Der große Fürstenbund gegen Heinrich den Löwen. 249
Herzoge feindliche und die ihm anhängende, spalteten sich ganz offen
und es kam daher zu einer Doppelwahl. Die dem Herzoge günstig
Gesinnten erhoben den bisherigen Decan Otbert, während die Wahl
seiner Gegner auf Siegfried, den Sohn Albrechts des Bären, den
damaligen Vorsteher des Liebfrauenklosters zu Magdeburg fiel.)
Die Wahl dieses Mannes war ein Akt der offensten Opposition
gegen den Herzog, dieser daher entschlossen, dieselbe auf jede Weise
zu hintertreiben, um jeden Preis rückgängig zu machen. Mit Siegfried
wäre die Partei der ihm so entschieden feindlich gegenüberstehenden
Fürsten in den Besitz des wichtigsten geistlichen Postens
in Sachsen gekommen, mitten in seinem eigenen Lande hätten seine
Gegner den besten Stützpunkt gefunden, um des Herzogs Stellung
mit mehr Erfolg als früher zu untergraben. Da aber die Beseitigung
Siegfrieds auf friedlichem Wege kaum möglich erscheinen
mochte, so stand Heinrich der Löwe keinen Augenblick an, sich zur
Erreichung derselben offener Gewalt zu bedienen. So geschah es
denn, daß wenige Monate, nachdem der Kaiser sich zu Würzburg so
ernstlich um die Wiederherstellung des Friedens bemüht hatte, die
alte Fehde von beiden Seiten mit erneuter Leidenschaftlichkeit erhoben
wurde. Mit gewaffneter Hand fiel Guncelin von Schwerin
im Auftrage des Herzogs in das Erzbisthum Bremen ein, wüthete
darin mit Sengen und Brennen, bemächtigte sich der Stadt selbst,
so daß der dort weilende Erwählte Siegfried mit dem Haupte der
ihm anhängenden Partei, dem Propste Otto, nach Oldenburg zu
fliehen genöthigt wurde, während sich seine übrigen Anhänger nach
dem festen Harburg in Sicherheit brachten.)
So schienen denn des Kaisers Bemühungen, dem Reiche den
Frieden wiederzugeben, schon nach kurzer Zeit ganz vergeblich gewesen
zu sein, und es drohete eine Erneuerung des eben erst mühsam
beruhigten Streites, der Sachsen so verderblich verwüstet hatte.
Zwar gebot Friedrich auf einem am 1. November gehaltenen Reichstage
von Neuem Frieden..) Da sich natürlich die Bundesgenossen
Albrechts des Bären, namentlich der Erzbischof Wichmann von
1) Ann. Stadens.
duo sunt electi, Sifridus, Alberti mardhionis
Hlius, et Otbertus decanus.
2) Ann. Stadens. p. 346: Et
factus est maximus tumultus in Brema,
Gunzelino de Zwerin ex parte ducis
insaniente, ita ut Sifridus eleotus
in Aldenburg cum Ottonc pracpoeito
so transferret. Alii fugerunt Hororc
—
3 Ann. Palid. p. 94: Imperator
item curiam hbabuit circa Kalendes
Novembris, ubi rursus paz inter principes
flrmatur.
L
I. Nov.