Full text : Die Frau als Hausärztin.

Orthopädische  Behandlung  von  Verkrümmungen.  411

keit  ist;  3.  Feststellung  des  Körpergewichts  alle  Vierteljahr.  Wer  dies
alles  genau  durchführt,  wird  sich  später  nicht  den  Vorwurf  machen  können,
daß  er  an  seinen  Kindern  die  körperliche  Pflege  vernachlässigte.

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Die  ortbopädische  Bebandlung  der  Verkrümmungen.
(Orthopädie  griechisch:  Geradrichtung.)

Die  Entstehung  und  Vorbengung  der  Verunstaltungen  haben  wir  im
vorstehenden  Kapitel  erläutert;  in  diesem  fällt  uns  die  Aufgabe  zu,  die  Behandlung
  der  bereits  entstandenen  Skelettfehler  zu  besprechen.

Die  Zahl  der  Krüppel,  die  ihre  Mißbildungen  in  der  Kindheit  oder
auch  später  nach  schweren  Krankheiten  infolge  falscher  Behandlung  erworben
haben,  ist  viel  größer,  als  man  weiß.  Bei  den  meisten  ist  eine  Korrektur
ausgeblieben,  entweder  weil  das  Geld  zu  kostspieligen  Heilversuchen  fehlte
oder  weil  die  üblichen  Heilmethoden  erfolglos  waren.  Hauptsächlich  durch
Operationen  bemühte  man  sich,  verbogene  Glieder  gerade  zu  machen;  Streckund
  Gipsverbände  halfen  dabei.  Bei  rhachitischen  Verbiegungen  der  Unterschenkel
  beispielsweise  brach  man  in  der  Narkose  das  krumme  Bein  des
Kindes  und  legte  es  in  veränderter  Stellung  in  einen  festen  Verband,  um
durch  neues  Wachstum  der  Knochen  eine  Geradstellung  zu  erzielen.  Wie
umständlich,  wie  gefährlich  und  wie  brutal  ist  dieses  Verfahren!  Wochen-,
ja  monatelang  mußte  ein  solcher  Patient  ruhige  Bettlage  einnehmen  oder
war  in  seiner  Beweglichkeit  stark  gehemmt.

Welche  großen  Fortschritte  hat  dagegen  die  heutige  Orthopädie
erzielt!  Keine  blutigen  Operationen,  keine  schwächende  Bettruhe,  sondern
langsam  ansteigende  mechanische  Einflüsse,  in  Druck  und  Zug  bestehend,  die
durch  äußerst  sinnreich  zusammengestellte  Apparate  erzielt  werden.  Sie  bestehen
aus  Metallteilen,  die  nicht  nachgeben,  und  verbindenden  Lederteilen,  mehr  oder
minder  gepolstert.  Sie  werden  jedem  Gliede  genau  angepaßt  und  wöchentlich
oder  auch  seltener  verstellt  und  verschoben,  um  den  Druck  oder  Zug  zu
verändern.  So  zwingt  man  das  verkrümmte  Glied  allmählich  in  eine  bessere
Lage,  und  die  weichen  Sehnen  und  Muskeln  geben  nach;  die  härteren  Knochen
passen  sich  auch  langsam  an,  und  nach  einigen  Wochen  sind  unerwartete  Fortschritte
  erreicht.  Dabei  bewegen  sich  die  Patienten  ungehindert  und  wachsen
in  ihren  Apparat,  der  nur  anfangs  lästig  ist  und  nur  zeitweilig  schmerzt,
sozusagen  hinein.  Knochen,  die  noch  im  Wachstum  begriffen  sind,  also
weicher  sind,  geben  natürlich  mehr  nach,  sind  also  eher  zu  beeinflussen  als
die  festen  und  ausgewachsenen.  Man  hat  daher  bei  Kindern  die  größten
Erfolge,  und  keine  Mutter,  deren  Kind  einen  Skelettfehler  hat,  sollte  damit
zögern,  es  einem  geschickten  Orthopäden  zu  übergeben,  damit  dieser  seine