Full text: Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

923 Tabalpfeise — tadelsüchtig. 
tabak. — Tabalpfeise, k. Pfeise zum Rauchen des Tabals: 
aueu wurden aufgelegt tabackpfeilen Opel-Cohn 
273; auszer der tabakspfeise kannte er kein irdisches 
bedursnis Treitschke 4, 691. — Tabakrauch, m. Rauch 
vom verschmauchten Tabak: die stube voll tabakrauch 
— Tabalfchuupser, m. der Tabak schnupft. — Tabal- 
spiuner, m. Gewerbtreibender, der Tabakblätter zu Rollen 
spinnt. — Tabalsteuer, r. Steuer auf Anban, Verfer- 
tigung, Verbrauch von Tabak. 
Tabelle, f. Ulbersichtskafel, geordnetes Verzeichnis: 
Lehnwort aus lat. tabella (dem Dim. von tabola, vgl. 
lafel), schon ahd. bei Notker als tabella aufgenommen, 
häufiger erst seit 17. Ih.: t. uber abgaben, steuern; 
genenlogische, statistische tabellen, u. s. w. — Taberne, l. 
Schenke, Lehnwort aus lat. taberna, ahd. als tarerna, 
tarirna, tavern, mhd. als taberne, tavernc. talerne, tavern 
ansgenommen, auch später in wechselnder Form: taberna 
taberne, tabeerne, labern, tafern Dief.; wo wir rasten 
in ainer dafern (:gern) HSachs Fasin. Sp. 6, 44; 
ein wiertshausz, cin graosz tabern BWaldis Esop 
3, 87; seit 17. Ih. in der Schreibung feststehend, neuer 
in der Anwendung sehr zurückgegangen, mehr noch im 
Süden als im Norden erhalten: eine t. halten. als 
Wirt; in der t. sitzen, zeehen. 
Tadel, m. Gebrechen und seine Rüge, erst mbd. als 
tadel erscheinendes Wort dunkelun Ursprungs, dessen Be- 
ziehung zu mhd. zadel, zädel, ahd. zadal Mangel ganz 
zweifelbaft ist; die ältere Bed. des lörperlichen, geistigen 
oder seelischen Mangels noch vielfach nhd.: tadel, vitium, 
aliquid quod reprelensione dignum esk Schottel; 
weil .. nie ein tadel an ihm gelunden war Schiller 
4, 223; auch im Plur.: gleich sah jeder meine tadel 
(Mangel an Stand, Reichtum und Schönheit) Göckingk 
Lieder zweier Lieb. 43; besonders in der stehenden Ver- 
bindung obne tadel: so wirt nichts geporn #n tadel auf 
demselben schlosz D. Skädtechr. 3, d3; auf das jr seid 
on taddel, und lauter Phil. 2, (5; die sich, nicht mehr 
scharf verstanden, bis heute erhalten hat: ein menseh. 
ein gegenstand ist ohne tadel; ein leben ohne tadel 
Steinbach; ein mand ohne tadel Gocthe DuW. 7; 
die jetzige Hauptbed., Rüge irgend eines Gebrechens, 
erst jünger von dem Verbum tadeln aus emporze- 
kommen: tadel eorreptio, vituperium Stieler; einem 
tadel aussetzen, ctpore aliquom Steinbach; ich will 
weder deinen tadel, noch deinen beilall Schiller Fiesko 
3, 1; lab ist freilich das beste, der tadel grenzet an 
feinlschaft Herder z. Litt. 10, 133; sebarfer, harter 
(Bismarck Ned. 16, 74), herber, schwerer, gerechter, 
ungereehter tadel; sich tadol (einen tadel) zuziehen, 
tadel trifft einen, u. f. w.; selten im Plur.: alla lab- 
spruebe und alle tadel Lessing 11, 751.— Zusammen- 
setzungen: tadelfrei, los, frei, los von Tadel: tadel- 
freics betragen; gesicht von tadelloser schönheit 
Moltle 6, 231; zurustungen tadellos vollendet Keller 
Werte 6, 80. — Tadelrede, f. Rede die Tadel enthält 
Schiller Br. v. Mess. 789. — Tadelwort, u. Wort das 
einen Tadel ausspricht. « 
Tadeln, Makel, Gebrechen kennzeichnen und rügen; 
seit 15. Ih. bezeugt, von Luther gebraucht, aber im 
Glossar zum Basler n. Test. noch ertlärt (tadlen. stroflen, 
beratflen, nachredenl. später in der Schriftfpr. allgemein: 
wurumh laddelt jr die rechte rede? Hiob 6, 25; wer 
mir das soll strafen und taddeln 20, 3; las dich nicht 
zu klug dunken, jederman zu taddeln Sir. 6, 2; einen 
wegen, uber, um etwas tadeln; tadelt man dasz wir uns 
lieben Goethe 4, 11; tadelnde blieke, bemerkungen. — 
In Zusammenfetzungen: Tadcllust, k. Lust zu tadeln; dazu 
tadcllustig. tadcluswert,-würdig, wert, würdig getadelt 
zu werden. — Tadelsucht, k. Sucht zu tadeln: bosbafte 
tadelsucht EKönigan Lessing 1713; von ladcelsueht und 
neide .. srei Weiße kom. Op. 1, 198; dazu tadclsüchtig: 
wuaren sie doch nichl tadelsuchtig Fischart Kehrab 203. 
924 
— Tadler, m. der da tadelt: wil ich keinen . zum richter 
oder taddeler leiden Luther 5, 143; sieh stolz auf 
deine tadler nieder Cronecgl 2, 130; Fem. tadlerin: die 
vernunstigen tsdlerinnen Zeitschrist von Gottsched 1725. 
Tajel, k. Bret, Scheibe, dünne Fläche, Lehnwort aus 
lat. tabula, schon nhd. als tabiln, unter romanischer 
Einwirkung als tavla, tavala übernommen, mbd. tarcie, 
tavel, bejogen auf verschiedene platten= oder scheiben- 
sörmige Gegenstände (rgl. auch getäfel), besonders Flä- 
chen von Stein, Holz, Mctall, die Schriftzüge oder Bild- 
werk enthalten: die zwo steinern tatein des bundes 
5. Moj. 9, 11; die gesetzestaleln; lieszen den bund auf 
messing tafel schreiben 1. Macc. 8, 22; bildlich: die 
sunde Judn ist .. aul die tafel ires herzen gegraben 
Jes. 17, 1; talel eines allars, altartafel; ward die talel 
auf dem Irümesz-altar .gemacht D. Städtechr. 1, 322; 
Holzbrett worauf sich ein Gemälde befindet, daher — 
Gemälde selbst: die in einer talel abgemahlte heimlicho 
kriegsränke Schuppins 537; übertragen auf Papier- 
flächen mit Zeichnungen: buch mit zebn tafeln abbil- 
dungen; atlas aus dreiszig tafeln bestehend; wandtafeln 
mil zeichnungen von tieren in der schule; älter auch 
— Register: tafel daran man kurz begreist was in 
einem büch ist geschriben, elenchus, inder tibrorum 
Maaler; — hölzerne, steinerne, metallene Fläche für 
flüchtiges Schreiben, schreib-, notiz-, schicfertafel; er 
offnet eine schatulle und nimmt cinc schreibtafel heraus 
Schiller Karl. 3, 5; schwarze talel in Schulen, Hör- 
sälen, zum Anschreiben, auch vor öffentlichen Gedäuden 
für Anschläge; talel von glas, glastalel für Spiegel, 
Fensterscheiben, Einrahmungen; talel wachs in Bienen- 
stöcken, tafel chocolade, seife; tafel an Edelsteinen obere 
ebene, so geschlissene Fläche; bei Steinmetzen langer und 
breiter, aber dünner Stein; im Gebirgslande lange 
weite Hochebene, vgl. tafelland; — befonders Brett für 
einen langen Tisch, und solcher Tisch selbst: mensa taflel, 
lasel, tatele Dief.; bei Rats= und Gerichtsverhandlungen, 
rats-, gerichtstalel; für Essen und Trinken: eine lalel 
herrichten, decken, an der talcl sitzen, an der wirts- 
tafel, an oflener, furstlicher tafel speisen, jemanden 
zur talel führen, von der tafel auletchen. dic tafel ab- 
decken, u. s. w.; die an folcher Tafel gegebene Mahlzeit 
mit dem Nebenbegriff des vornehmen, reichen, erlesenen, 
besonders in fesien Verbindungen: kreie talel halten, 
über der tafel singen, sich um neun uhr zur tafcel be- 
geben Steinbach; was wollen solche herren niebt, 
wenn sie sreie tasel spuren! Isfland Jäg. 1, 5; hatten 
die trompeter zur talel gerusen Hauff 6, 70; ich fuhra 
gute tasel Grillparzer 9, 7; grosze lalel will er 
heut geben Körner Hedwig 2, 9; zur reichen tasel 
kamen alle ritter, alle damen Uhland 220; einen zur 
zu) talel einladen, bitten, zu tafel kommen, bei tasel 
Sitzen, schwelgen, u. f. w.; die tafel anfheben, vgl. unter 
ausheben 7; tafel auch die an der Tasel gemeinschaft- 
lich Sitzenden: die ganze tafel erhob sich, als er hercin- 
trat. — Zusammensetzungen: Tasckaussatz, m. vgl. aut- 
satz 3. — Tasclbicr, u. besseres Bier, zum Trinken bei 
herrschaftlichen Tafeln bestimmt. — Tafelbild, n. Bild 
auf eine Tafel gemalt, Gemälde mit Wachs= oder Ol- 
farben: technik in miniaturen und tafelbildern Frey- 
tag Bild. 1, 279. — Taseldecker, m Bedienter der eine 
berrschaftliche Tafel deckt. — Tasclsorm, k. Form einer 
Tafel; bei Metallgießern Form für eine zu gießende 
Tasel. Dazu kafelföormig, in Form einer Tafel: tatel- 
förmiges hochland, klarier. — Taselfireudc, (.. meist 
Plur., Freude bei erlesener Mahlzeit. — Taselgeld, n- 
Geld zur Bestreitung der Kosten von größeren Mabl- 
zeiten. — Taselgerät, -geschirr, n. Gerät, Geschirr für 
eine Eßtafel. — Tafelglas, u. Glas in Tafeln. — Tasel- 
laud, u. tafelförmiges Hochland: Oberschlesien ist kein 
gebirgs-, sondern cin 900 fusz hohes tslellund Moltke 
6, 232. — Tafellust, l. Lust bei erlesener Mahlzeit: ihre 
Tadler — Tafellust.