Full text: Reden und Aufsätze aus dem Kriege.

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Empfindlichste eingeschränkt. Sıe haben die Entbehrungen mit 
bewundernswerter Einsicht und Zähigkeit ertragen, im Bewusst- 
sein, dass Durchhalten die erste Voraussetzung des Sieges ist. 
Das sind die Hände, die unsern Brüdern draussen im Feld und 
auf der See die Waffen schmieden, die in harter Arbeit unter 
Tag und vor dem Feuer, an Drehbank und Schraubstock, ın Fabrik- 
saal und Schreibstube für den Krieg ihre Arbeit verrichten, eine 
Arbeit ebenso hart und ebenso wichtig wie die Arbeit des Land- 
wirts. Es gilt, ihre Arbeitskraft durch ausreichende Ernährung 
zu erhalten. Diese Pflicht, diese Notwendigkeit muss Tag und 
Nacht einem jeden vor Augen stehen, der in der glücklichen Lage 
ist, über den eigenen knappen, dem Kriege angemessenen Bedarf 
hinaus über eigene Bestände zu verfügen. Wer gibt, was er irgend 
entbehren kann, der hilft, unsere Schlachten schlagen; wer zu- 
rückhält, der hilft dem Feind. Wir sind auf dem Wege, jplan- 
mässig durch eine über das ganze Land zu erstreckende Organi- 
sation die Ablieferung der entbehrlichen Erzeugnisse zu befördern. 
Aber die besten Massnahmen und die vollkommenste Organisation 
kann nur dann wirksam werden, wenn alle in Stadt und Land 
von der Ueberzeugung durchdrungen sind, dass es jetzt ums Ganze 
geht, dass von jedem das Höchsitmass an Leistungen und Opfern 
verlangt werden muss, um in dem grossen Entscheidungskampf 
den Sieg zu erringen. 
Meine Herren! Ich weiss, dass Ihre Verhandlungen von die- 
sem Verständnis getragen sein werden. Ich bin überzeugt, dass Sie 
alles tun werden, was ın Ihrer Kraft liegt, um dieses Verständnis 
überall draussen im Land zu fördern und zu steigern. Die deutsche 
Landwirtschaft wird den Kampf mit dem britischen Acker im 
rechten Geist, in voller Tatkraft und im entschlossenen Opfer- 
willen durchkämpfen; sie wird mit unserer Industrie, mit unserem 
Heer, mit unserer Flotte das Letzte und Beste an die grosse Ent- 
scheidung setzen. 
Wenn alle ihre volle Schuldigkeit tun, — und der Deutsche 
tut seine Schuldigkeit —, dann werden wir das Jahr 1917 zur 
Weltenwende gestallen, dann wird das Jahr 1917 die britische 
Seetyrannei zerbrechen und dem deutschen Volke die Tore einer 
freien und grossen Zukunft aufmachen. 
J. S. PREUSS, Kgl. Hofhuchdr., Berlin S.14, Dresdener Sir. 43,