Full text: Die Hohenzollern und ihr Werk.

Akzise. Staatshaushalt und Hofstaatskasse. Tresor. Konservation der Bauern. 299 
schon von Anfang seiner Regierung an; und tatsächlich hat er seinem Nachfolger 
einen Schatz von fast 8 Millionen Talern hinterlassen, der in Fässern verpackt 
und zur Fortschaffung bereit in den Kellerräumen des Schlosses lagerte. Die 
Gesamtsumme der Einnahmen und Ausgaben des preußischen Staatshaushalts 
hat beim Tode Friedrich Wilhelms I. etwa 7 Millionen Taler betragen. Davon 
wurden 5 Millionen für militärische Bedürfnisse verbraucht; aus den übrig- 
bleibenden zwei Millionen wurden nicht nur die Kosten für Hof= und Zivil- 
verwaltung bestritten, sondern auch noch Ersparnisse für den Staatsschatz zurück- 
gelegt. In der Erhaltung der Armee und in der Ansammlung eines Kriegs- 
schatzes gipfelte also der gesamte Finanzhaushalt des preußischen Militärstaats. 
Die Wohlfahrtsbestrebungen waren in diesem Staate von vornherein den 
Gesichtspunkten militärisch-politischer Machtentfaltung untergeordnet, aber sie 
wurden keineswegs vernachlässigt. Friedrich Wilhelm I. wußte sehr wohl, daß 
der schwere Steuerdruck von der Bevölkerung ohne Schaden für den Staat nur 
dann ertragen werden konnte, wenn man der wirtschaftlichen Eutwicklung mit 
allen zur Verfügung stehenden Mitteln nachhalf. Das ist der Sinn seiner Wirt- 
schaftspolitik, die in den Bahnen des damals überall befolgten Systems des 
sogenannten Merkantilismus sich bewegte. In der Hauptsache war Preußen 
damals noch ein agrarischer Staat, und dem Landbau ist darum die staatliche 
Fürsorge in erster Linie zugewandt gewesen. Vor allem der ausgedehnte 
Domänenbesitz, der in den ostelbischen Provinzen aus güterartigen Vorwerken 
und Bauerndörfern bestand, war der Schauplatz dieser Tätigkeit für die Landes- 
kultur. Es kam dabei nicht bloß darauf an, die Erträge stetig zu steigern, sondern 
zugleich dem ganzen Lande ein Beispiel besserer Wirtschaft zu geben und vor allem 
auch die Lage der erbuntertänigen und frondienstpflichtigen Bauern nach Mög- 
lichkeit zu verbessern. Die „Konservation der Bauern“ war ein wichtiger Gesichts- 
punkt in der Domänenverwaltung; einem Amtmann, der als Bauernschinder 
erkannt worden war, wurde der Kontrakt nicht leicht erneuert. Von einer Auf- 
lösung des bäuerlichen Abhängigkeitsverhältnisses war auch auf den Domänen 
damals noch nicht die Rede; aber der König war bemüht, es zu mildern und 
erträglich zu machen. Er suchte die strengere Form der Leibeigenschaft, wie er 
es nannte, die namentlich in Ostpreußen und Pommern vorkam, mehr und 
mehr durch das mildere Erbuntertänigkeitsverhältnis zu ersetzen, wie es in der 
Kurmark üblich war. Das Prügeln der Bauern wurde verboten; die Fron- 
dienste wurden nach Möglichkeit auf drei bis vier Tage in der Woche beschränkt, 
zum Teil auch schon eine Ablösung der Dienste durch Geld angestrebt. Auf den 
Rittergütern allerdings haben diese bauernfreundlichen Bestrebungen noch kaum 
Eingang gefunden. 
Ein Hauptpunkt war die großzügige innere Kolonisation, die mit Friedrich 
Wilhelm I. beginnt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die Provinz Ost- 
preußen und insbesondere um die litauischen Bezirke, die seit dem Jahre 1709 
durch die vom Osten her eingedrungene Pestepidemie so furchtbar gelitten hatten 
und stark entvölkert waren. Hier hat der König ein großartiges Kulturwerk 
geschaffen, indem er durch konsequente jahrzehntelang fortgesetzte Maßregeln 
der Ansiedlung, des Bauens und Besserns, der Unterstützung und 
Förderung der Kolonisten, großer landwirtschaftlicher Meliorationen 
das Land wieder in einen blühenden Zustand zu bringen suchte. Nicht