Full text: Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

921 Süßapsel — Tabak. Süßigkeit — Tabaldose. 922 
können . . aus muncher mannspersen einen suszen diu hungers nöt Iwein 3306; zucker der zeiten 
herrn machen Kant 7, 421; war er bei tische heutsuszet die galle der schäden und plagen Logau 3, 213. 
so susz wie honigseim: war tändelnd, schmeichelhatt— Süßigleit, k. Zustand des Süßen, Süßes selbst, 
Wieland Klel. 4, 306; da noch . die suszen jungenhd. slezecheit, snezekeit, Bildung von der seltenen 
berrn zu deinen foszen waren Goethe Mitschuld. 1, 3; Nebensorm mhd. suezee zu sneze; den Zustand be- 
ironisch: platz. suszer pödel, platz! Faust 1. 3) süsz,zeichnend, im eigentlichen Sinne: s. des zuckers, honigs, 
als subst. Neutr., von süßem Stoff: der goldnen frucht einer speise; übertragen: gott ist nichts denn eitel 
erquiekend susz zu trinken Lenan 43. — Dim. susz-suszigkeit und güte Luther 4, 8°; einer stimme suszig- 
ehen, schmeichelnde Anrede an ein Mädchen: ach susz- keit Gotter 1, 258; etwas Süßes: eine kleine biene 
chen! lasz mich zu dir ein Goethe der Müllerin. . sog suszigkeit aus allen blumen Gleim 3, 227; 
Reue. — Zusammensetzungen: Süßapfel, m. Apsel von Zuckerwerk: willkommenes backwerk und die besten 
süßem Geschmack. — Süßholz, n. Name der holzigensuszigkeiten Goethe Wanderj. 1, 6; übertragen: diesz 
Wurzel einer Pflanze, gi##rr#, von süßem Ge- luckliche genie, ds8 . SUszigkeit, mit schartem witze, 
schmack, mhd. suezholz; liquiritia, süszholz, in wasser von allen bluhmen sog Uz#1, 219; sie sagen ihr. 
gesotten und getrunken ist fast gut für das geschwersuszigkeiten vor Weiße bei Adelung. — sißlich, 
der brust Tollat marg. med. 24b; das suskholz.4 auf füße Art, mhd. suezliche: wie die sirenen sbes- 
dessen schwärzlichen saft sie in jener stadt bärendreck lich singen H Sachs Fab. 1, 268; die da ganz köstlich 
nennen Keller Werke 6, 8; übertragen auf süße Worte,essen, sueszlich rnhen Uv Hutten Feber das erst b 35; 
schöne Reden: nem nur suesholez in den mund H Sachs in neuerer Spr. erloschen. 2) dem Süßen nahe, etwas 
Fab. 1, 324; in neuerer Spr. suszholz raspeln (s. dort); füß, aus suszlicht: (Brombeeren) sind aueh suezlot 
bazu suszholzrespler Keller Nachl. 23. — Süßlirsche, Megenberg 330, 27; suszlicht, suszlecht, suszlechtig 
Kirsche von süßem Geschmack. — Süßwassersisch, m. Stieler; suszlich, duleieulus, steduteiz, ein susz- 
Fisch der im süßen Wasser lebt. — Süßwurzel, f.icher apfel, duleiculum malum, eine suszliche wurzel, 
Name der Pflanze polijpodium vulgare, auch wildesradiæ aubduleis Steinbach; auf Geist und Empfin- 
suszholz. dung übertragen, mit verächtlichem Beisinn: suszliche 
Süße, k. das Süßsein, süße Art, ahd. suozi, mhd. reden Goethe 60, 271; da schmeekt nun alles ganz 
sueze: eigentlich: des honeges sueze Barl. 20, 21; der suszlich (in Fouqués Geschichten) Hauff 7, 110; die 
dattel susze Ramler 2, 84; wie, o lenz, nus deinem suszliche misère und die weinerliche, erlogene senti- 
kranze manche biene susze sog Stolberg 2, 189; mentalitüt Häusser d. Gesch. 3, 162; in suszlicher 
übertragen: die suüsze diser holdseligen buchlein Garg. melancholie Grabbe 2, 127; er sehreibt . allerhand 
33; deine (Amors) falsche susze Fleming 180; wahreruszliche und nachgeahmte sachen Keller Seldw. 
liebe susze Stolberg 2, 8; tugte mit ungewohnter?, 94. — Süßling, m. 1) süßer Mensch (vgl. susz 2); 
susze hinzu . CF Meyer Jenatsch 86. — süßen, süß süßer Herr Adelung; wer immer lallt von suszem 
machen, ahd. suazen mhd. snezen; in älterer Spr. drang zu honig-Uuszem sang und klang, der heisze 
häufiger, als in neuerer, wo es durch versuszen (s. d.)billig: suszling Voß 6, 315; ob nicht die körper der 
meist ersetzt ist; noch in Wirtschast und Gewerbe: einensuszlinge in zarten puderflöckehen in die locken ihrer 
trank mir honig, zucker sbszen; dohnen, gesuszt mit gebieterinnen fliegen Schiller 2, 350. 2) Name eines 
zueker Voß Idyll. 13, 174; die speise . dic ich ihm Pilzes mit süßem weißem Sast, agarieus laetisluus, 
auszen will Heyse 9, 237; von der Fähigleit eines und einer Pflanze, kragopogon pratense, Wiesen- 
Stoffes: der feine zucker suszct besser als der grobe bocksbart. 
Adelung; — übertragen: ein bröt, daz suozt im Shlbe, (. silbe. 
B. 
2, der Laut und sein Zeichen, mit der Benennung tẽ. tabacktrinken hielte Simpl. 4, 235), in derber und ver- 
Tabak, m. (betont tabäk und täbak) Name des Rauch= #chtlicher Rede saulen (Philander a. a. O.); älter in 
krautes; entlehnt zunächst aus romanischen Sprachen,er pseise (s. d. 2): stopfte sich eine pfeife von unserm 
span. tabaeo, franz. tabae, woher auch engl. tobacco; 1 tabucke ein Gellert 4, 377; erst später zur eigarre ge- 
zurücksührend auf einen Ausdruck der amerikanischen formt; daher in neuerer Spr. vielfach tabsk nur den 
Indianer, der einec mit dem Kraute gefüllte angezündete für die Pseise meinend, im Gegensatz zu eigarre: mit 
Rolle aus Maisblättern bezeichnete, dann von den tabak und eigarren handeln; — tadak serner verwendet 
Spaniern auf das Kraut selbst übertragen wurde (dic zum Schnupsen, vgl. schnupftabak: ieh muszte eine 
Spanier heiszen disz kraut tabaco Sebiz 222); seit derbe prise tobsk in die nase reiben Schiller Ränb. 
17. Ih. in deutscher Spr. eingebürgert, bis ins 18. Ih. 2, 3; und zum Kauen, kautabak; bildlich starken tabak 
in wechselnder Form: tubae Philander 1, 516; eine rauehen, derb in Ausführungen oder Zumutungen sein; 
pfeise toback Schuppins 630; ein beizender toback das ist starker tabsk; wenn diese herren den tabak 
Goethe Faust J, beide Formen noch heute mundartlich; nicht stark genug fanden und dem spasze stillsch weigend 
tabak (tabacks seit den ersten dentschen Belegen vor= den rucken kehrten Keller Nachl. 58; — tabak be- 
berrschend, setzt einzig schriftgemäß. Plur. in neuerer Spr. zogen auf die ganze Pflanze; tabak bauen, slen, ernten; 
tabake von Tabaksorten. Das Wort bezeichnet zunächst wilder tabak heißt die Mengelwurz, rumeæ eritpus. — 
das der betreffenden Pflanze entnommene, besonders Zusammensetzungen, wobei die Formen tadak- und 
hergerichtete Kraut, in Blättern (bluttertabak). in Rollen tabaks- wechseln: Tabakbau, m. Anban von Tabak. — 
gesponnen (rollentabak) oder geschnitten, verwendet zum Tabalbeutecl, m. Beutel für den Rauchtabak. — Tabal- 
rauchen (s. d.), früher als trioken gesaßt (was er vom dose, k. Dose für Schnupf= oder seingeschnittenen Ranch-