutschen Reich 47 solcher Schulen.
e) Verschiedene Arten gewerblicher Fachschulen. Hier sind
namentlich zu nennen die Fachschulen für Keramik und Ziegelei (Höhr, Lauban), für die Glas-
industrie, Gerberei (Freiberg), Müllerei (Dippoldiswalde), Schlosser (Rosswein), Klempner (Aue,
Karlsruhe), Dachdecker (Lehesten), Photographen (München), Uhrmacher (Glashütte).
Besonders zu erwähnen sind die Fachschulen für See- und Binnenschiffahrt (Seedampf-
schiffs-Maschinistenschulen, Navigationsschulen, Schifferschulen), sowie die Bergschulen.3)
f} Mädchengewerbeschulen. Diese Schulen besitzen in Preussen meist eine
höhere Abteilung: Gewerbe-Lehrerinnenseminar und eine niedere, die nur in einzelnen Zweigen
Wäscheanfertigung, Putz, Haushaltung, kaufmönnisches Wissen unterrichtet. Die Schülerinnen
machen keine regelrechte Lehrzeit durch. Die Schulen sind ihrem Lehrziel nach, die höhere Ab-
teilung ausgenommen, den technischen Arbeiterschulen zuzurechnen.
IV. Technische Arbeiterschulen.
$ 5. Diese Schulen können in 3 Arten eingeteilt werden: Gewerbeschulen, Fabrikschulen
und gewerbliche Fortbildungsschulen; doch ist die Bezeichnung nicht scharf zu trennen, da in ein-
zelnen Staaten die Fortbildungsschulen auch Gewerbeschulen genannt werden. Teils bilden die
Gewerbeschulen, gewöhnlich Abend- u. Sonntagunterricht, Gehilfen in ihrem Gewerbe theoretisch
aus und bereiten sie auf die Meisterprüfung vor, teils übernehmen sie auch im Tagesunterricht die
Aufgabe der Fortbildungsschule mit erweitertem Lehrziel: die Ergänzung der Werkstattlehre.
Die Mädchengewerbe- und Frauenarbeitsschulen befinden sich noch in der Entwicklung und haben
mit Mangel an geeigneten Lehrkräften zu kämpfen. In Preussen werden als Lehrerinnen meist die
Absolventinnen der Gewerbelehreri i angestellt. Der Unterricht erstreckt sich nur auf
kaufmännische und textile Fächer neben Haushaltungsunterricht.
Die Fabrikschulen!P) gehen einer grosszügigen Entwicklung entgegen. Sie bilden die fort-
bildungsschulpflichtigen Lehrlinge mit besonderer Berücksichtigung des eigenen Fabrikbetriebes
theoretisch aus. Lehrziel und Unterrichtszeit gewöhnlich wie an Gewerbeschulen bemessen.
Die Unterstufe des gewerblichen Unterrichtswesens bildet der Unterricht des gewöhnlichen
gewerblichen Nachwuchses, d. h. der Lehrlinge und Arbeiter, letzterer, soweit es sich um technisch
?) Zu vergl. Simon S. 11.
®) Desgl. S. 14 ff. und Malcomes, Die Fachschulen der Textilindustrie.
®) Simon, $. 16 ff.
’») Rieppel, Dr.-Xug., Lehrlingsausbildung und Fabrikschulen, Technik u. Wirtschaft 1911.