Buchers und Versens Mission nach Spanien. 315
Wubte der Fürst den Widerstand seines Sohnes Griedrich allmählich überwinden zu können. Sür
smarck galt es unter diesen Umständen, vor allem Jeit m gewinnen. Er riet daher dem
Berlin, 4. April 1870.
Curer Königlichen Hoheit melde ich unterthänigst, daß des Königs Woajestät heut be-
fohlen haben, einen vom General von Moltke m bezeichnenden Offizier nach Spanien zu
schicken, und daß mit allerhöchster Genehmigung der Legationsrath Bucher innerhalb der
nächsten 3 Cage nach Madrid abgehn wird, um dem spanischen Minüsterpräsidenten meine vor-
läufige Antwort auf sein an mich gerichtetes Schreiben m überbringen. Diese Antwort
würde die Entscheidung aufzuschieben Juchen, indem dieselbe von 3 Sragen abhängig gemacht
wird.
1. Ist eine Majorität von 26 oder 34 für die Wahl gesichert?
2. Liegen die Finanzen so, daß der neugewählte König nicht von Hause aus zu Maß-
regeln genötigt ist, welche sein Ansehn im Inlande oder im Auslande beeinträchtigen?
3. Läßt die ronfessionelle Sntwicklung der Zustände befürchten, daß der Monarch durch
Annahme der Krone dem Pärnstlichen Banne ausgesetzt st? Die Aufgabe des Abgesandten
des auswärtigen Amtes würde es sein, über diese Fragen die Klarheit zu gewinnen, welche
erreichbar ist. Der von Herrn von Moltke zu bezeichnende Offizier würde sich, unter Bern-
hardi's Vermittlung über die Armee-Verhältnisse m informiren haben, und die Berichte
Beider sich ergänzen. Ich würde es lebhaft bedauern, wenn bei definitiver Ablehnung der von
Spanien vorgetragenen Wünsche die Ereignisse in ihrer spätern Entwicklung den Anlaß geben
sollten, die Urfachen unerwünfschter Ergebnisse für einzelne oder für viele europäische Länder
in dem Umstande zu suchen, daß das monarchische Curopa sich nicht rechtzeitig entschlossen bat,
dem republikanischen kampfbereit entgegenzutretent.
*1549. Erlaß an den Gesandten in Detersburg
Heinrich VII. Prinzen Reuß.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.)]
Vertraulich. Berlin, den ". April 1870.
Ew. pp. gefälliger Bericht Ar. 30 vom 22. v. M. über Ihre Unterredungen mit Seiner
Mojestät dem Kaiser und dem Fürsten Gortschakow in Bezug auf die montenegrinische An-
.„: Nach dem Tagebuch des Kronprinzen GSriedrich Wilbelm dürfte er, auher durch den obigen Briek
Bismarckes, auch durch mündliche Mitteilungen der Hobengollern'schen Familie von den am 4. “ ge-
faßten Beschlüssen in Kenntnis gesetzt sein. Es beiht in dem Tagebuch zum 4. April: „Hobenzollerns reifen
wirklich unverrichteter Sache ab; im letzten Augenblick noch kurze Beratung bei Seiner Majestät mit
Bismarck und dem Sürsten, wobei ajournirung beschlossen, bebufs Absendung eines durch General
o. Moltke zu bestimmenden Offiners nebst Legationsrat Bucher (0, um das Terrain an Ort und Stelle
u jondieren, ferner um womöglich durch provisorische Megierung Erledigung der Finan- Angelegenheĩt
(säcularisirung dorie der Sbefrage etc. zu veranlassen, ebe eine Annahme in Betracht gesogen werden
conne“ (Freundliche Mitteilung des Herrn Staotsarchibrat Dr. H. O. Meisner); ogl. auch E. v. Wertheimer,
—Ws Seiedrich Wilhelm und die spanische Hobenzollern-Cbronkandidat ralupacht Jehr cher.